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Einfahrt, Park, VerkehrsinselZum Palmsonntag – Wo in Köln die Palmen wachsen

6 min
Die Palmenallee im Botanischen Garten

Die Palmenallee im Botanischen Garten 

Sonntag wird der Tag gefeiert, an dem an den Einzug Jesu Christi in Jerusalem erinnert wird. Wir haben aus diesem Anlass geschaut, wo man in Köln Palmen finden kann.

An diesem Sonntag wird der „Palmsonntag“ gefeiert, an dem an den Einzug Jesu Christi in Jerusalem erinnert wird. Er wurde von seinen Anhängern mit Palmzweigen und Jubel empfangen. Palmen galten in vielen Kulturen als heilige Bäume. In unseren Breitengraden sind sie selten und vermitteln vor allem ein Gefühl von Urlaub, Sonne und Strand. Auch im weit vom Meer entfernten Köln findet man sie.

Die nördlichste Palmenallee Europas

Köln hält einen Palmenrekord: Im Botanischen Garten steht die nördlichste Palmenallee Europas. 30 Pflanzen lassen Urlaubsgefühle aufkommen. Dass die es hier seit 2008 aushalten, liegt an der Sorte: Es sind chinesische Hanfpalmen. „Die sind in der gebirgigen südwestchinesischen Provinz Yunnan zuhause. Dort sind sie Kälte gewöhnt“, sagt Marina Tsaliki, die Leiterin des Botanischen Gartens. Sie verkraften bis minus 18 Grad.

Wandeln unter Palmen im Botanischen Garten

Wandeln unter Palmen im Botanischen Garten

Die Palmen sind echte Kölner, denn sie stammen von einer Pflanze ab, die schon seit 1975 im Botanischen Garten heimisch ist. Der nun schon greisenhafte „Urvater“ der Palmenallee steht noch immer – und zwar im Tropenhof der Schaugewächshäuser. 1998 wurde ihm eine weibliche Pflanze zur Seite gestellt und enthusiastische Gartenmitarbeiter zogen Nachkommen. Die wurden an andere Gärten verschenkt, einige jahrelang in Kübeln gehätschelt und 2008 schließlich ausgepflanzt. In den ersten Wintern wurden sie noch mit Flies abgedeckt, aber sie überstanden alles gut. Nachkommen sind nun auch ganz frisch an den Garteneingang an der Amsterdamer Straße gepflanzt worden. „Als Einladung, uns zu besuchen“, sagt Marina Tsaliki.

Die Palme hat übrigens nichts mit Hanf zu tun. Sie wird so genannt, weil man aus den Faserflechten am Stamm ähnlich wie aus Hanf Seile machen kann. 

In der Kölner Bucht ist das Wetter ohnehin eher mild, der Klimawandel bringt höhere Durchschnittstemperaturen. Wäre es denkbar, dass Palmen irgendwann ein ganz normaler Anblick in der Stadt sind – vielleicht sogar Kokospalmen? Nein, sagt die Fachfrau. Denn für Palmen sind neben der Temperatur noch viele andere Faktoren wichtig, vor allem der Boden. Und der ist in Köln eben doch nur etwas für die robusten Südchinesen.

Beverly Sülz am Beethovenpark

An einem Wohnhaus in Sülz ist die Palme bis zum Dach gewachsen.

An einem Wohnhaus in Sülz ist die Palme bis zum Dach gewachsen.

Stolz reckt sich die Palme vor der Fassade eines Wohnhauses in der Nähe des Beethovenparks in die Höhe. Gepflanzt hat sie vor 30 Jahren die Bewohnerin des Hauses. „Meine Freundin hatte eine Palme vom Lago Maggiore in ihrem Garten, die hatte sie aus dem Urlaub mitgebracht. Die habe ich immer bewundert.“ Dann habe sie im Supermarkt eine Palme entdeckt, die „sehr stabil aussah“. Es war eine robuste chinesische Hanfpalme und die wurde gekauft. „Damals hieß der Rewe noch Stüssgen, so lange ist das her.“ Als die Palme ein Meter hoch war, habe sie sie einfach vor dem Haus ausgepflanzt.

„Friss oder stirb, dachte ich. In den ersten Wintern habe ich sie noch wie einen Nikolaus eingepackt, aber dann wurde sie einfach zu groß.“ Inzwischen hat die Palmenkrone das dritte Stockwerk unter dem Dach erreicht. „Praktisch ist, dass wir die braunen Palmwedel nun oben aus den Fenstern abschneiden können. Das machen wir einmal im Jahr“, sagt ihr Ehemann. Oft blieben Spaziergänger bewundernd vor der Palme stehen und einer hätte mal den Begriff „Beverly Sülz“ geprägt, wegen der für Beverly Hills typischen hohen Palmen.

Manchmal hat das Ehepaar bei Sturm etwas Angst um Dachrinne und -ziegel. Passiert ist aber noch nie etwas. Und wer auf Höhe der Palmwedel schläft, dem wird es bei starkem Wind auch schon mal zu laut, weil sie so rauschen und es sich manchmal wie Regen anhört, wenn sie so gegeneinander wehen. „Aber wenn man aus dem Badezimmerfenster schaut, dann ist das wie Urlaub“, sagt die Pflanzerin.

Kaffeetrinken unter Palmen

Washingtonpalmen im Palmencafé von Dinger's Gartencenter

Washingtonpalmen im Palmencafé von Dinger's Gartencenter

Dass es in einem Gartencenter Palmen gibt, das nimmt der Besucher fast als selbstverständlich. Doch selbst für einen Fachmann wie Christian Dinger, Chef von Dinger’s Gartencenter, ist das immer wieder eine Herausforderung. Sein Palmencafé im Gartencenter muss schließlich dem Namen alle Ehre machen. Sein Vater hatte in den 1980er die ersten Palmen geholt: eine kanarische Dattelpalme aus einem Kurbetrieb in Bad Pyrmont. Die wurde allerdings beim Transport beschädigt und hat sich nie wieder richtig erholt. Eine zweite Palme der Gattung aus Sizilien entwickelte einen Pilz und musste entsorgt werden. 

Der große Wurf kam dann 2022. Ein befreundeter Betrieb in Rostock schenkte Dinger fünf kalifornische Washingtonpalmen, weil sie für das Rostocker Haus zu groß geworden waren. Die sind nicht winterhart und deshalb in unseren Breitengraden nur für den Innenbereich geeignet. Sie schmücken nun imposant das Café unter dem hohen Orangerie-Glasdach. Aber: „Ein Café ist eigentlich ein schwieriger Standort für Palmen.“ Denn sie brauchen eine hohe Luftfeuchtigkeit. Bei Kaffee, Kuchen und Würstchen hat man aber lieber trockene Luft und kein Kondenswasser an den Fenstern. Da muss also gut ausbalanciert werden.

Die größte Herausforderung seien die Schädlinge. Früher habe man gespritzt, heute würden in enger Abstimmung mit den amtlichen Stellen nur Nützlinge als Feinde eingesetzt: Florfliegen, Raubmilben, Marienkäfer und Schlupfwespen. Die sind in kleinen Päckchen, die ein bisschen aussehen wie Teebeutel, an den Palmen angebracht. Die Gäste bekommen von ihrem Wirken nichts mit, versichert Dinger. Regelmäßig werden die trockenen Wedel abgeschnitten und der Rest abgestaubt, dazu fährt ein Mitarbeiter in einem Hubwagen in die Höhe.

Chinesische Hanfpalmen an der Militärringsstraße vor Dinger`s Gartencenter

Chinesische Hanfpalmen an der Militärringsstraße vor Dinger`s Gartencenter

Christian Dinger erinnert daran, dass der Vater das Café 1981 eingerichtet hat, „um Männer zu parken, während die Frauen einkaufen“. Das sei längst vorbei. Unter den Palmen sitzen alle gerne. „Ich selbst frühstücke hier oft, das ist einfach schön.“

Damit es auch draußen schön ist, hat er chinesische Hanfpalmen an die Einfahrt zum Gartencenter an der Militärringstraße gesetzt. Die erscheinen beim Vorbeifahren fast wie eine Fata Morgana.

Niehler Palme in der Einfahrt

Palme in der Feldgärtenstraße in Niehl

Palme in der Feldgärtenstraße in Niehl

Immerhin: Niehl ist nah am Rhein, vielleicht fühlt sich die Palme in der Feldgärtenstraße deshalb so wohl. Sie steht seit fast 20 Jahren hier an einer Einfahrt und gibt der schmalen Straße ein bisschen mediterranes Flair. Gegenüber steht ein sonnig gelb angestrichenes kleines Fischerhäuschen – das passt. Eine Anwohnerin erzählte vor einiger Zeit dem „Express“: „Als wir hier eingezogen sind, habe ich den Vermieter gefragt, ob ich einen Baum pflanzen kann – und aus dem Baum ist eine Palme geworden.“ Das war 2006 und die Pflanze war etwa 50 Zentimeter groß, nun sind es mehrere Meter. Die braun gewordenen Wedel wurden früher sorgfältig entfernt. Nun ist die Palme jedoch zu hoch und die Anwohner setzen darauf, dass die Wedel vom Wind einfach abgeweht werden.

Palmen-Kreisverkehr in der Südstadt

Palmen auf der Verkehrsinsel Bonner Straße/Teutoburger

Palmen auf der Verkehrsinsel Bonner Straße/Teutoburger

Schon seit 2009 gibt es den grünen Kreisverkehr in der Südstadt an der Ecke Bonner Straße/Teutoburger Straße. Palmen, Bananen und Blumen stehen hier. Anwohner und Erfinder Michael Kiefer hat das Stück Land „Bananenrepublik“ genannt und sich selbst zum Präsidenten ernannt. Ein Ausdruck des Protests, der Wunsch nach Freiheit und Verschönerung, eine Oase in der Stadt, ein Ruhepunkt im Verkehr, Exotik im Alltag – dafür stehen Palmen und Bananen als Symbol. Alles begann damit, dass Kiefer seinen Balkon entrümpelte, er die Pflanzen aber nicht wegwerfen wollte. Seine Insel wird allerdings eine Ausnahme bleiben. Denn für die Begrünung von Kreisverkehren hat Kiefer als Privatperson die letzte und einzige Erlaubnis der Stadt Köln erhalten. „Damit werden wir ein Unikat in Köln bleiben – hoffentlich bis zum nächsten runden Jubiläum 2029“, sagt er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.