Köln – Der Kölner Tierarzt Frank Lausberg (43) erhebt schwere Vorwürfe gegen sechs Polizeibeamte, die ihm in der Nacht zum vergangenen Dienstag in der Marzellenstraße am Dom bei einem Einsatz schwer verletzt haben sollen. Mit einem Freund hatte er den Weihnachtsmarkt in der Altstadt besucht. „Wir wollten bei McDonald’s zur Toilette gehen und noch etwas essen. Doch die hatten schon zu.“
Wenig später wurden beide von einer Polizeistreife beim sogenannten Wildpinkeln erwischt. „Das war natürlich nicht in Ordnung. Wir sollten uns ausweisen und Strafe zahlen. Das hatten wir auch vor“, sagt Lausberg. Einer der beiden Beamten habe ihn während der Personenkontrolle aufgefordert, seine Elektrozigarette fallen zu lassen.
„Er war noch sehr jung und recht unsicher, hat wohl geglaubt, dass sei eine Waffe. Ich habe ihm erklärt, dass es sich um eine E-Zigarette handelt, die kaputtgeht, wenn sie auf den Boden fällt.“ Der Polizist habe daraufhin versucht, ihm den Gegenstand zu entreißen. Dabei sei die Zigarette zerbrochen und es zu einem Handgemenge gekommen. Daraufhin habe ihn der zweite Polizist zu Boden gestoßen.
„Als ich auf dem Boden lag, knieten sich beide auf mich. Mir wurde ein Reizsprühgerät direkt vor die Augen gehalten und mehrfach ausgelöst.“ Er habe vier Stunden nichts mehr sehen können. „Ich war völlig orientierungslos und habe vor lauter Panik angefangen, mich weiteren Maßnahmen zu widersetzen.“
Die Polizisten hätten sofort Verstärkung angefordert, es sei „unzählige Male“ mit Schlagstöcken auf ihn eingeschlagen worden. „Mein Freund hat mir später berichtet, dass es am Ende sechs Polizisten waren, die mich abgeführt haben. Ich habe nichts mehr erkennen können.“
Gefesselt in Gewahrsam
Lausberg wurde nach Kalk ins Polizeipräsidium gebracht und dort in Gewahrsam genommen. Bis acht Uhr morgens ist er nach eigenen Angaben eingesperrt gewesen, mit dem Fuß an die Liegepritsche gefesselt. Er habe weder die Zellen-Toilette noch den Notruf erreichen können.
„Ich durfte weder meine Frau anrufen noch meine Augen auswaschen. Auch meiner Forderung, einen Krankenwagen zu rufen oder mir zu erlauben, selbst ins Krankenhaus zu gehen, ist man nicht nachgekommen. Niemand wusste zu diesem Zeitpunkt, ob ich innere Blutungen erlitten habe.“ Nach seiner Entlassung wurde Lausberg von seiner Frau ins Vinzenz-Krankenhaus gebracht. Das Ergebnis der Untersuchungen: Nasenbein und eine Rippe sind gebrochen, Auge und Jochbein geprellt. „Der Verdacht auf eine Hirnblutung hat sich zum Glück nicht bestätigt.“
Laut Polizei wird gegen Lausberg und seinen Freund wegen Widerstands und Beleidigung ermittelt. Außerdem müssen sie mit einem Bußgeld wegen „Wildpinkelns“ rechnen. Inzwischen hat Lausberg Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung erstattet. Die Polizei bestätigt, dass Ermittlungen gegen die Beamten aufgenommen werden. Es sei gut, dass Frank Lausberg Anzeige erstattet habe, sagte Polizeisprecherin Martina Kaiser. „Es ist in jedem Fall in unserem Interesse, solche Vorfälle aufzuklären.“
