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Tiefergelegte Boxspring-Variante Wie ein Kölner den Bettenmarkt revolutionieren will

Kölner Betten-Idee

Jörg Hubrig (l.) und Adrian Bühler

Köln – Was wurde in der Vergangenheit nicht schon alles tiefer gelegt? Vom Ford Capri über Opel Manta bis hin zu all den Golf GTI in den 80er Jahren. Man hat Bundesstraßen tiefer gelegt, hat Tunnel und Flussbetten abgesenkt, und nun möchte Jörg Hubrig, Unternehmer aus Köln, mit seiner Erfindung des tiefer gelegten Boxspringbettes weltweit den Bettenmarkt revolutionieren.

Den Trend, das Bett flach(er) zu legen, hat man schon mal Anfang der 90er erlebt, als es auch hierzulande chic wurde, sich bodennah auf dem Futon zur Ruhe zu begeben. Die japanisch-minimalistisch Schlafplatz-Variante war jedoch bald wieder weg vom Fenster, als der Gegenentwurf in Gestalt des gefederten Boxspringbettes nach Deutschland kam. Luxuriöser Schlaf wurde mit Beginn des 21. Jahrhunderts zunehmend gleichgesetzt mit einem voluminösen Möbelstück, das im Wesentlichen aus zwei aufeinander liegenden Federkernkonstruktionen besteht.

DIN-Norm für Schlafzimmer liegt bei zwölf Quadratmetern

Über das wuchtige Ausmaß der Schlafstätte aufgrund der beiden Matratzen in und auf der Box wurde geflissentlich hinweggesehen. Im Schlaf hat man ja auch die Augen geschlossen. Doch angesichts einer Raumgröße von knapp zwölf Quadratmetern, die die „DIN 18011" für Elternschlafzimmer in Nachkriegswohnungen vorsieht, wird es mit einem 60 Zentimeter hohen Boxspringbett bei den meisten Menschen nicht nur optisch eng. „Es fehlen auch zwei Kubikmeter Luft“, betont Jörg Hubrig, den wenig wundert, dass von einem Boxspring-Hype „nicht mehr die Rede“ sein kann.

Matratze Creed

Der Ausschnitt einer Matratze.

Als die bis dato stilprägenden Designer in Italien oder Skandinavien seiner Einschätzung nach „damit aufgehört hatten, elegante Betten zu bauen“, begann er damit, nahezu alles, was mit Schlaf zusammenhängt, auf den Prüfstand zu stellen und neu zu durchdenken. Er nahm nicht nur das Möbelstück, auf dem wir ein Drittel unseres Lebens verbringen, unter die Lupe, sondern führte unendlich viele Messungen - auch am Menschen -  durch, um Hüften oder Schultern von Schlafenden optimal zu positionieren. Kurzum: Hubrig wurde zum Schlafexperten.

Trampolineffekt beim Schlafen

Von Haus aus sei er eigentlich Steuerfachmann, erzählt der 51-Jährige. Jedoch einer, dem es „zum Glück“ an Leidenschaft für dieses Metier mangelte. Der Zufall wollte es, dass er durch seine beratende Tätigkeit bei einem Unternehmen mit ganz anderen Themen in Berührung kam . Und so entdeckte der Mann mit dem akkurat nach hinten gekämmten Haar, der „schon immer einen Hang zum Schönen und Edlen“ hatte, sein Interesse für die Einrichtung hochwertiger Boardinghäuser. Knapp bemessenen Raum komfortabel und optisch ansprechend einzurichten, wurde zu seiner Leidenschaft.Kieler fand in Düsseldorf die Liebe - auch für Köln 

Als der gebürtige Kieler vor fünf Jahren in Düsseldorf einer Kölnerin begegnete, kam zu der Leidenschaft auch noch Liebe: Zu der Frau, mit der er inzwischen einen Sohn hat, und zu der Stadt mit dem Dom. Hier tüftelte Hubrig weiter an einem Schlafsystem, bei dem er weder beim Komfort noch beim Design und erst recht nicht bei der Nachhaltigkeit Abstriche machen musste. Das Ergebnis seiner von der Lust an Perfektion getriebenen Entwicklung ist jenes Boxspringbett, das eigentlich zu niedrig ist, um als solches durchzugehen. Das Innovative ist eine Kombination aus Druckfedern (wie beim herkömmlichen Federkern) und elastischen Gummigurten an der Unterseite, die als Zugfedern fungieren und für „eine Art Trampolineffekt“ sorgen. 

Diese Gummigurte lassen sich mit einem einfachen Handgriff auf das Gewicht oder anatomische Besonderheiten des Bettennutzers – etwa in der Schwangerschaft – einstellen und bewirken, dass sich die Liegefläche bei Belastung ein wenig Richtung Boden absenkt. Ohne Belastung ist die Federkernbox indes nicht höher als ein Bett mit Lattenrostkonstruktion.

Mehrere Designpreise gewonnen

Sein System habe das Potenzial, „25 Prozent des gesamten Bettenmarktes“ umzukrempeln, glaubt Hubrig, der im Jahr 2015 sein erstes Möbelpatent angemeldet hat. Seitdem ist viel passiert: Der Neu-Kölner gründete gemeinsam mit seinem designbegeisterten und detailverliebten Ehrenfelder Nachbarn Adrian Bühler die Creed Sleep Systems GmbH. Sitz des Unternehmens ist die ehemalige Co-Working-Stätte „The Space for Entrepreneurs“ in der Weyerstraße, früher Sitz der Verbraucherzentrale.

Tipps für einen erholsamen Schlaf

Wer erholsam und gut schlafen will, sollte sich an einige kleine Regeln halten. Dr. Monika Kohlhage-Traub gibt Tipps, was hilft – und was stört.

Essen: Bitte nicht zu spät essen, vor allem wenig Kohlenhydrate und Zucker. „Damit hat der Darm viel zu tun. Diese Kapazitäten fehlen ihm dann für die anderen Aufgaben, die er nachts eigentlich erledigt.“

Alkohol: Nur in Maßen trinken. „Alkohol lässt uns zwar schnell einschlafen, aber nicht gut durchschlafen.“

Ruhe: „Mindestens zwei Stunden vor dem Schlafen sollte man schon mal runterfahren.“ Dann also bitte keinen Sport oder keine Arbeit mehr.

Handy: Aus dem Schlafzimmer verbannen. Vor allem das blaue Licht hält uns abends wach – seine Wellen ähneln nämlich denen von Morgenlicht. Außerdem stören Push-Nachrichten auf dem Display, vor allem, wenn sie Geräusche machen, logischerweise den Schlaf. Also das Handy zumindest in den Ruhe- oder Flugmodus setzen.

Rituale: Der Körper braucht Dinge, die ihm klar machen, dass er bald schlafen soll – und die sollten ritualisiert sein. Für viele ist es das Zähneputzen, andere lesen im Bett. „Aber bitte keinen Krimi“, sagt Kohlhage-Traub. Das Wichtigste: Dass man sich an die Rituale hält.

Dunkelheit: Das Schlafzimmer sollte dunkel sein. „Sonst kann der Körper das Schlafhormon Melatonin nicht ausschütten.“ Wenn morgens ein bisschen Licht ins Zimmer fällt, ist das aber hilfreich.

Das Bett, das im vergangenen Jahr mit den wichtigsten Designpreisen dekoriert wurden – darunter dem „German Innovation Award“ und dem „Red Dot Design Award" – steht inzwischen sogar im Deutschen Technikmuseum in Berlin. Worauf Hubrig und Bühler besonders stolz sind: Ihr „ Kölner Baby" ist made in Germany. Gebaut werden die Betten in Ostwestfalen, wo inzwischen auch Hubrigs neuester Coup hergestellt wird: Eine Box mit der gleichen neuen Federtechnik, die man bei fast jedem Bett gegen ein herkömmliches Lattenrost tauschen kann. Auf diese Weise kann der Kunde „zu einen für jeden erschwinglichen Preis“ sein altes Bett in ein wesentlich komfortableres Boxspringbett verwandeln, ohne ein raumfüllendes Möbelstück im Schlafzimmer stehen zu haben.

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Während Adrian Bühler sich um weltweite Anfragen – „insbesondere von Hotels“ – kümmert, Standorte für weiterer Creed-Niederlassungen auch außerhalb Deutschlands auftut und nach einem repräsentativen Showroom-Standort in Köln Ausschau hält, hat Hubrig längst neue Ideen für Schlafzimmer-Möblierung und Ruheplätze – bis hin zum Bett für den Hund.