Der Nürnberger OB-Kandidat hat eine ganz persönliche Auslegung des N-Wortes. Das können viele nicht verstehen. Auch aus Köln kommt Kritik.
„Unglaublich“Wirbel um XL-Plakat der SPD mit „N-Wort“ – Kölner Genosse reagiert

Das riesige Plakat der SPD in Nürnberg ist kaum zu übersehen.
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Vor der Oberbürgermeister-Wahl in Nürnberg sorgt der Kandidat der SPD, Nasser Ahmed, mit einem XL-Plakat für Wirbel. Das riesige Plakat am Nürnberger Karl-Bröger-Haus ist mit Maßen 14 mal 10 Metern kaum zu übersehen. Neben dem Foto von Ahmed ist folgender Slogan in Großbuchstaben angebracht: „Mein N-Wort ist Nürnberg“.
Nasser Ahmed wurde als Sohn eritreischer Einwanderer in Nürnberg geboren und ist in der „Stadt der Chancen“ aufgewachsen, wie er selber in einem Statement zur OB-Wahl erklärt. Wegen seiner Hautfarbe werde er bis heute „von einer kleinen Minderheit“ beleidigt. „Das Banner soll aufzeigen, dass es für Schwarze Menschen Realität ist, das N-Wort zu hören“, so der SPD-Politiker.
So erklärt SPD-Kandidat Nasser Ahmed sein N-Wort-Plakat
Die zwei wichtigsten N-Wörter in seinem Leben hätten nichts mit Beleidigungen zu tun, sagt Ahmed im Gespräch mit „Nürnberger Nachrichten“. „Das sind Namira, der Name meiner Tochter, und eben Nürnberg.“ Die Plakat-Aktion sei eine Art „Reclaim-Aktion“, übersetzt eine Zurückgewinnungs-Aktion.
Es gehe darum, das Wort von seiner rassistischen Verwendung zu entkoppeln. Der Vorsitzende der Nürnberger SPD betont: „Für mich ist Nürnberg eine Stadt, in der nicht Herkunft, Aussehen oder Name zählen, sondern das, was Menschen leisten, beitragen und füreinander tun.“
Auch viel Unterstützung für SPD-Kandidat
Eine Argumentation, die von vielen unterstützt wird. „Ich bin schwarz, ich lebe in Nürnberg – und ich unterstütze das“, schreibt eine Userin unter dem Post. Niemand habe das Recht, Nasser Ahmed vorzuschreiben, wie er mit Rassismus umzugehen habe.
Auch von der Partei-Konkurrenz gab es teilweise Unterstützung für das „N-Wort“-Plakat. Mit „Nice“ und einem Applaus-Emoji kommentierte etwa der frühere bayerische FDP-Vorsitzende Martin Hagen den Beitrag von Nasser Ahmed. Paul Kamill Arzten von den Nürnberger Grünen schrieb auf Instagram: „Nasser, Nürnberg, Neustart.“
Viele zeigen sich von „N-Wort“-Plakat „entsetzt“ – Auch Kölner SPD-Mann reagiert
Andere zeigten sich unterdessen „entsetzt“ von der Kampagne. „Bitte reflektieren Sie über die ganzen Reaktionen und dann bitte äußern sie sich nochmal dazu mit entsprechenden sichtbaren Konsequenzen … unglaublich“, so eine Userin.
Kritik kam unterdessen auch aus den eigenen Reihen. Der Kölner SPD-Genosse Christophe Twagiramungu bezeichnete das Plakat als „unsensibel“. Der Kölner hat selbst afrikanische Wurzeln und ist bereits mit 19 Jahren in die SPD eingetreten. Das N-Wort sei kein individuelles Symbol, das man für sich reklamieren könne, „erst recht nicht im Wahlkampf“, argumentiert Twagiramungu.
Zwar wünsche er Nasser Ahmed für seine Kandidatur viel Erfolg, das N-Wort werde durch das riesige Wahlplakat jedoch nicht entmachtet, sondern reproduziert. Es handele sich um ein kollektives Gewaltwort mit einer langen Geschichte von Entmenschlichung. „Viele Schwarze Menschen, vor allem Kinder, werden damit im öffentlichen Raum erneut konfrontiert ohne Schutz und ohne Kontext“, so der Kölner SPD-Politiker weiter.

