Der frühere NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin steht möglicherweise vor einem Comeback in der Landespolitik. Ihm wird zugetraut, Spitzenkandidat der SPD bei den NRW-Wahlen im nächsten Jahr werden zu können.
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Garrelt Duin (57, SPD) ist bislang Chef des Regionalverbandes Ruhr mit Sitz in Essen.
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Er ist 1,96 Meter groß, stammt aus Leer in Ostfriesland – und könnte der Herausforderer von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) bei der Landtagswahl im Mai 2027 werden. Garrelt Duin, ehemaliger NRW-Wirtschaftsminister im rot-grünen Kabinett der früheren Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), gilt bei einflussreichen SPD-Politikern als Wunschkandidat für die Spitzenkandidatur. Das erfuhr der „Kölner Stadt-Anzeiger“ aus Parteikreisen. „Garrelt hat erklärt, dass er sich die Sache überlegt“, sagte ein Mitglied des SPD-Landesvorstands unserer Zeitung.
Nach dem mit dem Duisburger Oberbürgermeister Sören Link und der Bundesvorsitzenden Bärbel Bas zwei Hoffnungsträger abgesagt hatten, waren zuletzt der Fraktionsvorsitzende Jochen Ott und Sarah Philipp, Co-Vorsitzende der Landespartei, im Rennen geblieben. Nun wird nicht ausgeschlossen, dass die beiden sich in einem Team mit Duin an der Spitze versammeln könnten. Nächste Woche soll der SPD-Landesvorstand in einer Klausurtagung über die Spitzenkandidatur entscheiden. „Derzeit laufen im Hintergrund die Abstimmungsgespräche, um das Votum vorzubereiten“, heißt es im Johannes-Rau-Haus, der Parteizentrale der NRW-SPD.
Moderiert wird das Verfahren von SPD-Landeschef Achim Post. Er stimmt sich dabei mit der Gruppe der Kommunalen Verantwortungsträger, der SPD-Landesgruppe im Bundestag und den Regionalvorsitzenden ab. In diesen Kraftzentren soll es maßgebliche Unterstützer für eine Kandidatur von Duin geben. „Garrelt könnte das Land hervorragend repräsentieren“, sagt ein SPD-Oberbürgermeister. Bei dem zentralen Wahlkampfthema Wirtschaftspolitik mache ihm keiner etwas vor. „Duin ist absolut parkettsicher – und er ist ein Typ, der in der bürgerlichen Mitte punkten kann“, hieß es.
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Auch der SPD-Politiker Jochen Ott aus Köln ist als Spitzenkandidat der SPD weiter im Rennen.
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Duin war 2012 von Hannelore Kraft zum Wirtschaftsminister von NRW berufen worden. Zuvor war er Landechef der SPD in Niedersachsen, EU-Parlamentarier und Bundestagsabgeordneter, genoss als Chef des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD hohes Ansehen im politischen Berlin. Nach der Abwahl von Kraft wäre Duin eigentlich die ideale Führungsperson für den Neustart gewesen. Aber dazu kam es nicht. Denn: Um Oppositionsführer im Landtag zu werden, fehlte Duin das Mandat. Im Jahr 2016 hatte die NRW-SPD versäumt, den Wirtschafsminister auf der Landesliste abzusichern. „Niemand wollte den Eindruck erwecken, es sei notwendig, Absicherungen für eine mögliche Wahlniederlage zu treffen“, erinnert sich ein Mandatsträger. Dabei sei Kraft schon damals ihre Amtsmüdigkeit anzumerken gewesen.
Hinzu kam, dass die SPD in Duins Wahlheimat Essen wenig kooperativ bei der Beschaffung eines Wahlkreises war. Statt einen Wahlkreis für den Wirtschaftsminister freizuräumen, wurde Duin empfohlen, sich in Kampfkandidaturen gegen die Platzhirsche zu begeben. Der Jurist hatte aber keine Lust, sich mit den Ortsvereinen zu streiten. Ein Verzicht, der weitreichende Folgen haben sollte.
Nach der Wahlpleite 2017 kam die SPD nicht mehr auf die Beine. Da Duin nicht zur Verfügung stand, wurde von früheren Kraft-Vertrauten im Hinterzimmer an einem Neustart gebastelt. Doch weder Sebastian Hartmann noch Thomas Kutschaty konnten als Parteichefs in der Phase des Neustarts überzeugen. 2022 erreichte die SPD nur noch 26,7 Prozent – eine historische Wahlniederlage.

Sarah Philipp, Co-Vorsitzende der NRW-SPD aus Duisburg, gilt ebenfalls als potenzielle Spietzenkadidatin.
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Duin hatte derweil der Politik den Rücken gekehrt. Er wurde Personalchef der Anlagenbausparte Industrial Solutions bei Thyssenkrupp. 2019 wurde er Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln, kurzzeitig war er auch Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Köln. Seit 2024 ist der 57-Jährige als Regionaldirektor des Regionalverband Ruhr (RVR) ein maßgeblicher Botschafter des Ruhrgebiets.
Fast zehn Jahre nach dem Abschied aus der Landespolitik könnte sich für Duin jetzt der Kreis schließen. Noch habe er nicht zugesagt, heißt es in Düsseldorf. Spätestens am 24. Januar, nach dem Ende der Klausurtagung des Landesvorstands, soll der Öffentlichkeit der oder die Spitzenkandidatin präsentiert werden.
