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Grüne attackieren Guido DéusKlüngel-Vorwürfe gegen Bonner OB bedrohen Koalitionsfrieden in Düsseldorf

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Parteitag der CDU Nordrhein-Westfalens am 30. August 2025 in Bonn. Im Bild von links nach rechts: Guido Deus, NRW-Landtagsabgeordneter und Oberbürgermeisterkandidat in Bonn, Nathanael Liminski, NRW-Landesminister im Kabinett Wüst sowie verdeckt Serap Güler, MdB und Staatsministerin im Bundes-Außenministerium. 

CDU und Grüne betonen regelmäßig, dass sie in der NRW-Koalition vertrauensvoll zusammenarbeiten. Jetzt schwappt ein Konflikt aus Bonn nach Düsseldorf, der Sprengstoff birgt. 

Als es der CDU-Politiker Guido Déus im September des vergangenen Jahres Oberbürgermeister von Bonn wurde, war auch in der Düsseldorfer Staatskanzlei die Freude groß. Ein Mitglied der CDU-Landtagsfraktion hatte es geschafft, Amtsinhaberin Katja Dörner von den Grünen aus dem Amt zu verdrängen.  Ein wichtiger Prestigeerfolg -  aber fünf Monate später lassen Klüngelvorwürfe gegen Déus die schwarz-grünen Koalitionäre in Düsseldorf aufhorchen. Das Thema birgt Zündstoff - und dürfte zu einem wichtigen Thema im Bonner Landtagswahlkampf werden. Ein pikanter Vorgang.

Denn: In der Bundesstadt treten Tim Achtermeyer, der Vorsitzende der NRW-Grünen, und Nathanael Liminski, Minister für Bundesangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei im Wahlkreis Bonn I gegeneinander an. Die beiden bilden eine zentrale Achse in der schwarz-grünen Landesregierung. Sowohl Achtermeyer als auch Liminski werben in ihren eigenen Reihen dafür, die Kultur der jeweils anderen Partei zu verstehen. Eine Störung ihres Vertrauensverhältnisses käme einem Getriebeschaden im Koalitionsmotor gleich.

Der Umgang mit dem Fall Déus ist daher eine delikate Angelegenheit. Nachdem Déus den OB-Posten angetreten hat, kann Liminski jetzt den freigewordenen Landtagswahlkreis übernehmen, den das neue Stadtoberhaupt zweimal hintereinander direkt gewonnen hatte. Der Chef der Staatskanzlei ist zudem Vorsitzender der Bonner CDU und Bezirksvorsitzender der CDU Mittelrhein. „Der müsste ein Interesse daran haben, die Vorwürfe aus der Welt zu schaffen“, sagt ein Mitglied der Grünen-Landtagsfraktion. Aber nichts dergleichen geschehe. „Liminski hat offenbar Angst, sich die Finger zu verbrennen“, vermutet der Abgeordnete.

Déus war im Kommunalwahlkampf von einem Bonner Busunternehmer finanziell unterstützt worden. Als dieser jetzt Interesse an einem Grundstückskauf am Flughafen Hangelar zeigte, mischte sich der OB in den Deal ein. Er wies die Stadtwerke an, auf ihr Ankaufsrecht zu verzichten – ein Schritt, der dem Spender den Weg geebnet hätte. Die Opposition im Bonner Stadtrat wirft Deus Vetternwirtschaft vor – was dieser mit Nachdruck zurückweist. Eine Déus Sprecherin sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ auf Anfrage, es habe „keine nachvollziehbare und überzeugende Darstellung der Sinnhaftigkeit für den Ankauf“ durch die Stadtwerke gegeben. So sei der Wert der Aufbauten und der Grundstückspreis „völlig ungeklärt“ gewesen.

Auf dem fraglichen Grundstück befindet sich derzeit eine Flugzeugwerft. Der Erhalt der Werft sei für die Infrastruktur des Airports von hohem Wert, hieß es bei den Grünen.  Der Busunternehmer habe in der Halle seine Privatflugzeuge unterstellen wollen.

Über die Höhe der Spenden des Busunternehmers an den Oberbürgermeister macht die Bonner CDU keine genauen Angaben. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte der Kreisgeschäftsführer lediglich, im Jahr 2025 seien von ihm Spenden in einem „ähnlichen Umfang“ eingegangen, wie das „in zurückliegenden Jahren bei anderen Kreisverbänden der Fall“ gewesen sei.  Der Bonner „General-Anzeiger“ hatte von einer Spende in Höhe von 30.000 Euro berichtet.

Unklar blieb, ob die Nutzung eines Wahlkampfbusses und die Bezahlung des Fahrers in darin eingerechnet sind. Parteispenden, die 35.000 Euro übersteigen, müssen dem Bundestag aus Transparenzgründen unverzüglich gemeldet werden - das schreibt das Parteiengesetz vor. Bei Verstößen drohen den Empfängern empfindliche Geldstrafen. Sollte sich die „Flughafen-Affäre“ zu einem Spendenskandal entwickeln, wäre der Image-Schaden für die Bonner CDU – und ihrem Chef Liminski – enorm.

In der CDU-Landtagsfraktion reagiert man erkennbar genervt auf die Angriffe der Grünen gegen auf den früheren Parlamentskollegen. „Das ist eine Schlammschlacht, mit der sich die Grünen für die Schmach der Schlappe von Katja Dörner rächen wollen“, sagt ein Abgeordneter aus dem Bezirk Mittelrhein. Und fügt hinzu: „Wenn die es sich mit dem Nathanael verderben wollen, schießen sie sich selbst ins Knie.“

Tim Achtermeyer, Landesvorsitzender, sitzt vor einem Plakat für die Kommunalwahl im September 2025.

Tim Achtermeyer, Landesvorsitzender, sitzt vor einem Plakat für die Kommunalwahl im September 2025.

Liminski reagiert betont jovial, als er vom „Kölner Stadt-Anzeiger“ auf eine mögliche Belastung des Koalitionsklimas durch die Vorgänge in Bonn angesprochen wird „Dass die Bonner Grünen als Opposition im Rat Fragen stellen, ist ihr gutes Recht“, sagt der Chef der Staatskanzlei. Guido Déus habesich dazu bereits mehrfach und umfassend öffentlich geäußert. „Die vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit in Düsseldorf bleibt davon unberührt, mit dem grünen Koalitionspartner im Allgemeinen und mit Tim Achtermeyer im Besonderen“, sagte Liminski. Er habe sich darüber gefreut, dass der Grünen-Chef und die Bonner Abgeordnete Julia Höller bei der Einweihung seines Wahlkreisbüros in Bonn an Weiberfastnacht mit dabei waren. Bei dem Termin habe man gemeinsam Karneval gefeiert.

Auch Achtermeyer weist auf seinen guten Draht zum Koalitionspartner hin. „Mit Nathanael Liminski arbeite ich sehr vertrauensvoll und kollegial zusammen“, sagte der Landesvorsitzende unserer Zeitung. Das Vorgehen von Oberbürgermeister Déus werfe Fragen auf, „die aus meiner Sicht noch nicht geklärt sind“, sagte Achtermeyer: „Grundsätzlich sollte nie der Eindruck entstehen, dass es Vermischung von staatlichem Handeln und Wahlkampfinteressen gibt, denn das schadet der Politik im Allgemeinen.“