Zum Frühjahrsempfang hatten die Rhein-Sieg Rundschau und Bonner Rundschau sowie der Rhein-Sieg-Anzeiger gemeinsam mit dem Rhein-Sieg-Kreis eingeladen.
Armin Laschet sprach beim FrühjahrsempfangZeitungsmacher und ihre Gäste trafen sich in Königswinter

Empfang mit (v.l.) Sebastian Schuster, Jens Meifert, Armin Laschet, Gerald Selch, Sebastian Schuster, Piotr Roman und Christian DuMont Schütte in der Rotunde auf dem Petersberg.
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Seit 150 Jahren erscheint der Kölner Stadt-Anzeiger, vor ebenso vielen Jahren wurde Konrad Adenauer geboren, seit 80 Jahren gehört die Kölnische Rundschau zur Presselandschaft der Region: An eine Vielzahl von Jubiläen galt es zu erinnern beim diesjährigen Frühjahrsempfang, zu dem Rhein-Sieg Rundschau und Bonner Rundschau sowie der Rhein-Sieg-Anzeiger gemeinsam mit dem Rhein-Sieg-Kreis eingeladen hatten.
Partnerschaft des Rhein-Sieg-Kreises mit Polen besteht seit 25 Jahren
Ein weiteres Jubiläum nannte Landrat Sebastian Schuster, der die über 200 Gäste in der Rotunde des Steigenberger Hotels auf dem Petersberg begrüßte: Seit 25 Jahren besteht die Partnerschaft des Rhein-Sieg-Kreises mit dem polnischen Partnerkreis Boleslawiec (Bunzlau), der mit einer Delegation ebenfalls zu Gast bei den Zeitungsmachern war. Mehr als eine gewöhnliche Partnerschaft verbinde die beiden Kreise, sagte Schuster. Über die Jahre seien Freundschaften entstanden „in einer Zeit, da Europa vor großen Herausforderungen steht.“

Die Gelegenheit zum Austausch nutzten Jinda Ataman und Musa Ataman von der Kurdischen Gemeinschaft mit Jakov Barasch von der Jüdischen Gemeinde Bonn.
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Der Petersberg stehe wie kaum ein anderer Ort für die Geschichte Deutschlands nach dem Krieg, so Schuster; er stehe für den Weg Deutschlands zurück in die Weltgemeinschaft. Aber auch die europäischen Überlegungen Adenauers sah der Landrat untrennbar verbunden mit dem geschichtsträchtigen Ort. „Der europäische Gedanke Adenauers war ein Friedensprojekt“, aus Misstrauen habe sich Vertrauen entwickelt. Der Petersberg stehe symbolkräftig für Diplomatie und Austausch.
Auf dem Petersberg in Königswinter wurde Weltgeschichte geschrieben
Gastredner Armin Laschet nahm den Ball gerne auf. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages war von Schuster schon als designierter Aalkönig angekündigt worden. Er ist mit der Region vertraut. Ex-Regierungssprecher Friedhelm Ost, der Erfinder der „zweithöchsten Auszeichnung des Kreises“, so der Landrat, hatte vorher mit dem früheren Ministerpräsidenten des Landes wohl nicht nur darüber geplaudert.
Zwei Mal sei auf dem Petersberg Weltgeschichte geschrieben worden, so Laschet. Beide Male habe Adenauer schon in Bad Honnef gewohnt: 1938 sei auf dem Berg das Münchner Abkommen vorberaten worden, das der britische Premierminister Neville Chamberlain und Adolf Hitler abschlossen, das die Annektion des Sudetenlands durch Deutschland ermöglichte. Und das Haus war Sitz der Alliierten Hohen Kommission, bei der Adenauer als Vorsitzender des Parlamentarischen Rates mehrfach vorstellig werden musste und auf dem das Petersberger Abkommen am 22. November 1949 geschlossen wurde, das die politische Selbständigkeit und Handlungsfreiheit der jungen Republik erweiterte.

Der designierte Aalkönig Armin Laschet mit Ex-Regierungssprecher Friedhelm Ost, dem „Erfinder“ der Auszeichnung
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Laschet blieb beim Schlitzohr Adenauer, der den Teppich beschritt, der eigentlich den Hohen Kommissaren vorbehalten war, und der bis 1950 Landtagsmitglied in Nordrhein-Westfalen blieb, um die Verfassung des jungen Bundeslandes mit zu gestalten. Er lobte die Gelassenheit der Bonner Republik, die so wohl nur im Rheinland möglich sei. „Würde die AfD in Bonn aggressiv wie in Berlin auftreten, da fiele dem Rheinländer schon ein passender Spruch ein“, meinte er. Edgar Lenzen, einer der beiden Sprecher der AfD Rhein-Sieg, verließ daraufhin demonstrativ die Rotunde.
Seine kurze Geschichtsstunde begann Laschet mit der Gründung des Kaiserreiches 1871. Frankreich war damals der Erbfeind. „Das war genetisch bedingt“, sei der feste Glauben gewesen. Deutschland und das Nachbarland bemühten sich um gegenseitige Demütigung. Die Ausrufung des Kaisers geschah ebenso in Versailles wie der nach diesem Ort benannte Vertrag, der dem Ersten Weltkrieg folgte. „Die Demütigung hat nicht funktioniert“, so Laschet angesichts der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs.

Gäste aus Kommunen links und rechts des Rheins genossen die grandiose Aussicht.
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Und doch sei es gelungen, nach dem Holocaust und 55 Millionen Kriegstoten, Gespräche auf Augenhöhe zu beginnen. Adenauer lobte der Ex-Ministerpräsident als Architekten des neuen Europa, versäumte aber nicht, auch die Verdienste eines Carlo Schmid oder Kurt Schumacher für die Versöhnung zu erwähnen. Denn das war eine seiner wichtigen politischen Botschaften: „Man muss dem politischen Gegner auch seine Punkte gönnen“, sonst werde Politik unglaubwürdig.
Europäische Währung und die Prophetie von Konrad Adenauer
Die Gründung der Montanunion 1952 benannte er als Geburtsstunde der Europäischen Union. Schon damals wollten die sechs Staaten Frankreich, Itlien, Niederlande, Belgien, Luxemburg und Deutschland eine gemeinsame europäische Währung und eine Verteidigungsgemeinschaft auf den Weg bringen. Den Euro gibt es nun, über die Verteidigung wird, nachdem die Franzosen 1954 abwinkten, wieder nachgedacht. Adenauer hatte damals schon nahezu prophetisch geäußert: „Die Amerikaner werden auf Dauer nicht immer da sein.“

Insgesamt waren über 200 Menschen der Einladung gefolgt.
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„Es war doch alles wunderbar“, analysierte Laschet knapp die Situation nach dem Mauerfall 1989 und der Wiedervereinigung 1990. „Was ist dann passiert? Die Gesellschaften in Europa werden von innen und außen bedroht.“ Meinungs- und Pressefreiheit werden in Frage gestellt. „Wir müssen diese Errungenschaften jeder Generation neu vermitteln.“
Denn Populisten, namentlich die AfD, wollten raus aus der Nato, der EU und der gemeinsamen Währung. Gefährlich sei das Programm in Sachsen, wo nur noch deutsche Kulturförderung laufen soll, Rundfunkstaatsvertrag und Abkommen mit der Kirche gekündigt werden sollen. „Wir müssen uns dagegen stark machen“, erklärte Laschet eindrücklich.
Ein starkes Europa ist für Laschet die richtige Antwort auf Bedrohung von außen. Eine europäische Diplomatie mit Russland gebe es nicht, „während alle nur noch militärisch daherreden.“ Er setze auf militärische Stärke und Diplomatie gleichermaßen. Von der Bonner Republik, schloss er den Kreis, können wir eine Menge lernen. Er freue sich, dass Menschen wie Bundestagsmitglied Elisabeth Winkelmeier Becker (CDU), die rheinische Denke in die Berliner Politik einbringen würden. „Der Rhein-Sieg-Kreis kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten.“
Hier entstehen die Geschichten, die wir erzählen können
Geschichte und Zukunft gleichermaßen sah Gerald Selch, gesamtverantwortlicher Chefredakteur der Kölner Stadt-Anzeiger Medien, in der Begegnung von Politik, Gesellschaft, Medien und Kultur in der Rotunde auf dem Petersberg: Am geschichtsträchtigen Ort im Rhein-Sieg-Kreis, wo „das Herz unseres Hauses schlägt“. Hier, so Selch, „entstehen die Geschichten, die wir erzählen können.“

VFoto: Meike Böschemeyer Frühlingempfang der Tageszeitungen gemeinsam mit dem Rhein-Sieg-Kreis.
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Doch reiche das nicht aus, um den Journalismus in die Zukunft zu tragen. Zumal die Tageszeitungen vor „der größten Herausforderung seit der Erfindung des Internet“ stünden: Nach einer Ankündigung der Suchmaschine Google, in Zukunft komplett auf Künstliche Intelligenz zu setzen – und die Antworten ohne Quellenangabe zu liefern. „Wir recherchieren, wir prüfen die Fakten und wir publizieren nach Presserecht“, erklärte Gerald Selch. „Aber die Leute kommen nicht zu uns“, obwohl sich der Internet-Gigant bei Medien wie Stadt-Anzeiger oder Rundschau bediene.
Guter unabhängiger Journalismus sei unverzichtbar für die Demokratie, machte Selch ebenso klar wie sein Vorredner Schuster. Und daher, so Selch, verwalten wir nicht den Rückzug, sondern investieren in die Zukunft: 18 Stellen seien aktuell ausgeschrieben, regionale Plattformen sollen lokale Angebote auch im Digitalen ausbauen. „Die KI wird uns dabei helfen, aber nicht ersetzen“, versprach Gerald Selch.
