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Stiftung Adenauer-HausWie Konrad Adenauers Bundestagstuhl nach Bad Honnef kam

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Eine Gruppe von Männern und Frauen vor einem alten Bundestagsstuhl in einem Ausstellungsraum.

Den Adenauer-Stuhl enthüllte Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (r.). Der Journalist Stefan Reker (l.) hat ihn der Rhöndorfer Stiftung vermacht. Neben ihm Adenauer-Enkel Konrad Adenauer.

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) enthüllte in der Stiftung Bundesanzler-Adenaus-Haus den Bundestagstuhl Konrad Adenauers.

Das grüne Leder weist deutliche Gebrauchspuren auf, es ist brüchig und an den Armlehnen abgewetzt. Auch das schwarz lackierte Buchenholz des klappbaren Sitzmöbels mit Pult hat schon bessere Zeiten erlebt. Aber dennoch ist diese spezielle Sitzgelegenheit kein Fall für den Schreiner.

„Dieser Stuhl ist eine Brücke, um die Vergangenheit, um Geschichte wieder lebendig und fassbar werden zu lassen“, sagte am Freitag (17. April) Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) in der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus. In der Dauerausstellung enthüllte sie den Stuhl mit der Nummer 9 aus dem einstigen Bonner Bundestag, auf dem Konrad Adenauer nach seinem Rücktritt im Oktober 1963 vom Amt des Bundeskanzlers als „einfacher“ Abgeordneter und Fraktionsvorsitzender in der ersten Reihe Platz nahm.

Dem Journalisten und Hauptstadtkorrespondenten Stefan Reker verdankt die Rhöndorfer Stiftung das neue Ausstellungsstück, das zwei Bundestagsstühle ersetzt, die eine Leihgabe des Bonner Hauses der Geschichte waren.

1949 konstituierte sich der Deutsche Bundestag in Bonn. Die Parlamentsbestuhlung im Plenarsaal wurde nach Angaben der Rhöndorfer Stiftung vom Architekten Hans Schwippert entworfen. Es waren rund 400 klappbare Sitze, alle mit einem aufklappbaren Pult versehen.

Alter Bundestag in Bonn wurde abgerissen

Mitte 1986 hatten sie ausgedient, 1987 wurde der Abriss des ersten Plenarsaals beschlossen. Der neue Bundestag wurde gebaut und 1992 eingeweiht. Stefan Reker, seit 1986 Parlamentskorrespondent bei den Westfälischen Nachrichten, versuchte zunächst vergeblich, an einen der Stühle zu gelangen.

Erst 1993 erfuhr er, dass die alten Stühle zum Verkauf standen. Ein befreundeter Abgeordneter aus Thüringen, der nicht an dem „Wessi-Stuhl“ interessiert gewesen sei, habe ihn den Stuhl in seinem Namen kaufen lassen – gegen eine Spende für ein soziales Projekt. „Das haben wir dann vereinbart.“ 100 D-Mark habe er bezahlt, berichte Stefan Reker.

Dass Adenauer (und nach ihm andere CDU-Fraktionschefs) auf dem Stuhl mit der Nummer 9 saßen, erfuhr er erst später nach einer hartnäckigen Recherche anhand eines alten Sitzplans. „Dass dieser Stuhl nun in Rhöndorf seinen Platz findet, das ist ein Glücksfall. Das ist eine schöne Geste, eine schöne Gabe“, sagte Julia Klöckner, die vor geladenen Gästen – darunter viele Mitglieder der Familie Adenauer – einen Bogen schlug in die Gegenwart.

Messingschild „Bundeskanzler“ an einer Kirchenbank in Bad Honnef-Rhöndorf

Nicht nur, indem sie darauf hinwies, dass ihre Bundestagsverwaltung regelmäßig Anfragen von Museen bekomme, die an blauen Stühlen aus dem Parlament in Berlin interessiert seien. Aber das lasse man nicht zu, so Klöckner, die den „Adenauer-Stuhl“ als „ein wertvolles Stück Demokratiegeschichte“ bezeichnete. Und die mit Blick auf den Debattenkultur im Parlament früher und heute ihren Kollegen im Berliner Parlament einen Hinweis gab, was den Umgang miteinander angeht: „Zwischen Leidenschaft und Respektlosigkeit gibt es klare Grenzen, und diese Grenzen zu wahren, das ist unsere gemeinsame Verantwortung.“

Übrigens gibt es noch einen, wenn man so will, Stammplatz des „Alten von Rhöndorf“: In der Kirche St. Maria Heimsuchung zeigt ein kleines Messingschild auf einer Kirchenbank mit der Aufschrift „Bundeskanzler“, wo er während der Gottesdienste Platz genommen hatte.