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NRW-Fest in Berlin ohne den Kanzler„Merz war wohl froh, den Termin schwänzen zu können“

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Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, stößt beim Sommerfest der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen mit Kollegen an.

Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, stößt beim Sommerfest der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen mit Kollegen an. 

1500 Gäste kamen am Mittwochabend zum NRW-Fest in Berlin. Kanzler Merz ließ sich nicht blicken. Er hatte einen Paralleltermin.

Kommt er, oder kommt er nicht? Eine vage Hoffnung, dass sich Friedrich Merz zum Sommerfest von NRW die Ehre geben würde, bestehe immerhin, hieß es aus dem Umfeld der Landesvertretung. Der Bundeskanzler habe zwar einen Paralleltermin mit Gewerkschaften und Arbeitgebern im Kanzleramt, aber das Treffen werde um 19 Uhr beginnen und solle „nur“ drei Stunden dauern. Je später der Abend, desto schöner die Gäste? „Mal abwarten, ob der Friedrich Lust hat, mit dem Hendrik ein Bier zu trinken“, gab sich ein CDU-Landtagsabgeordneter skeptisch.

Die Landesvertretung von NRW ist die „Botschaft“ des Landes in der Bundeshauptstadt. Sie vertritt die Interessen von NRW in Berlin, der Ministerpräsident hat dort für Übernachtungen ein Wohngemach. Das moderne Gebäude mit dem gefälligen Außengelände ist ein Ort für Veranstaltungen, Ausstellungen und politische Gespräche. Das Sommerfest zählt zu den wichtigsten Terminen des Jahres. 1500 Gäste standen zunächst lange in der Schlange, um eingelassen zu werden.

Wüst-Rede mit Spannung erwartet

Traditionell werden die Besucher im Garten durch den Ministerpräsidenten begrüßt und auf den Abend eingestimmt. Nach der Debatte um den angeblich geplanten „Kanzlertausch“ wurde Hendrik Wüsts Rede in diesem Jahr mit Spannung erwartet. Würde es – vielleicht auch nur zwischen den Zeilen – Andeutungen für höhere Ambitionen geben? Viele Journalisten haben ein feines Radar für Zwischentöne, die zu Schlagzeilen gemacht werden können.

Wüst weiß um die Mechanismen, keine Äußerung ist nicht überlegt und abgestimmt.  Was von ihm kommt, hat Hand und Fuß und verfolgt ein strategisches Ziel. Das war der Grund, warum die Gerüchte um den „Kanzlerwechsel“ im Merz-Umfeld Alarm ausgelöst hatten.

An diesem Abend hat Wüst aber kein Interesse, Spekulationen weiter zu befeuern. Er nutzt sein „Heimspiel“, um in Berlin zu zeigen, was er als einziger kann. Nämlich friedlich regieren in einer Koalition mit den Grünen, trotz aller struktureller Probleme. Das ist sein Alleinstellungsmerkmal. Zugleich genießt er Popularitätswerte, von denen Merz nur träumen kann.

Plädoyer für Optimismus

Auch beim NRW-Fest trifft er den Ton, der den meisten Gästen gefällt. Statt sich an aktuellen Themen abzuarbeiten, hält er ein Plädoyer für den Optimismus und für den Zusammenhalt der demokratischen Mitte. „Wir müssen über den parteipolitischen Schatten springen“, ruft er den Besuchern zu. Es werde zu oft übereinander geredet, und „leider viel zu oft auch schlecht“. Der Austausch sei aber die Grundlage dafür, dass es Ergebnisse gebe. Auch bei einem „Glas Bier und mit einer Bratwurst“ könne man manches vorbereiten und regeln. Man dürfe die Zukunft des Landes nicht in die „Hand von Pessimisten und Nörglern“ legen.

An den Stehtischen wurde dann naturgemäß über die aktuellen Themen der Landespolitik diskutiert. Wem nützt der neue U-Ausschuss zum Thema „Machtmissbrauch“? Wie konnte es zum Chaos an der Bonner Nordbrücke kommen? Wer hat Chancen, in der nächsten Wahlperiode prestigeträchtige Posten im Präsidium des Landtags zu übernehmen? Wüst und das Landeskabinett ließen sich mit Bundesbildungsministerin Karin Prien und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner fotografieren. Auch Ex-Ministerpräsident Armin Laschet, der frühere Verkehrsminister Andreas Scheuer, Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach, CDU-Außenexperte Norbert Röttgen und CDU-Hoffnungsträger Philipp Amthor wurden gesichtet. Jochen Ott, der designierte Spitzenkandidat der NRW-SPD, war mit seinem Wahlkampfbus zur Feier gekommen.

Merz bleibt dem Treffen fern

Einer ließ sich am Ende aber nicht mehr blicken: der Bundeskanzler.  „Vielleicht war Friedrich auch ganz froh, dass er den Termin schwänzen konnte“, mutmaßte ein Kabinettsmitglied. Bei einer Begegnung mit Wüst wäre wohl jede kleine Geste auf die Waagschale gelegt worden.

Vor drei Jahren, als die Frage der Kanzlerkandidatur in der CDU noch offen war, hatte es ein viel beachtetes Zusammentreffen von Wüst und Merz in der NRW-Vertretung gegeben. Nach einem Gastbeitrag von Wüst in der  FAZ, der als indirekte Kritik an Merz gewertet wurde, hatte der heutige Bundeskanzler sichtlich freudlos für die Fotografen mit seinem Konkurrenten anstoßen müssen.