Welche Chancen hat der SPD-Spitzenkandidat Jochen Ott bei der NRW-Wahl 2027?
Landtagswahl in NRWDas Hauptproblem von Jochen Ott ist nicht Wüst, sondern die Bundes-SPD


Bärbel Bas (SPD), Bundesministerin für Arbeit und Soziales, überreicht Jochen Ott bei der Landesdelegiertenkonferenz der SPD in Nordrhein-Westfalen nach der Wahl zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2027 ein Trikot mit der Aufschrift: „Jochen Ott 7 Team NRW“.
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Spitzenkandidaten aller Parteien wissen, dass sie sich von der guten Stimmung auf einem Aufstellungsparteitag wenig kaufen können. Bei der NRW-SPD waren Hannelore Kraft (2017) und Thomas Kuschaty (2022) unter großem Jubel zur Nummer eins gewählt worden, bevor der Tag der Landtagswahl mit krachenden Niederlagen endete. Die Parteiblasen haben mit der Realität eben wenig zu tun. Der Einfluss von politischen Losungen und hübsch verpackten Wahlkampfgeschenken wird oft überschätzt. Im Wahlkampf sind der Bekanntsgrad und persönliche Glaubwürdigkeit der Bewerber fast immer die härteste Währung.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) ist bundesweit bekannt und populär. Ihm war der historische Zufall vergönnt, dass NRW nach seiner Amtsübernahme 2021 der Vorsitz in der Ministerpräsidentenkonferenz zufiel. So war Wüst in der Corona-Pandemie regelmäßig in den Hauptnachrichten zu sehen und profilierte sich als Hoffnungsträger. Fünf Jahre später gilt er als „Reserve-Kanzler“ der CDU. Im Gegensatz dazu ist der Name Jochen Ott vielen Bürgern bislang unbekannt.
Ott hat ein Radar für Fettnäpfchen und drohende Gefahren
Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber manchmal die Geschichten. 2009 saß der damalige NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers vermeintlich fest im Sattel, bevor er 2010 überraschend von der Herausforderin Hannelore Kraft (SPD) aus dem Amt gekickt wurde. 2017 hatte Armin Laschet (CDU) ebenfalls fast keiner als Wahlsieger auf dem Zettel. Beide Erfolge wurden möglich, weil die Amtsinhaber schwere Fehler machten und in einen Abwärtsstrudel gezogen wurden.
Auch Ott dürfte wohl Boden gut machen, wenn Wüst und seine schwarz-grüne Landesregierung in Misskredit geraten sollte. Der Münsterländer hat allerdings ein ausgeprägtes Radar für Fettnäpfchen und drohende Gefahren. Sein Anspruch, in jeder Situation die Kontrolle zu behalten, macht ihn zu einer harten Nuss für die SPD-Strategen.
Otts Hauptproblem ist aber gar nicht Wüst, sondern die Bundes-SPD. Sollten die Parteichefs Bärbel Bas und Lars Klingbeil im Sommer der Sozialreformen nicht punkten können und dann in ihren Popularitätswerten weiter abstürzen, dürfte die NRW-Wahl für Ott wohl kaum gut ausgehen. Hält der negative Bundestrend an, wäre eine Koalition als Juniorpartner der CDU für die SPD schon ein maximaler Erfolg.
