Köln – Der Tag der Architektur ermöglicht ungewohnte Einblicke in öffentliche Gebäude aus Bildung und Gesundheit, Industrie- und Bürobauten. Warum nicht mal einen Blick auf und in Kölner Privathäuser werfen.
Samstag, 15 Uhr, es regnet in Strömen
Das Neubaugebiet in Widdersdorf liegt trostlos da, es tröpfelt von Bauplanen an unfertigen Gebäuden. Mitten in der neuen Siedlung steht das Passiv-Solarhaus der Familie Stadtmann. Architekt Manfred Brausem öffnet schwungvoll die Tür, im Gesicht ein freundliches Lächeln. „Das Interesse an selbst versorgenden Häusern ist groß und wird immer größer“, sagt der Architekt. „Die Fenster, die wir hier verbaut haben, sind die besten der Welt. Sie sind dreifach verglast. Das ist der Standard heute. Außerdem kommen sie aus der Region, aus Zülpich. Nachhaltig bauen ist neben Energie sparen das große Thema momentan.“ Die Fenster lassen das Sonnenlicht ins Haus und nehmen es von innen wieder an. So entsteht Wärme wie von einem Heizkörper.
Das Solarhaus ist großzügig und offen gestaltet, auf dem Boden liegt Bambus, Naturmaterialien bestimmen auch die Einrichtung. Im Wohnzimmer steht ein Ofen. Ohne Abzug. Er sieht bisschen aus wie ein Spielzeugherd. „Nein, nein“, lacht der Architekt und öffnet eine winzige Klappe. „Der Ofen brennt allein mit Methyl-Alkohol. Ohne Holz, ohne Ruß, und die Wärme verbreitet sich durch das Luftkonzept im ganzen Haus.“ Immer frische Luft, eingebaute Pollenfilter – wer ein Solarhaus baut, der will vor allem eines, weiß der Architekt: „Natürlich gesund leben und autonom sein.“
16 Uhr, Bocklemünd, Reihenhaussiedlung
Das im Katalog so schick und puristisch aussehende Gebäude steht ganz am Ende der schmalen Straße. Hinter alten Kastanien schimmert graues Holz durch. Die schwere Haustür steht offen, leiser Jazz dringt nach draußen auf den Hof. Ein schwarzer Labrador kommt heraus, gefolgt vom Hausherrn. Norbert Schwidder ist Bauingenieur und hat das ehemalige katholische Mädchenheim nach seinen Vorstellungen umgebaut. „Mir war vor allem wichtig, den alten Baumbestand zu erhalten und im Haus ein offenes Wohnkonzept und viel freie Fläche für ein bisschen Kunst zu haben“, erzählt Schwidder. Ein bisschen Kunst ist gelinde untertrieben.
In dem riesigen Loft hängt, liegt und steht auf allen Etagen Abstraktes aus Eisen und Holz, Bilder und Skulpturen. Im Untergeschoss ist Industrieboden gegossen, eine Wendeltreppe aus Eisen führt ins Obergeschoss. Architekt Dimitrios Mantzios hat den Umbau begleitet: „Das Budget war schmal und knallhart durchkalkuliert. Und es wurde sehr viel selber gemacht.“ Das ist eine Überraschung, so sehen der Hausherr und seine Gattin nun wirklich nicht aus. „Doch, doch“, lacht Schwidder, „zum Beispiel die Außenfassade aus sibirischer Lerche. Die haben wir am Wochenende selbst angebracht.“
17 Uhr, der Regen hat nachgelassen in Lindenthal
Frei stehende Häuser, viel Grün, der Decksteiner Weiher ist gleich um die Ecke. „Bitte Schuhe ausziehen“, fordert ein Schild an der Haustüre. Der futuristische Bau mit offenen Stahlträgern und Pool im Garten zieht die Leute an. Der Architekt ist der Einzige, der Schuhe tragen darf. In Espadrillos und mit Bauplänen in der Hand führt Christoph Lichtenberg durch das Gebäude. Mittelpunkt des Einfamilienhauses ist der Lichtschacht, der vom Erdgeschoss bis unters Dach führt.
„Es ist das Spiel mit dem Lichteinfall, das hier fasziniert“, erzählt Lichtenberg. „Außerdem ist der Schacht auf allen Etagen offen. Das ermöglicht die Kommunikation durchs ganze Haus.“ In der oberen Etage sind die Schlafzimmer in einem Rundgang angeordnet, jeweils auf den vier Seiten sind die Schlafzimmer, dazwischen die Badezimmer. Das Dachgeschoss, mit gigantischer Dachterrasse, ist noch leer. „Es ist einfach zu viel Platz“, seufzt eine Bewohnerin.
