Während die Getreideernte im Kreis Euskirchen noch durchschnittlich ausfiel, drohen vielen Betrieben durch die Dürre nun große Einbußen.
Ernteeinbußen bei LandwirtenTrockenheit stellt Bauern im Kreis Euskirchen vor Probleme

Die Zuckerrüben von Landwirt Toni Winkelhag aus Derkum könnten noch an Gewicht und Zuckergehalt zulegen – aktuell fehlt dafür jedoch das Wasser.
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Die knapp fünfeinhalb Liter Regen pro Quadratmeter, die am vergangenen Montag an der Wetterstation in Lommersum gemessen wurden, waren nur der bekannte „Tropfen auf den heißen Stein“. „Seit Mitte Juni hatten wir eigentlich keine nennenswerten Niederschläge mehr“, sagt Landwirt Toni Winkelhag beim Blick auf seine Wetter-App. „Und das in einer Zeit, in der Wasser für das Pflanzenwachstum unbedingt gebraucht wird.“
Winkelhag und seine Berufskollegen aus dem ganzen Kreis Euskirchen leiden unter der anhaltenden Trockenheit. Bei allen Feldfrüchten, die jetzt noch nicht geerntet sind, müssen sich die Landwirte auf zum Teil deutliche Einbußen bei Menge und Qualität einstellen. „Die Zuckerrübe könnte noch einen Teil kompensieren, wenn es jetzt endlich mal regnen würde. Und auch die Kartoffeln könnten an den Knollen noch zulegen, solange das Laub grün ist“, erklärt Winkelhag.
Bis Mitte August sind keine Niederschläge vorhergesagt
Das Problem: Bis Mitte August sind aktuell keine neuen Niederschläge vorhergesagt. „Es sieht so aus, als könnte ich in diesem Jahr erstmals von der Dürre-Versicherung profitieren, die ich vor einigen Jahren abgeschlossen habe“, so der Landwirt aus Derkum. Die würde allerdings auch nur einen Teil der finanziellen Einbußen übernehmen, die Winkelhag derzeit bei verschiedenen Früchten drohen.

Weniger Ertrag als in durchschnittlichen Jahren erwarten die Landwirte im Kreis Euskirchen auch beim Mais.
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Bereits nach der letzten Zuckerrüben-Proberodung Mitte Juli war absehbar, dass die Erträge in der Region in diesem Jahr deutlich geringer ausfallen werden als in den vergangenen Jahren. „Mitte Juli lagen wir hier im Raum Derkum bei einem Hektar-Ertrag von 24 Tonnen – der Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre betrug zu diesem Zeitpunkt 32 Tonnen je Hektar“, so Winkelhag: „Und während es zum Beispiel im Vorjahr auch im Juli und August Niederschläge gab, gehen wir dieses Jahr wohl alle leer aus.“
Für die Euskirchener Zuckerfabrik sind die Proberodungen wichtig, um Erntemengen und Zuckergehalt der Rüben prognostizieren zu können, und damit auch den Beginn der Kampagne festlegen zu können. „Nach heutigem Stand würde ich sagen, dass die Kampagne erst im Oktober startet“, schätzt der Derkumer Landwirt und weiter: „Immerhin könnten die geringeren Erträge ja dazu führen, dass sich der Zuckerpreis stabilisiert.“
Schlechtere Zuckerrübenernte kommt Zuckerfabrik gelegen
Auf diese Weise würde das Wetter bereits in diesem Jahr die Zuckerfabrik bei ihrem Vorhaben unterstützen, langfristig insgesamt weniger Zucker zu produzieren. Pfeifer & Langen hatte die Bauern im Kreis Euskirchen im Frühsommer dazu aufgerufen, 2027 weniger Rüben anzubauen. Vertragskündigungen – wie in Ostwestfalen – seien im Raum Euskirchen aber nicht vorgesehen.
Unabhängig von der Firmenpolitik der Euskirchener Zuckerfabrik ist es für Winkelhag aber schon seit einigen Jahren das Ziel, sich wirtschaftlich breiter aufzustellen. Wie viele seiner Berufskollegen hat auch er in erneuerbare Energien investiert, und mit seiner eigenen Lkw-Flotte transportiert er als Dienstleister Zuckerrüben vom Acker zur Fabrik nach Kuchenheim. „Das ist vor allem bei längeren Fahrtstrecken deutlich günstiger und komfortabler als die Fahrt mit einem Traktor-Gespann.“
Diversifiziert hat sich Winkelhag aber auch auf dem eigenen Acker. „Früher gab es fast nur die klassische Fruchtfolge Rüben – Weizen – Gerste“, berichtet der Landwirt, der einen der größten Ackerbetriebe in der Region führt. Auf seinen 340 Hektar Ackerfläche baut er neben den drei genannten Früchten inzwischen unter anderem auch Erbsen, Buschbohnen, Kartoffeln, Raps und Mais an. „Aber wenn es über einen so langen Zeitraum so trocken ist wie in diesem Jahr, sind natürlich alle Früchte betroffen“, so Winkelhag: „Bei den Erbsen gehen wir zum Beispiel aktuell auch von Einbußen im Bereich von 30 bis 50 Prozent aus.“
Grünlandbetrieben in der Eifel fehlt das Grün als Futter
Das Wasser fehlt in diesem Jahr aber nicht nur den Ackerbauern in der traditionell niederschlagsarmen Zülpicher Börde, rund um Euskirchen und Weilerswist, sondern auch auf den Eifelhöhen. Vielerorts ist das Grünland schon lange nicht mehr grün: Saftige Weiden sucht man derzeit oft vergebens.

Statt auf saftigen Wiesen zu grasen, müssen sich Weidetiere oft mit einem steppenähnlichen Nahrungsangebot begnügen, so wie hier bei Zingsheim.
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„Nachdem die Heuernte durch die Niederschläge im Frühjahr noch relativ gut ausgefallen ist, wird in vielen Betrieben aktuell das Futter knapp“, sagt Helmut Dahmen aus Lorbach. „Der zweite und der dritte Schnitt sind bisher zum Teil komplett ausgefallen, weil durch die fehlenden Niederschläge und die hohen Temperaturen nichts nachwächst“, erklärt der Landwirt, der auch Vorsitzender der Kreis-Bauernschaft ist.
Das könnte für etliche Betriebe Konsequenzen haben, sagt Dahmen. „Wer keine Heu-Vorräte aus dem vergangenen Jahr mehr hat, muss entweder Futter zukaufen oder die Zahl seiner Tiere reduzieren, um über den Winter zu kommen.“
Krewelshof muss außergewöhnlich früh mit Kürbisernte beginnen
Die anhaltende Trockenheit macht auch den Kürbisanbauern auf dem Krewelshof in Obergartzem zu schaffen. Erstmals müssen dort sowohl Speisekürbisse als auch Riesenkürbisse rund einen Monat früher als üblich geerntet werden. Besonders betroffen sind die Riesenkürbisse, die eigentlich für die traditionelle Kürbisregatta vorgesehen waren. Nach Angaben des Hofes haben die Wetterextreme dazu geführt, dass einige Früchte abgestoßen wurden, aufplatzten oder ihr Wachstum einstellten. Damit werden viele Exemplare die eigentliche Reifezeit nicht mehr erreichen.
Für Jungbauer Max Bieger ist das ein herber Rückschlag. Seit Monaten kümmere er sich täglich mehrfach um die Pflanzen, bewässere sie, pflege sie und versuche, optimale Bedingungen für das Wachstum zu schaffen. Sein Ziel sei gewesen, Kürbisse mit einem Gewicht von mehr als 300 Kilogramm heranzuziehen. Dieses Ziel dürfte nun kaum noch zu erreichen sein.
Wegen der schwierigen Witterungsbedingungen muss nun der Traktor aufs Feld. Neben den Riesenkürbissen werden auch die ersten Speisekürbisse deutlich früher geerntet als in den Vorjahren. Nach Angaben des Krewelshofs ist eine derart frühe Ernte bislang außergewöhnlich. Die Entwicklung zeige, wie stark die anhaltende Trockenheit inzwischen auch die Landwirtschaft in der Region beeinflusse.
Die Getreideernte ist so früh wie nie abgeschlossen
Rund drei Wochen früher als gewöhnlich hat in diesem Jahr die Getreideernte begonnen, die inzwischen bis auf wenige Ausnahmen auch bereits komplett abgeschlossen wurde. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir schon einmal so früh fertig waren“, sagt Landwirt Toni Winkelhag. Ertragsmäßig spricht der Rheinische Landwirtschafts-Verband von einer insgesamt durchschnittlichen Ernte mit zufriedenstellenden Qualitäten.
In schwächeren Lagen lagen die Erträge bei etwa sechs bis sieben Tonnen je Hektar, auf guten Standorten wurden teilweise bis zu zehn Tonnen je Hektar erreicht. Im rheinischen Durchschnitt rechnet der Verband mit rund 8,5 Tonnen pro Hektar. Bei Gerste, Weizen und Raps seien die Erträge bei Toni Winkelhag insgesamt leicht unterdurchschnittlich bis durchschnittlich ausgefallen: „Wenn die Trockenheit noch lange anhält, könnten wir jedoch bei der Aussaat des nächsten Wintergetreides Probleme bekommen.“
