Acht Brücken FestivalDiese Komponistin steht im Fokus der Konzerte

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Die Britische Komponistin Rebecca Saunders. Sie steht vor einer Wand, in der große Zettel mit Noten hängen.

Die Britische Komponistin Rebecca Saunders

Im Zentrum des Acht Brücken Festivals in Köln steht das Werk der Komponistin Rebecca Saunders. Sie gehört zu den renommiertesten und meistgespielten Vertretern der zeitgenössischen Musik. 

Wenn ein Musikfestival zwei Schwerpunkte hat – ein Motto und eine Porträtkomponistin oder einen Porträtkomponisten –, dann besteht immer die Gefahr, dass die Beziehung zwischen ihnen unverbindlich, beliebig bleibt. Bei der Acht-Brücken-Ausgabe dieses Jahres ist das definitiv nicht der Fall. Der (von ihr selbst so formulierte) „Übergang von Nicht-Klang zu etwas Konkretem, aus der Stille in die Stille, von Geräusch in Klang“ gehört seit jeher zu Rebecca Saunders’ künstlerischen Zentralinteressen. Und dieses Interesse bringt die 1967 in London geborene und seit vielen Jahren in Berlin ansässige Britin seit Beginn der 90er Jahre in vielen Varianten in eine fassliche Werkgestalt.

Literarischer „Pate“ dabei war übrigens immer wieder Samuel Beckett: „Ich finde seine Werke hypnotisierend und äußerst inspirierend – die Vielfalt der Bedeutungen von Stille, die quasi Wiederholungen, die immer zum selben Ausgangspunkt wiederkehrenden Wortlabyrinthe. Und dann gibt es eine Art von Stille, die Ungewissheit, das Warten – Becketts Unwort, das Nichtgesagte, das Schwebende zwischen den Worten.“

Im Kölner Acht Brücken Festival dreht sich alles um Stille 

Musik aus der Stille oder jedenfalls aus Nicht-Musik – beim Festival wird dieses Phänomen, naheliegend angesichts der geballten Präsenz von Saunders’ Musik (sie ist auch persönlich anwesend und wird über sich und ihr Werk Auskunft geben), immer wieder zum Thema. Etwa bei der Uraufführung der Konzertinstallation „Myriad III“ mit 2464 Spieluhren und neun Musikern in der Kunststation Sankt Peter (28. und 29. April).

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Da gibt es ein waberndes akustisches Ambiente, eine klangliche Ursuppe sozusagen, in die hinein die Ausführenden sieben Saunders-Kompositionen spielen. Das alles geschieht vor einer Wand aus Spieldosen, die auch das Publikum in Gang setzen kann. Eine Konzertinstallation vor einer Klanginstallation: Töne werden in den Raum projiziert, melodische Schleifen, die einander überlagern, miteinander verwirbeln und sich zu polyphonen Klanggeweben verflechten.

Die Komponistin Rebecca Saunders

Saunders studierte Violine und Komposition an der Universität Edinburgh, danach noch einmal Komposition bei Wolfgang Rihm in Karlsruhe. Mittlerweile gehört sie zu den renommiertesten und meistgespielten Vertretern der zeitgenössischen Musik überhaupt. Sie war Composer in Residence an verschiedenen Konzerthäusern, erhielt zahlreiche Preise, darunter 2019 den Ernst von Siemens Musikpreis und den Mauricio-Kagel-Musikpreis der Kulturstiftung NRW.

Seit 2012 hat sie eine Professur an der Musikhochschule Hannover, seit 2000 unterrichtet sie bei den Darmstädter Ferienkursen. Eines ihrer jüngeren Werke, die komplexe und großangelegte Raumcollage „Stasis“ für 16 Solisten, kam im Oktober 2011 in Donaueschingen zur Uraufführung und wurde in der Folge in ganz Europa gespielt.

Drei Höhepunkte des Musikfestivals

Das diesjährige Kölner Acht-Brücken-Festival findet vom 28. April bis zum 7. Mai an unterschiedlichen Spielorten statt. Hier drei Höhepunkte:

28. April (16 und 18 Uhr) und 29. April (14 und 15.30 Uhr), Kunststation Sankt Peter: Rebecca Saunders, „Myriad III – Konzertinstallation“ mit dem ensemble mosaik

29. April (20 Uhr), Philharmonie: George Benjamin, Lessons in Love and Violence in der Inszenierung von Dan Ayling mit dem Mahler Chamber Orchestra   unter der Leitung des Komponisten

30. April (20 Uhr), Philharmonie: Lucia Ronchetti, Chronicles of lonliness (Choroper nach Leopardi) mit dem Domchor, dem Chor des Bachvereins und dem Kölner Männer-Gesang-Verein unter Leitung von Mariano Chiacchiarini (MaS)

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