Abo

Adam GreenMusiker zehrt von den letzten zehn Jahren

3 min
  1. Im ausverkauften Gebäude 9 zeigt Adam Green, dass er immer noch als unterhaltsames Kerlchen durchgeht.
  2. Auch mit Mitte 30 ist er mal kauziger Schlaks, mal ernsthafter Songschreiber.

Köln – Natürlich war früher nicht alles besser. Und meistens wird die Vergangenheit in der Gegenwart sowieso so blumig dargestellt, wie sie in Echtzeit nie war. In Bezug auf den Musiker Adam Green muss man in dieser Angelegenheit allerdings fesstellen: Doch, der blühte vor rund einer einer Dekade eindeutig intensiver. War farbenfroher unterwegs. Und schien mit jedem Auftritt noch zu wachsen.

Irgendwann in den Nullerjahren war Adam Green Mitte 20, er war weltberühmt in Deutschland und mäßig bis gar nicht bekannt im Rest der Welt, und er war seinerzeit hierzulande allein so beliebt wie Helene Fischer und Revolverheld es heute zusammen sind. Von allen Seiten wurde Adam Green angeknuddelt, seine Musik lag auf dem Bestsellerstapel, und er stand kurz davor, im deutschen Farbfernsehen eine eigene Kochsendung zu bekommen.

Aktuell reicht es noch locker dafür, dass das Gebäude 9 ausverkauft ist. Was einerseits okay ist und einen andererseits auch ein bisschen verwundert. Weil Adam Green in den letzten Jahren doch musikalisch arg abbaute. Im Überschwang des Gemochtwerdens passiert das, was oft passiert: Greens Platten wurden beliebig, und aus seinem Talent sprossen von jetzt auf gleich keine tollen Songs mehr. „Aladdin“ heißt nun sein neues Werk, es bleibt nach mehrmaligem Hören solide und ist dann schnell ein Fall fürs Egal-Regal.

Im Gebäude 9 spielt Green davon unter anderem „Me From Far Away“ und „Nature Of The Clown“ – und genau den gibt er auch in seiner Bühnenrolle. Es sind die bekannten und ausgemachten Kaspereien, die Green zur Aufführung bringt, und man ahnt an diesem Abend mehr als einmal dieses: Kann sein, dass es manchmal ganz schön ist, Adam Green zu sein. Ganz sicher aber ist es immer eins: anstrengend. Der Musiker veranstaltet auf der Bühne Verfolgungsjagden mit sich selbst, malt allerlei mit den Händen in die Luft über der Bühne, grimassiert und schlakst so vor sich hin. Seine Begleitband „Coming Soon“ spielt dazu so unerschütterlich, dass sie ohne Weiteres auch auf Touristen-Ausflugsdampfern in Florida bestehen könnte.

Weitaus interessanter wird’s, als Green seine Mitmusiker von der Bühne schickt und selbst zur Gitarre greift. „Songs by request“ stehen an, Green spielt Lieder auf Publikumszuruf. „What A Waster“ von den Libertines macht er zu einer schön verschlurften Tanztee-Version, „Who’s Got The Crack“, im Original von den Moldy Peaches, wird ebenfalls lässig dargeboten. Vor allem aber wirkt eins viel besser, wenn die Kaspereien kurz mal Pause haben: der Musiker Adam Green. Sein sanfter Bariton. Seine durchaus mit Selbstironie ausgestattete Eigenwahrnehmung.

Als die Band zurück auf der Bühne ist, folgt der beste Teil des Konzerts, der zugleich zeigt, dass hier einer arg von seiner Songvergangenheit zehrt. Green schubst das Sentimentalitäten-Karussell schön und nachhaltig an. Und auf einmal ist er voll und ganz da, der Freund von früher. Spielt, als eleganter Folk-Crooner, das wunderschöne „Friends Of Mine“. Haut mit „Jessica Simpson“ die Popsängerin und Schauspielerin diesen Namens in die Pfanne. Animiert mit seinem Konsensmilch-Song „Emily“ zum kollektiven Mitsingen und liefert als Zugabe „Dance With Me“.

Von der alten Form ist Adam Green weit entfernt, darüber kann auch die hübsche Nostalgierunde nicht hinwegtäuschen. Die Gefahr, dass er eine Kochshow bekommt, besteht allerdings nicht mehr. Immerhin das.