„Schaut ihn euch an, ist er nicht süß mit seinem Hut“, ruft der Mann mit dem imposanten Rauschebart ins Mikro und zeigt auf seinen Bühnen-Nachbarn, der aussieht, als sei er soeben aus einem Western-Saloon gestiefelt. Der pariert das Kompliment: „Das ist, weil ich in Köln bin und so gute Laune habe.“ Ein Wortwechsel, der so freundlich, entspannt und lässig daherkommt wie der gesamte Konzertabend im Palladium.
Der insgesamt ziemlich besonders ist, weil sich zwei amerikanische Songwriter-Größen zusammengetan haben: Der Rauschebart ist Sam Beam, der als Iron & Wine mit folkigen Balladen erfolgreich ist, Cowboy Joey Burns ist Frontmann der Band Calexico, für ihren besonderen Sound zwischen Folk, Rock und Blues mit mexikanischen Einschlägen bekannt.
Die beiden Frontmänner mit ihren perfekt harmonierenden Gesängen und Akustikgitarren hätten den Abend auch sehr gut alleine bestreiten können. Ihre Duette, darunter das Flaming-Lips-Cover „Waiting For A Superman“ und „Naked As We Came“ von Iron & Wine, sind atmosphärische Höhepunkte. Aber dafür ist die vierköpfige Band dann doch einfach viel zu gut: Bei dem vom Trompeter Jacob Valenzuela gesungenen Calexico-Song „Flores y Tamales“ kommt für einige Minuten sogar Tanzstimmung auf. Ansonsten dominieren Songs in schöner amerikanischer Singer-Songwriter-Tradition, einige davon Lieder des jüngst gemeinsam veröffentlichten Albums „Years To Burn“.
Bereits die zweite Kollaboration, die erste gemeinsame EP „In The Reins“ ist allerdings schon 14 Jahre alt. Überdies haben sich die Frontmänner ihre jeweiligen Lieblingssongs des anderen ausgesucht. Eines der bekanntesten Calexico-Lieder, „Crystal Frontier“, im Original ein schwungvoller Kracher, wird in Köln zur eindringlichen Ballade – was eben passiert, wenn ein Sam Beam mitmischt.
Dieses Konzert hätte mehr verdient gehabt als ein nur halb gefülltes Palladium.
