Der Kulturausschuss des Bundestages will enger mit den für Kultur zuständigen Parlamentariern der französischen Nationalversammlung kooperieren. Als erste drei Themen nannte die Vorsitzende des Ausschusses, die SPD-Politikerin Katrin Budde, Urheberrecht, Filmförderung und die Rückgabe von Objekten aus der Kolonialzeit.
Zum Thema Filmförderung sagte Budde: „Frankreich hat ein zentralistisches System, wir haben ein wirtschaftlich ausgerichtetes System.“ Nun gehe es darum: „Welche neuen Bedingungen knüpfen wir an Filmförderung? Wie füllen wir die Töpfe?“ Auch beim Umgang mit der kolonialen Vergangenheit sieht die SPD-Kulturexpertin unterschiedliche Ansätze. „Frankreich hat ja noch ein viel größeres koloniales Erbe zu berücksichtigen als Deutschland.“ Zudem gebe es unterschiedliches Auftreten. Das Nachbarland sei „im Grunde verbal ganz weit vorne weg. Frankreich weiß auch, wo die Objekte herkommen. Aber in der Realität sind die Franzosen im Zweifel sogar hinter uns zurück“.
Auch der Deutsche Kulturrat mahnt eine breite öffentliche Debatte in Deutschland über das koloniale Erbe an. Diese müsse bis zur Eröffnung des Berliner Humboldt Forums voraussichtlich Ende 2020 nachgeholt werden, erklärte der Rat am Donnerstag in Berlin in einer Jahresbilanz für 2019. „Das Humboldt Forum wird sich bis zu seiner Eröffnung hoffentlich der Zivilgesellschaft öffnen. Mehr Einmischung von außen ist dringend notwendig!“

Katrin Budde
Copyright: dpa
Es gehe auch mit Blick auf andere Einrichtungen insgesamt um die Frage: „Wie soll mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten verfahren werden?“ Es müsse geklärt werden, unter welchen Bedingungen Artefakte, menschliche Gebeine und Kunstwerke in Ethnologische Museen gekommen seien. „Diese Fragen müssen jetzt schnell und trotzdem gründlich beantwortet werden.“ Das gelte darüber hinaus auch für die Missionssammlungen. „Der Kulturbereich wird sich der Verantwortung stellen, und natürlich werden Bestände aus den Ethnologischen Museen, wenn sie unrechtmäßig erworben wurden, zurückgegeben werden.“ Mit diesen „notwendigen Maßnahmen“ sei die Debatte aber noch nicht beendet. „Deutschland muss sein heutiges koloniales Handeln kritisch hinterfragen. Deutschland darf keine Freihandelsabkommen zulasten des globalen Südens mehr abschließen“, forderte der Kulturrat. (dpa/KNA)