Köln – Kino in Corona-Zeiten heißt: Kino mit Abstand. Wie aber soll das gehen? Zwar tun Kinobetreiber alles, um den Spielbetrieb zu gewährleisten, doch Kino bedeutet nun mal auch Nähe. Nähe zum Mitpublikum, aber auch emotionale Nähe zum Geschehen auf der Leinwand. Viele, die das Kino lieben, sind derzeit verunsichert und zurückhaltend, wobei gerade der Kinderfilm in eine Zwickmühle gerät.
Während Kinder mit angemessenen Vorsichtsmaßnahmen geschützt werden, leiden sie unter den Corona-Regeln und trocknen angesichts fehlender Freizeitaktivitäten förmlich aus. Eine Chance, ihrem Erlebnishunger entgegenzukommen, bietet eine Initiative im Kölner Filmhaus an der Maybachstraße: Dort werden ab sofort Filme der Initiative „Der besondere Kinderfilm“ gezeigt – mit gebotenem Abstand, aber doch mit viel Herz für Kinder.
Das Kölner Filmhaus-Kino engagiert sich für den guten Kinderfilm
Die Filmreihe könnte zur anregenden Vitalspritze werden, vorrangig zwar für erlebnishungrige Kinder, eigentlich aber für alle Kinoliebhaber in Köln. Joachim Kühn, Betreiber des Kinos im Filmhaus: „Gute Kinderfilme zeichnen sich ja dadurch aus, dass sie auch gut für Erwachsene sind und auch von ihnen gerne gesehen werden. Ein Kinderfilm ist immer dann ein guter Film, wenn er dies für alle ist.“ Entsprechend setzt Kühn den aktuellen „besonderen Kinderfilm“ nicht nur zu den üblichen Wochenendzeiten ein. Das temperamentvolle Bollywood-Abenteuer-Musical „Träume sind wie wilde Tiger“ kommt am 3.2. ins Kino und läuft im Filmhaus dann auch in der 17-Uhr-Schiene.
„Träume sind wie wilde Tiger“ (Regie: Lars Montag) ist ein vitaler Familienfilm, der viel gute Laune verbreitet, indem er vor allem in den Tanz- und Gesangsszenen stilecht die farbenprächtige Traumwelt des Bollywood-Kinos nachbildet. Der zwölfjährige Ranji träumt davon, ein großer Bollywood-Star zu werden, doch ausgerechnet, als sein Idol Amir Roshan einen jungen Partner sucht, muss Ranji Mumbai verlassen und mit seinen Eltern nach Deutschland umziehen.
Hier kämpft er mit Problemen, wie man sie aus etlichen anderen Kinderfilmen kennt, wird in der Schule gemobbt und beleidigt, bis er eine Verbündete im Nachbarsmädchen Toni findet. Während sich Toni um ihre trennungswilligen Eltern sorgt, verdeutlicht Ranji seine Empfindungen in Gesang und Tanz: „Gibt es ein anderes Wort für ‚traurig‘? Ich sehe kaum noch Farben, alles was da ist, ist schwarz-weiß.“
So schwungvoll der Film auch unterhält, leicht dürfte er es im Kino nicht haben – einfach, weil er im Kern doch „nur“ ein Kinderfilm ist. Kühn: „Aus Kinobetreiber-Sicht ist der Kinderfilm eine besondere Herausforderung. Die entscheidende Frage ist: Wie findet eine wirklich erfolgreiche Vermittlung statt? Gegenüber den Eltern, die am Ende die Entscheidung über einen Kinobesuch treffen und sich dafür vertrauensvoll orientieren können, aber auch gegenüber den Schulen und Lehrern, die ebenfalls mitentscheiden, was Kinder sehen.
Dies ist ein zeitaufwändiges Feld voller Hindernisse und Hürden, weil man sich stets absichern und Genehmigungen einholen muss, bis am Ende viel zu wenig im Kino passiert. Schulkinowochen sind das eine, aber das reicht ja nicht!“
Mit dem Filmhaus fühlt sich Kühn für die Herausforderung „Kinderfilm“ gut aufgestellt. Das stimmungsvolle, aufwändig renovierte und technisch vorzüglich ausgestattete Kino ist mehr als eine offene Spielstätte für die Kölner Filmszene, generiert eigene Filmbildungs- und Vermittlungsprojekte und macht Angebote wie den Minifilmclub und den regelmäßigen Familiensonntag. Da kommt Kühn der „besondere Kinderfilm“ gerade recht: „Bei uns ist eine solche Initiative sehr willkommen. Nur so denkt man Kinderfilme konsequent von Anfang bis Ende, wo wir als Kino als entscheidendes Bindeglied zum Publikum bereitstehen und dafür sorgen, dass die Filme gesehen werden.“
Ein Kinderfilm-Projekt mit Pilotfunktion
„Der besondere Kinderfilm“ wurde 2013 als Fördermodell ins Leben gerufen und basiert auf einer Initiative des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, der Filmwirtschaft, der Förderungen des Bundes und einiger Länder sowie der Politik. Inzwischen besteht die Initiative aus 27 Institutionen, Förderungen und Verbände, die sich für die Steigerung von Anzahl und Qualität besonderer Kinderfilme einsetzen. Nach ersten Gehversuchen mit Filmen wie „Winnetous Sohn“, „Ente gut!“ und „Auf Augenhöhe“ öffnete sie sich erfolgreich für Genres wie Fantasy- („Invisible Sue“), Tanz- („Into the Beat“) und Sportfilm („Madison“), die nun alle im Filmhaus zu sehen sein werden – ebenso wie die nächste Kinopremiere: „Mission Ulja Funk“ ist eine herrlich verdrehte Fantasie um ein Mädchen, das sogar politische Grenzen überwindet, um in Weißrussland die Ankunft „seines“ Kometen zu erleben.
Inzwischen ist „Der besondere Kinderfilm“ zwar eine recht bekannte Marke, die sich in der Wahrnehmung durch ein größeres Kinopublikum aber noch beweisen muss. So hat die Filmhaus-Reihe durchaus Pilot-Charakter: als Impuls für weitere Kinos, die die Filme ebenfalls als Programmpunkt anbieten und damit den „besonderen Kinderfilm“ aufwerten – als Gütesiegel für hohe Qualität und gute Unterhaltung.