Als junger Mann lernt der 1953 in England geborene Jonathan „Johnny“ Clegg im südafrikanischen Johannesburg, irische und schottische Folksongs zu spielen. Dann erlebt er an einer Straßenecke einen Zulu-Musiker mit den traditionellen Liedern der gemeinsamen, von gnadenlosem Rassismus gespaltenen Heimat. Für Clegg ist es „eine Offenbarung“ und „das erste Fenster in eine andere Welt, von der ich nicht wusste, dass sie existiert“, wie er später sagt.
Das Straßenecken-Erlebnis hat die Welt des Gitarristen, Sängers, Songschreibers und Tänzers für immer verändert und ihm letztlich den Ehrentitel „Weißer Zulu“ eintragen, zu dessen Musik auch Nelson Mandela tanzte. Am Dienstag ist der nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent hochverehrte Künstler mit 66 Jahren in Johannesburg an Krebs gestorben.
Zahllose Musikfans nahmen am Mittwoch mit bewegenden Worten in den sozialen Netzwerken Abschied. Mit Liedern wie „Asimbonanga“ oder „Scatterlings Of Africa“ und seiner mitreißenden Stilmixtur aus Rock, Folk und afrikanischen Rhythmen war er einer der weltweit wichtigsten Musiker im Kampf gegen die Apartheid. Neben US-amerikanischen und britischen Künstlern war er die authentische Protest-Stimme seines über Jahrzehnte rassistisch regierten Landes.
„Mit seinem einzigartigen Musikstil überwand er kulturelle Grenzen wie kaum ein anderer“, hieß es nun in einer Reaktion des langjährigen Clegg-Managers Roddy Quin. Er sei „ein Katalysator des politischen Bewusstseins“ geworden, würdigte Sipho Mabuse („Jive Soweto“) den Freund und Kollegen. Auch als es musikalisch ruhiger um ihn wurde, blieb der Ruhm eines unermüdlichen gesellschaftlichen Engagements. (dpa)
