S. Rudat überzeugt in dem Stück der Dresdener Dramatikerin Caren Jeß.
„Die Katze Eleonore“ am FTWEin ungemein poetischer Theatermonolog

S. Rudat in „Die Katze Eleonore“
Copyright: Oliver Stroemer
40 Jahre musste Eleonore alt werden, um endlich sie selbst zu sein, eine Katze. Vorher war Eleonore Garazzzo eine Immobilienmaklerin, die im seriösen Businesslook ihrer Arbeit nachging. Bis eben jener Moment der Erkenntnis über das wahre Wesen ihrer Identität kam, und sie beschloss mit aller Konsequenz ihrem Lebensentwurf zu folgen.
Die Dresdener Dramatikerin Caren Jeß hat diesen ungemein poetischen Theatermonolog über eine ungewöhnliche Selbstfindung verfasste und damit unter anderem den renommierten Mülheimer Dramatikpreis gewonnen. Jetzt kommt das auf vielen deutschen Bühnen bereits gespielte Stück in der Inszenierung von und mit S. Rudat im FWT zu seiner Köln-Premiere.
Ganz still und leise kommt Rudat aus dem Hintergrund des Zuschauerraums auf die Bühne. Wenn die Erzählung beginnt, ist die Transformation bereits weitgehend vollzogen. Eleonore kann zwar trotz aller Bemühungen nicht aus ihrer Menschenhaut, fühlt, denkt und verhält sich aber wie eine Katze. S. Rudat spielt diese Hauskatze mit subtiler Nuancierung und einer Selbstverständlichkeit und Beiläufigkeit, die perfekt zur Rolle passt. Wenn Rudat sich die Hände/Pfoten leckt oder betont gelangweilt ins Publikum schaut, dann ist da eine Katze und kein Mensch zu Gange.
Mit wohligem Selbstverständnis
Weniger ist in diesem Falle tatsächlich mehr und die Selbstwerdung einer Katze kommt hier auf ganz leisen Pfoten daher. Mit kleinen Veränderungen in der Gestik wechselt Rudat vom Katzendasein in die Menschenrollen. Vor allem ihrem Therapeuten Dr. Wildbruch, der seiner Patientin mit Neugierde und Faszination begegnet, leiht Rudat im raschen Wechselspiel ihre Stimme. In der Auseinandersetzung mit dem Therapeuten muss sich Eleonore letzte Klarheit über ihre neue Identität verschaffen. Denn die Transformation hat ihre Fallstricke: die Hoffnung auf einen Wurf Katzenjungen bleibt unerfüllt. Auch die Schnurhaare wollen nicht wachsen. „Nun gut, man geht Kompromisse ein“, erzählt sie lakonisch, „Das bleibt auch als Katze nicht aus.“
Auf die Frage, warum sie denn nicht gleich ein wildes Tier für ihre Transformation ausgewählt habe, antwortet Eleonore mit Gleichmut, dass sie sich ihre Identität eben nicht ausgesucht habe. Sie sei schon als Katze geboren, nur im Körper eines Menschen. Im Laufe des Stückes entledigt sich Rudat ihrer menschlichen Kleidung. Irgendwann liegt Rudat nackt auf dem Sofa und leckt sich ausgiebig. Exhibitionistisch oder anstößig sind diese Nacktszenen dennoch nicht, dafür spielt Rudat sie zu sehr mit dem wohligen Selbstverständnis einer Katze.
Gleichzeitig bedeutet Eleonores Abschied aus der Gesellschaft allerdings auch ein Verzicht auf Verantwortung und ihre Selbstliebe geht auch mit Selbstgerechtigkeit einher. Auch ein Katzenleben hat seine ambivalenten Seiten, weiß Eleonore, um im nächsten Moment zu kontern: „Ich hab Immobilien vertreten, was ist dagegen ein Vogelgenick?“
Weitere Termine im FWT: 13. 11, 20 Uhr, 16.11., 18 Uhr

