An der Hammondorgel scheiden sich die Geister. Die einen verbinden mit ihr den seichten Sound von frühen Tanzpartys, Hochzeits- oder Firmenfeiern, andere verehren sie liebevoll als „das Biest“, das dem Jazz neue kreative Wege aufzeigte. Und das richtig bissig zupacken kann: Unverwechselbar surrend und gurgelnd baut besonders die B3-Hammond Brücken zwischen Blues und souligem Jazz, Funk, Fusion und Rock, wobei das, was da aus dem klangprägenden Leslie-Lautsprecher-Kabinett quillt, tatsächlich in eine schwebende Trance versetzen kann.
Auch hierzulande gab es immer mal wieder großartige Jazz-Organisten, etwa Ingfried Hoffmann oder Dieter Reith, bevor Barbara Dennerlein lange Zeit so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal auf der Orgel innehatte. Jetzt aber brach jemand aus der ganz jungen Generation talentierter Jazzer auf, um das schwer bedienbare Instrument mit Leichtigkeit und Eleganz aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken: Simon Oslender zaubert auf der Tastatur sowie an den mannigfachen Kippschaltern, Drucktasten, Schiebereglern und Verstärkerschaltern seiner Hammond und kreiert mitreißend groovende Klänge.
Ende Januar legte der 21 Jahre junge Musiker sein CD-Debüt unter eigenem Namen vor. „About Time“ ist facettenreich angesiedelt zwischen melodiösem Soul-Funk, groovendem Blues und einfühlsamer Ballade, bereichert durch Gastsolisten wie Bill Evans, Randy Brecker, Wolfgang Haffner oder Christopher Dell. Gitarrist Peter Fessler singt stimmungsvoll Stings „Fragile“, ansonsten präsentiert Oslender überwiegend eigene Kompositionen. Vor allem aber überrascht er mit der Wahl seiner Instrumente: Fast schon tritt die Hammond in den Hintergrund, während Oslender seine Meriten an Klavier und Keyboards beweist. „Die Orgel ist nach wie vor mein absolutes Lieblingsinstrument“, erläutert er, „manchmal aber hat es mich schon etwas gestört, dass ich darauf reduziert wurde. Noch am ersten Aufnahmetag dachte ich, keinen richtigen Plan zu haben, aber mein Produzent Joachim Becker hat da bereits mehr in alldem gesehen. Und jetzt habe ich genau die Visitenkarte, die ich mir wünschte.“

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Zunächst ließ der junge Aachener in den Niederlanden aufhorchen, wo er im Duo mit Schlagzeuger Jerome Cardynaals spielte und als Gast in Big Bands selbst einen Hammond-Großmeister wie Dr. Lonnie Smith verblüffte. Dann war es die Fusion-Jazz-Soul-Großformation „Pimpy Panda“, bevor es 2019 mit Power-Saxofonist Bill Evans und seiner Band „The Spy Killers!“ auf Tournee ging. Weltweit spielte Oslender mit Evans, Bass-Groove-Routinier Gray Grainger und Schlagzeuger Wolfgang Haffner, der ihn in seine eigene Band holte.
Neben Haffner schwärmt Oslender auch von Frank Chastenier. Mit zwölf Jahren gewann er in Heerlen einen kleinen Jazzpreis, der aus einer Unterrichtsstunde mit Chastenier, damals Pianist und Organist der WDR Big Band, bestand. „Er kam nachmittags nach der Schule privat zu uns nach Hause, ich war sehr aufgeregt, und am Ende sagte er, dass er gerne weiter mit mir arbeiten würde. Was er dann tatsächlich mit Unterbrechungen fünf Jahre lang gemacht hat.“
Im King Georg wird Simon Oslender an der Hammond B3 und am Klavier sein neues Projekt präsentieren, begleitet von Hanno Busch und Bruno Müller (beide Gitarre), Claus Fischer (Bass), Hendrik Smock (Schlagzeug) und Roland Peil (Perkussion).
Simon Oslender & Band (plus Special Guest). King Georg, 10. und 11.2., jeweils 20 Uhr.
Simon Oslender