Seit dem Sommersemester begeben sich das Spitzenensemble Musikfabrik und das Institut für Neue Musik der Hochschule für Musik und Tanz Köln gemeinsam auf Abenteuerreise. Die Kooperation „Adventure“ gibt Kompositionsstudierenden Gelegenheit, ihre Partituren mit den Profis einzustudieren, zu korrigieren und aufzuführen. Dank Förderung durch das NRW-Kulturministerium stehen bis einschließlich 2023 jährlich 20 Projekttage mit allen 16 Ensemblemusikern zur Verfügung. Nach dem Auftakt im Juni war jetzt das dritte Konzert von „Adventure“ zu erleben. Uraufgeführt wurden im Konzertsaal der Hochschule sechs Stücke von Studierenden aus den Kompositionsklassen von Michael Beil, Brigitta Muntendorf und Miroslav Srnka. Zu Beginn ließ Chin-Hsien Chung die Musiker erst einmal durch Schnick-Schnack-Schnuck ermittelten, wer in ihrem „Which?“ als erster sein Solo spielen und dann nachfolgen darf. Während die Partien dieses Quartetts mehr nebeneinander plätscherten, entwickelte Simon Al-Odeh sein „Anhiraf“ aus einer systematisch abgewandelten Flötenmelodie, die auch durch Kontrabass, Keyboard und Schlagzeug wandert. Endlich erklingen immer mehr Trommeltöne auch ohne Zutun der Schlagzeugerin wie von Geisterhand aus Lautsprechern. In Matías Cassanos „Mercator Projection“ spielt der Pianist auf Klavier und Keyboard minimal verschiedene Tonhöhen. Der mikrotonale Spaltpilz treibt im restlichen Ensemble weitere Blüten: farbliche, rhythmische, endlich auch räumliche Schwankungen im Saal, was vermutlich den Zusatztitel motivierte: „Betrunkener Affe mit Messer vor Spiegel“. Für Dmitry Remezovs „Expiration in respirator“ zogen die Musiker Gasmasken über. Die Bläser konnten ihre Instrumente daher nur durch Luftpumpen und Schläuche bedienen. Am Ende verließen alle Musiker die kontaminierte Zone, während Klangsurrogate aus Lautsprechern tönten. Den Schlusspunkt setzte Mazyar Kashians „Botanisieren“ mit diversen Effektgeräten, einschließlich Bohrmaschine, erweiterten Spiel- und Klangpraktiken sowie bunten Splittern traditioneller Melodien, Kantilenen, Rhythmen, Marschgesten. Die jungen Komponisten aus unterschiedlichen Teilen der Welt sind begeistert von der Gelegenheit, die eigenen Werke von der Musikfabrik gewissenhaft erarbeitet und brillant aufgeführt zu erleben – und der gute Ruf der Kölner Musikhochschule, eine Brutstätte zeitgenössischer Musik zu sein, erhält durch „Adventure“ neuen Glanz.
Durch Gasmaske geblasen
2 min