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Insolvenz, kein Sender, PolitikDiese Länder dürfen beim Eurovision Song Contest 2023 nicht teilnehmen

Lesezeit 9 Minuten
Sergey Lazarev und die russische Delegation freut sich beim ESC 2019. Sie schwenken Fahnen.

Sergey Lazarev (m) aus Russland hätte den ESC zweimal fast gewonnen. Hier freut er sich über Punkte bei seiner zweiten Teilnahme 2019.

Krieg, knappe Kassen oder Regelverstöße: Die Absagen beim ESC 2023 haben viele Gründe. Wir haben eine Liste.

Das Teilnehmerfeld beim Eurovision Song Contest (ESC) 2023 ist kleiner als in den Jahren zuvor. Hatten 2022 noch 40, 2021 39 und 2019 gar 41 Länder zugesagt, sind es in diesem Jahr nur noch 37. Im Vorfeld hatte es einige Absagen gegeben. Auch von Ländern, die entweder seit Jahren pausieren, oder endlich einmal teilnehmen wollen. Wir haben eine Übersicht über alle Absagen und die Verhandlungen mit Langzeitabwesenden wie Türkei, Ungarn oder Luxemburg.

Andorra

Am 26. Mai 2022 teilte RTVA mit, dass es unwahrscheinlich sei, dass Andorra in naher Zukunft am Eurovision Song Contest teilnehmen werde. Der Sender gab an, dass der Wettbewerb nicht in seine Pläne passe. Am 29. Mai 2022 bestätigte RTVA schließlich, dass es 2023 nicht zum Eurovision Song Contest zurückkehren werde.

Letzte Teilnahme: 2009

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Besonderheit: Bei 6 Halbfinalteilnahmen konnte nie das Finale erreicht werden.


Belarus

Am 28. Mai 2021 hat die EBU beschlossen, die Mitgliedschaft des belarussischen Staatssenders BTRC aufgrund der politischen Lage im Land auszusetzen. Die EBU-Mitgliedschaft ist jedoch Voraussetzung für die Teilnahme am Eurovision Song Contest. Die EBU räumte BTRC das Recht ein, bis zum 10. Juni 2021 gegen die Entscheidung Berufung einzulegen. BTRC hat jedoch bis zum Ablauf der Frist keinen Einspruch eingelegt. Am 1. Juli 2021 wurde die Mitgliedschaft von Belarus in der EBU offiziell beendet, was bedeutet, dass eine Teilnahme von Belarus am Eurovision Song Contest ausgeschlossen ist.

Letzte Teilnahme: 2019

Besonderheit: 2021 wurde ein Lied eingereicht, dessen Text jedoch gegen die EBU-Regeln verstieß. Ein zweites Lied wurde ebenfalls abgelehnt.


Bosnien und Herzegowina

Am 24. März 2022 kündigte der bosnische Fernsehsender BHRT seine bevorstehende Insolvenz an. Seit Dezember 2016 ist der Sender wegen unbezahlter Schulden bei der EBU von allen Ausschreibungen ausgeschlossen. Am 14. Oktober 2022 bestätigte BHRT, dass er 2023 nicht am Wettbewerb teilnehmen werde.

Letzte Teilnahme: 2016

Besonderheit: Bei der letzten Teilnahme scheiterte das Land erstmals im Halbfinale.


Bulgarien

Die Umstände in Bulgarien sind verwirrend: Am 13. Oktober 2022 berichtete „EurovisionFun“, dass Bulgarien aus finanziellen Gründen und aufgrund der unsicheren politischen Lage im Land nicht am ESC 2023 teilnehmen werde. Einen Tag später teilte der ESC-Fanclub „OGAE Greece“ auf Twitter eine Direktnachricht des TV-Senders BNT, in der es hieß, dass sich Bulgarien vom ESC 2023 zurückziehe und möglicherweise auch in Zukunft nicht am Wettbewerb teilnehmen werde. Diese Nachricht wurde jedoch kurz darauf vom Sender dementiert, da es keine offizielle Stellungnahme oder Information dazu gäbe. Der Twitter-Account des Senders BNT ist inzwischen inaktiv. Letztendlich wurde Bulgarien nicht als Teilnehmer für den ESC 2023 nominiert und wird somit nicht am Wettbewerb teilnehmen.

Letzte Teilnahme: 2022

Besonderheit: Auch Bulgarien scheiterte bei seiner letzten Teilnahme im Halbfinale. 2020 und 2021 zählte die Sängerin Wiktoria zu den Favoriten. 2020 wurde wegen Corona abgesagt, 2021 landete die Sängerin im Mittelfeld.


Kasachstan

Im Oktober 2022 erklärte der Fernsehproduzent Zhan Mukanov, dass die kasachische Rundfunkanstalt Khabar mit der EBU über eine mögliche Teilnahme am ESC 2023 verhandle und dass es „Chancen gebe, nächstes Jahr am Eurovision Song Contest für Erwachsene teilzunehmen“ und dass die Teilnahme des Landes am Junior Eurovision Song Contest 2022 einen „signifikanten Einfluss“ auf die Chancen für ein Debüt haben werde. Das Land wurde jedoch nicht in die endgültige Teilnehmerliste aufgenommen.

Besonderheit: Das Land hat bisher trotz Teilnahmeberechtigung noch nicht am ESC teilgenommen, nimmt aber regelmäßig am Junior Eurovision Song Contest teil und überträgt den ESC seit 2010 (bis 2022) jeweils live im staatlichen Fernsehsender Khabar.


Kosovo

Am 16. Mai 2022 kündigte der Generaldirektor von Radio Televizioni i Kosovës (RTK), der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt des Kosovo, an, dass der Sender bis Ende des Jahres die Vollmitgliedschaft in der EBU anstrebe. Im Falle einer erfolgreichen Bewerbung hätte der Sender auch eine direkte Teilnahme am ESC angestrebt. Der Generaldirektor wies jedoch darauf hin, dass noch einige Hürden zu überwinden seien, da der Kosovo immer noch nicht Mitglied der Internationalen Fernmeldeunion ist, was eine Voraussetzung für die EBU-Mitgliedschaft ist. Daher sei eine Teilnahme am ESC für RTK in naher Zukunft ausgeschlossen.


Liechtenstein

Sandra Woldt, Geschäftsführerin des einzigen Fernsehsenders Liechtensteins, 1 FL TV, hat am 9. August 2022 bekannt gegeben, dass das Unternehmen keine weiteren Anstrengungen mehr unternehmen wird, um Mitglied der EBU zu werden. Stattdessen werde man sich auf die Berichterstattung im eigenen Land konzentrieren. Dies bedeutet, dass eine Teilnahme am Eurovision Song Contest für das Unternehmen ausgeschlossen ist.

Besonderheit: Liechtenstein ist neben dem Vatikan der einzige unumstritten unabhängige europäische Staat, der noch nie am Eurovision Song Contest teilgenommen hat.


Luxemburg

Seit vielen Jahren gibt es Gerüchte über eine Rückkehr des Großherzogtums, das seit drei Jahrzehnten nicht mehr dabei ist. Am 2. August 2022 gab der luxemburgische Fernsehsender RTL bekannt, dass er derzeit keine Pläne habe, am Wettbewerb teilzunehmen. Der Sender begründete dies damit, dass die Teilnahme mit hohen Kosten verbunden sei und der Song Contest als Unterhaltungssendung nicht in das Konzept des Senders passe, der sich auf Informationssendungen konzentriere.

Letzte Teilnahme: 1993

Besonderheit: Luxemburg ist mit fünf Siegen, darunter France Gall (1965) und Vicky Leandros (1972), eines der erfolgreichsten Länder beim ESC.


Monaco

Für 2021 hat die Regierung des Fürstentums Monaco die Gründung einer neuen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt mit dem Namen Monte-Carlo Riviera angekündigt. Es wurde spekuliert, dass dieser Sender der EBU beitreten und am Eurovision Song Contest teilnehmen könnte. Im Staatshaushalt 2022 wurden 100.000 € für die Kandidatur Monacos für den Eurovision Song Contest 2023 bestätigt. Der Start des neuen Senders im April 2022 wurde jedoch um ein Jahr auf Sommer 2023 verschoben, sodass Monaco frühestens 2024 erneut am ESC teilnehmen kann. Der ehemalige monegassische Sender TMC, der nun Teil des französischen Privatsenders TF1 ist, ist zum Jahreswechsel 2022 aus der EBU ausgetreten, sodass kein Fernsehsender aus Monaco mehr Mitglied ist. Eine Teilnahme am ESC 2023 ist somit ausgeschlossen.

Letzte Teilnahme: 2006

Besonderheit: Monaco gewann den ESC 1971. 2004 nahm nach 24 Teilnahmen erstmals eine Sängerin mit monegassischem Pass teil. Zuvor wurden meist Künstler aus Frankreich ausgeliehen.


Montenegro

Am 30. Mai 2022 gab der montenegrinische Sender RTCG bekannt, dass er nicht am Junior Eurovision Song Contest 2022 teilnehmen wird. Stattdessen konzentrierte sich RTCG auf den Eurovision Song Contest, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch keine offizielle Bestätigung für eine Teilnahme am ESC 2023 vorlag. Am 13. Oktober 2022 berichtete „EurovisionFun“, dass Montenegro aufgrund finanzieller Schwierigkeiten nicht am ESC 2023 teilnehmen werde. Die RTCG bestätigte die Absage am selben Tag und begründete dies mit finanziellen Schwierigkeiten und mangelndem Sponsoreninteresse.

Letzte Teilnahme: 2022

Besonderheit: Montenegro hat zwölfmal versucht, beim ESC erfolgreich zu sein, aber nur zweimal das Finale erreicht. Mehr als ein 13. Platz war bisher nicht drin.

Nordmazedonien

Am 10. Mai 2022 kündigte der nordmazedonische Sender MRT an, sich möglicherweise vom Eurovision Song Contest 2023 zurückzuziehen. Als Grund wurde der Vorfall beim letzten Wettbewerb genannt, bei dem die Teilnehmerin Andrea die nordmazedonische Flagge „unter Missachtung des Respekts vor den Symbolen der staatlichen Repräsentation“ zur Seite geworfen hatte, was strafbar ist. Am 5. Juli 2022 übergab die Delegationsleiterin Meri Popova der Leitung des Senders einen Bericht mit Vorschlägen zur Verbesserung der Platzierung im Wettbewerb. Außerdem forderte sie eine Aufklärung des Vorfalls bei der Eröffnungsfeier 2022 sowie mehr Personal und Geld für die Delegation.

Im September 2022 gab MRT die Verteilung des Senderbudgets für 2023 bekannt. Der Eurovision Song Contest 2023 wurde darin nicht erwähnt, jedoch wurde ein Budget für den Junior Eurovision Song Contest 2023 vorgesehen. Am 14. Oktober 2022 bestätigte MRT, dass sie aufgrund der Wirtschafts- und Energiekrise und der hohen Kosten nicht am ESC 2023 teilnehmen werden.

Letzte Teilnahme: 2022

Besonderheit: Nordmazedonien scheiterte zuletzt zweimal in Folge im Halbfinale. 2019 erhielt das Land im Finale unerwartet die meisten Punkte von den Jurys, aber nur wenige Punkte vom Publikum.


Russland

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 forderte der ukrainische Sender „UA:Suspilne mowlennja“ die EBU auf, die staatlichen russischen Fernsehsender aus der EBU auszuschließen, da sie die Werte der Organisation verletzten und die Pressefreiheit nicht garantieren könnten. Die Antwort der EBU war zunächst, dass Russland nicht suspendiert werde und weiterhin als ESC-Teilnehmer willkommen sei. Diese Entscheidung stieß auf Kritik. Schließlich wurde nach Rücksprache mit anderen EBU-Mitgliedern der Ausschluss Russlands vom Wettbewerb 2022 bekannt gegeben.

Die EBU erklärte, dass die Teilnahme Russlands den Wettbewerb zum jetzigen Zeitpunkt in Verruf bringen würde. Als Reaktion auf den Ausschluss vom Eurovision Song Contest 2022 erklärte Russland im Februar 2022 seinen Austritt aus der EBU. Die EBU wartete auf eine formelle, schriftliche Austrittserklärung. Am 26. Mai suspendierte die EBU alle russischen Mitglieder bis auf Weiteres. Eine Teilnahme ist damit ausgeschlossen.

Letzte Teilnahme: 2021

Besonderheit: Die letzte Teilnehmerin Manizha erreichte mit dem feministischen Lied „Russian Woman“ einen 9. Platz, setzt sich für queere Rechte ein und sprach sich 2022 gegen den Angriffskrieg aus.


Slowakei

Am 10. Juni 2022 teilte der slowakische Fernsehsender RTVS dem Online-Magazin „ESCToday“ fälschlicherweise mit, dass die Slowakei nicht am ESC 2023 teilnehmen werde. Als Gründe wurden finanzielle Engpässe des Senders und die geringen Einschaltquoten des ESC genannt. Am 12. Juni 2022 gab der Sender jedoch bekannt, dass aufgrund der Wahl des Generaldirektors frühestens im August über eine Teilnahme am ESC 2023 entschieden werde. Letztendlich wurde die Slowakei nicht in die Teilnehmerliste für 2023 aufgenommen, was bedeutet, dass das Land nicht am Wettbewerb teilnehmen wird.

Letzte Teilnahme: 2012

Besonderheit: Zuletzt stand die Slowakei 1998 im ESC-Finale, danach scheiterte sie ausnahmslos im Halbfinale.


Türkei

2013 zog sich die Türkei vom Eurovision Song Contest zurück, was einen großen Verlust für den Wettbewerb bedeutete. Als konkreter Grund wurde das Abstimmungsverfahren sowie die Big-Five-Regel kritisiert. Alle Bemühungen, die Türkei umzustimmen, sind bisher gescheitert. Hohe Wellen schlug 2018 eine Äußerung des Chefs des Staatssenders TRT, der die regelmäßigen Absagen der Türkei auf Auftritte wie den von Conchita Wurst zurückführte. Eine bärtige Drag Queen sei vor allem türkischen Kindern nicht zuzumuten.

Letzte Teilnahme: 2012

Besonderheit: Sertab Erener, die einzige türkische Gewinnerin von 2003, sprach sich in einem Interview 2020 für eine baldige Rückkehr der Türkei zum Wettbewerb aus.

Ungarn

Es ist nicht bekannt, ob es Verhandlungen mit Ungarn für den ESC 2023 gegeben hat. Der ungarische öffentlich-rechtliche Rundfunk MTVA hatte noch 2019 erklärt, für den später abgesagten ESC 2020 lieber heimische Musik unterstützen zu wollen und seine Teilnahme abgesagt. Laut dem ungarischen Nachrichtenmagazin „index.hu“ soll die Entscheidung aber mit der LGBT-freundlichen Haltung des ESC zusammenhängen. Die ESC-Subdomain des TV-Senders MTVA wurde inzwischen abgeschaltet.

Letzte Teilnahme: 2019

Besonderheit: Auch Ungarn schied bei seiner letzten Teilnahme bereits im Halbfinale aus.

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