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Feine Unterschiede für den Kopfhörer

3 min

Mittlerweile sollte es sich herumgesprochen haben: Was die Kölner Jazz-Szene zu bieten hat, sucht seinesgleichen, und das nicht nur regional, nicht einmal nur national. Ein stetig wachsendes, entdeckungsfreudiges und aufgeschlossenes Publikum würdigt die Konzerte der zahlreich in der Stadt lebenden und arbeitenden Musikerinnen und Musiker, wobei nicht nur die „alten Hasen“ die etablierten Spielstätten oder auch die diversen Stadtteil-Kneipen mit bestens kuratierten Jazz-Angeboten besuchen.

Alle Stilrichtungen und Experimente finden Anklang, selbst risikoreiche Spielarten zwischen freier Improvisation und komplexen Klangarrangements. Viel hat dies mit der besonderen Liveatmosphäre zu tun, während sich mancher mit der „guten alten“ Jazz-CD inzwischen schwertut. Dabei ist die CD zumindest in diesem Bereich längst noch kein Auslaufmodell, vielmehr im Idealfall die perfekte Ergänzung zum Konzert-Erlebnis. Aufbereitet in bester Tonqualität, weiten sich dank eines Silberlings die Klangräume, lassen sich filigrane Studio-Sessions oder dicht kondensierte Live-Auftritte noch sinnlicher und nachhaltiger erleben.

In den letzten Jahren etablierten sich in Köln gleich mehrere ambitionierte CD-Labels. Wobei man kaum von einem „Markt“ sprechen kann, eher schon von der altruistischen Passion, der Jazz-Landschaft eine angemessene Plattform und akustische Visitenkarte zu geben. Teils entstanden die CD-Labels aus der Initiative von Musikerkollektiven wie Klaeng und Impakt, teils aus dem Engagement einzelner Musiker wie Florian Ross (Toy Piano Records), Johannes Ludwig (Float Music), Clemens Orth (CTO) oder Janning Trumann (Tangible Music), um nur einige wenige namentlich zu nennen. Immer wieder neu finden sich begeisternde Preziosen und führen vor Ohren, dass der Jazz noch sehr viel reicher und substanzieller ist als das, was anerkannte Labels wie ECM, Act oder Enja veröffentlichen.

Herausragend unter den aktuellen Neuerscheinungen ist die CD „Pyjama“ des Kölner Saxofonisten Stefan Karl Schmid, eingespielt in einer ungewöhnlichen Oktett-Besetzung. Inspiriert von der epochalen Langspielplatte „Focus“ von Stan Getz, die der Saxofonist 1961 mit einem Streicher-Ensemble und den Kompositionen von Eddie Sauter aufnahm, fasziniert Schmid mit ähnlich meisterhaften Arrangements und einer Klangsprache voller Nuancen, die man mit allen Sinnen tatsächlich erst unter dem Kopfhörer auskosten kann.

Sich selbst sowie der Rhythmusgruppe aus David Helm (Bass) und Thomas Sauberborn (Schlagzeug) stellte Schmid ein Blechbläser-Quartett aus zwei Trompeten (Heidi Bayer, Bastian Stein) und zwei Posaunen (Shannon Barnett, Mattis Cederberg) gegenüber, das perlmuttartig schillernde Harmoniefarben produziert, die der Pianist Pablo Held virtuos zu einem geschlossenen Kunstwerk verfugt. So funktioniert „Pyjama“ wie ein charismatischer Hörfilm mit versierten Solistinnen und Solisten, getragen vor allem aber von seiner intensiven Erzählkraft. Ganz nebenbei spürt man immer auch, dass so etwas nicht aus dem Nichts entsteht, sondern auch aus der tiefen Einsicht in historisch gereifte Jazztraditionen. Stefan Karl Schmid: „Pyjama“, Tangible Music