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Forum Alte Musik KölnHackbrett-Konzert mit zu wenig Biss

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Musikerinnen und Musiker sitzen neben- und voreinander auf einer Treppe.

Das Alte-Musik-Ensemble „Nuovo Aspetto“ in der Kölner Philharmonie.

Das alte Instrument erlebte im WDR-Funkhaus eine Wiederauferstehung. Zu hören bekamen die Besucherinnen und Besucher jedoch zumeist musikalische Harmlosigkeiten.

Der Begriff gemahnt an Küchenarbeit, an Zwiebel- und Speckwürfelschneiden. Er hat aber auch eine andere, weniger prosaische Bedeutung: Das Hackbrett – italienisch: Salterio – ist eine Kastenzither, deren Metallsaiten gezupft oder mit Schlegeln angespielt werden. Besser wohl: wurden, denn es handelt sich um ein verschollenes Instrument der Musikgeschichte. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts war es sehr beliebt, kam dann aber aufgrund einer gewandelten Klangästhetik außer Kurs (ähnlich wie später die Glasharmonika, die am Ende des Jahrhunderts ihre empfindsame Blütezeit erlebte, dann aber ebenfalls unterging).

Im letzten Saisonkonzert der Forum-Alte-Musik-Reihe im großen WDR-Sendesaal erlebte das Hackbrett – genau gesagt: es waren gleich zwei Hackbretter – eine bemerkenswerte Wiederauferstehung: Elisabeth Seitz und Lisa Schöttl spielten, begleitet vom Ensemble „Nuovo Aspetto“, eine ganze Reihe originaler Kompositionen für ihr Instrument aus der Zeit zwischen italienischem Spätbarock und Wiener Vorklassik. Dabei wirkten die Salterii mal solistisch, mal fungierten sie aber auch als Generalbassverstärkung neben Harfe, Theorbe und Cembalo. Sie geben einen teils ätherischen, teils quirlig-„klöppeligen“ Sound von sich, der schwer zu beschreiben ist – man muss ihn einfach gehört haben.

Barock-Sopranistin Dorothee Mields beeindruckte

Zweifellos ein interessantes Klangerlebnis über anderthalb Stunden hinweg in einer kleinteiligen Parade von Stücken, deren Komponisten selbst den Namen nach nur ausnahmsweise bekannt waren. Das leider nicht ohne Grund: Zu hören waren musikalische Harmlosigkeiten aus der Güteklasse 2b oder 3b, die gelegentlich sogar zu einem befriedeten Sonntagsnachmittagsschläfchen animieren mochten. „Nuovo Aspetto“ spielte keineswegs schlecht, aber es fehlte doch ein wenig an Biss, Drive und Temperament. Das hatte seinen Grund sicher auch darin, dass man, um die zarten Hackbretter akustisch nicht ins Abseits zu stellen, in der eigenen Performance nicht allzu sehr auftrumpfen durfte. Und es lag wohl eben auch an der Agenda. Indes: Das Pariser Originalklang-Ensemble „Le Consort“ hatte soeben in der Philharmonie vorgemacht, wie man selbst mit italienischem Klingelbarock eine magisch-auratische Wirkung erzielen kann.

Herausreißen musste es letztlich die Vokalsolistin des Konzerts, die illustre Barock-Sopranistin Dorothee Mields. Und sie tat es auch – in mehreren italienischen Arien und teils im Dialog mit den Hackbrettern. Ihre Stimme berückt nach wie vor durch ihre Reinheit und Strahlkraft, Beweglichkeit und Höhenschönheit, ist schlank und raumfüllend zugleich. All das verbindet sich mit einer großen expressiven Farbigkeit und Vielgestalt. Da fiel dem Zuhörer das Nachmittagsschläfchen dann doch schwer.