Die 90er Jahre waren das Jahrzehnt von Joel Schumacher. Da drehte er Filme mit den größten Filmstars Hollywoods und besetzte sie dabei ganz bewusst gegen ihr Image. Michael Douglas mutierte 1993 in „Falling Down“ zum Durchschnittsbürger im kurzärmeligem Hemd, dem im morgendlichen Stau die Sicherungen durchbrennen. Julia Roberts avancierte in „Die Jury“ zur Südstaaten-Sexbombe, ebenso Susan Sarandon zwei Jahre zuvor in „Der Klient“. Val Kilmer wurde zu Batman, ebenso George Clooney, und Jim Carrey war ein superber Schurke als Riddler, während Arnold Schwarzenegger in bizarrer Kostümierung seine Anwesenheit mit den Worten eröffnete: „The Iceman Cometh.“
Kleine intellektuelle Verweise und Verdrehtheiten waren eine Vorliebe von Joel Schumacher, für die er sich aber zuerst fleißig hocharbeiten musste, bevor er sie sich leisten durfte. In den 60er Jahren war der studierte Kunstakademiker noch als Modeschöpfer unterwegs gewesen. In den 70ern ging er als Kostümbildner zum Film, wo er für Woody Allens Zukunftssatire „Der Schläfer“ das Robotdesign mit Brille und Reagenzrohrhelm entwarf. 1976 schrieb er mit „Car Wash“ das Drehbuch zur ersten Komödie mit schwarzer Besetzung, die auch auf dem weißen Markt erfolgreich war. 1981 durfte er dann seinen ersten eigenen Kinofilm drehen, „Die unglaubliche Geschichte der Mrs. K.“. Das feminine Gegenstück zu Jack Arnolds Klassiker „The Incredibly Shrinking Man“ kostete wenig und spielte genug Dollars ein, dass Schumacher weitere Angebote bekam. Darunter befanden sich mit „St. Elmo’s Fire“ und „Lost Boys“ zwei Filme für den Jugendmarkt mit jeweils beachtlichem Newcomer-Aufgebot. Schumacher boostete die Karrieren von Demi Moore, Andrew McCarthy, Ally Sheedy, Judd Nelson, Jason Patric, Kiefer Sutherland und Corey Haim, später auch von Colin Farrell und Emma Roberts.
Schumacher erwies sich nicht nur als profitabler Filmemacher, weil er wirtschaftlich arbeitete, er bewährte sich auch zusehends als hervorragender Schauspielerregisseur – und nicht zuletzt als geschickter Provokateur. Sorgte schon der Amoklauf des Spießers in „Falling Down“ für Gesprächsstoff, so wurde das Batman-Kostüm in „Batman Forever“ ebenso als Akt schamloser Blasphemie gegeißelt wie die sanft homoerotischen Aspekte zwischen George Clooney und Chris O’Donnell in „Batman & Robin“. Seine besten Regieleistungen gelangen mit Colin Farrell im Soldatendrama „Tigerland“ und im Thriller „Nicht auflegen“, wo der Star über vier Fünftel der Spielzeit in einer öffentlichen Telefonzelle feststeckt. Der Brutalreißer „8mm“ und die Webber-Verfilmung „Das Phantom der Oper“ waren immerhin technisch hochklassige Stilübungen. Danach trudelte die Karriere aus.

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Am vergangenen Montag erlag der gebürtige New Yorker und bekennende Homosexuelle Schumacher im Alter von 80 Jahren einem Krebsleiden.