Pamplona auf den Spuren von Ernest Hemingway: Sein Roman „Fiesta“ prägt die Stadt bis heute – samt Kontroversen.
Hemingways ewige FiestaWie sein Roman die Stadt Pamplona bis heute prägt

Plaza del Castillo - Hauptplatz von Pamplona: Im «Gran Hotel La Perla» (links im Hintergrund) soll Hemingway übernachtet haben.
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Ernest Hemingways Roman „Fiesta“ machte Pamplona weltberühmt. Fast 100 Jahre nach der Veröffentlichung kann man den Spuren des Autors und seiner Figuren noch immer durch die Stadt folgen – und stößt dabei auf eine bis heute andauernde Kontroverse.
«Wir tranken im Iruña unseren Kaffee, saßen in bequemen Korbstühlen und sahen aus der Kühle unter den Arkaden auf den großen Platz», berichtet der Protagonist Jake Barnes. Die Szene wirkt zeitlos, doch die Zeilen stammen aus dem Roman «Fiesta» von Ernest Hemingway (1899-1961), der 1926 veröffentlicht wurde. Bei dem großen Platz handelt es sich um die Plaza del Castillo in Pamplona in Nordspanien. Das Café «Iruña» besteht bis heute als das traditionsreichste Kaffeehaus der Stadt fort.
Barnes ist der Ich-Erzähler und zugleich das Alter Ego des Autors, der die «Fiesta» selbst in vollen Zügen genossen hat. Gemeint ist das Volksfest zu Ehren des Schutzpatrons San Fermín, das vom 6. Juli mittags bis zum 14. Juli um Mitternacht stattfindet – ein 204-stündiger, von Alkohol geprägter Partymarathon.
«Man tanzte und trank unentwegt, und der Lärm nahm kein Ende», so die Beschreibung von Barnes, der für Hemingway spricht. Die zuvor genannte Café-Szene findet jedoch statt, bevor die «Fiesta» beginnt. Weltweite Bekanntheit erlangen die Bilder des morgendlichen Stiertreibens. Dabei werden sechs Kampfstiere durch die Gassen der Altstadt bis in die Arena, die Plaza de Toros de Pamplona, getrieben, während Tausende von Mutigen vor den Hörnern flüchten. Es ist ein riskantes Spiel mit dem Leben.
Welterfolg als Spiegel einer Generation
Der Roman «Fiesta», der am 22. Oktober 1926 erschien und im englischen Original den sachlicheren Titel «The sun also rises» trägt, war Hemingways erster internationaler Erfolg. Sein Gesamtwerk, das später auch Titel wie «Wem die Stunde schlägt» und «Der alte Mann und das Meer» umfassen sollte, wurde 1954 mit dem Literaturnobelpreis gewürdigt.
Um die damalige Wirkung von «Fiesta» zu verstehen, muss man den historischen Kontext betrachten. Das Werk fing das Lebensgefühl der „verlorenen Generation“ nach dem Ersten Weltkrieg ein. Die Figuren um den Protagonisten Jake Barnes sind traumatisiert, teils körperlich versehrt und desillusioniert. Während der «Fiesta» suchen sie Betäubung und Ablenkung, aber auch eine Reflexion über das Leben.

Die Kühle in den Arkaden am Hauptplatz beschrieb schon Hemingway.
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Für die damaligen Leser war die Szenerie neu und exotisch: ein pulsierendes spanisches Volksfest, ein Zustand von Rausch und Exzess. Hemingway fasste dies mit journalistischer Genauigkeit zusammen. Sein Stil war betont nüchtern: kurze Sätze, viele Dialoge und der Verzicht auf schmückende Elemente. Er schilderte eine ungeschminkte Wirklichkeit.
In den Sommern der Jahre 1923 bis 1925 hatte er selbst mitgefeiert und dabei alles mit scharfem Blick beobachtet. Dies verleiht «Fiesta» den Wert eines historisch bedeutsamen Dokuments. Aus heutiger Perspektive wirkt die zentrale Handlung um die Charaktere allerdings eher langatmig. Ebenso zieht sich die Verfilmung von 1957 mit dem Titel «Zwischen Madrid und Paris» trotz der Besetzung mit Hollywood-Größen wie Tyrone Power, Ava Gardner und Errol Flynn in die Länge.
Hemingways bleibende Präsenz in Pamplona
Wer «Fiesta» heute als eine Art Reiseführer für Pamplona liest, wird nach wie vor fasziniert sein. Der Autor hat der Stadt damit ein literarisches Denkmal geschaffen. Man kann ihm, beziehungsweise seiner Figur Barnes, an viele Orte folgen: zur Strecke des Stierlaufs, zur Kathedrale («Das erste Mal, als ich sie sah, fand ich die Fassade hässlich, aber jetzt mochte ich sie gern»), zu den Festungsmauern und zum Rathaus, «dessen Balkons mit Fahnen geschmückt waren.»
Daran hat sich bis heute kaum etwas verändert, ebenso wenig wie am Interieur des «Iruña» mit seinen kugelförmigen Leuchtern, Deckenverzierungen und gewaltigen Wandspiegeln. «Unser Café kommt vierzehnmal im Roman vor», hat der Geschäftsführer Juan Busto Corral gezählt. Für sein Lokal benötige er keine Werbung.
Besucher, die das Café aufsuchen, sind mit Hemingways Erzählung vertraut und wissen um die lebensgroße Bronzestatue des Schriftstellers, die in einem Seitenflügel am Tresen platziert ist. «Hemingway hilft uns bei der Rentabilität des Geschäfts», erklärt Busto.

Kommt im Roman vor: das «Café Iruña », wo Hauptfigur Jake Barnes zum Kaffee einkehrte.
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Auch das «Gran Hotel La Perla» befindet sich am Hauptplatz. Hier soll Hemingway im früheren Zimmer 217, das heute die Nummer 201 trägt, übernachtet haben. Eine Büste des Schriftstellers ziert die Rezeption, und als Andenken wird die Nachbildung eines Zimmerschlüssels angeboten.
Das sogenannte «Hemingway-Zimmer» kann zu einem erhöhten Preis reserviert werden. Zwei Balkone auf der Rückseite bieten einen Blick auf die Gasse des Stierlaufs. Obwohl die Einrichtung bewusst antiquarisch gestaltet ist, haben moderne Annehmlichkeiten Einzug gehalten. Ein Flachbildfernseher ist an der Wand montiert und eine große Badewanne lädt zum Entspannen ein. In Vitrinen neben den Betten sind Ausgaben von «Fiesta» in diversen Sprachen ausgestellt.
Stierkampf: Zwischen Tradition und anhaltender Kritik
Gedenktafeln, die bei einem Rundgang durch die Stadt zu finden sind, bezeugen weitere Stationen von Hemingways insgesamt neun «Fiesta»-Besuchen. Er besuchte die inzwischen geschlossenen Restaurants «Casa Marceliano» (hinter dem Markt) und «Las Pocholas» (an der Promenade Sarasate), begegnete Stierkämpfern im «Hotel Yoldi» und konsumierte Weinbrand in der «Bar Txoko» am Hauptplatz.
Etwas entfernt, vor der Arena, wird er mit einem Denkmal geehrt. Sein letzter Besuch in Pamplona fand 1959 statt, zwei Jahre vor seinem Suizid.
Die laute Musik der Kapellen, das dichte Gedränge, die Verletzten beim Stiertreiben und der Kater am nächsten Morgen – viele Beschreibungen aus «Fiesta» könnten problemlos aus der Gegenwart stammen. Auch der von Hemingway geschätzte Stierkampf hat die Zeit überdauert. Er ist nach wie vor ein fester Bestandteil von San Fermín, sieht sich aber auch in Spanien selbst mit deutlicher Kritik konfrontiert.

Als Figur allgegenwärtig: Hemingway-Bronze am Tresen des «Café Iruña».
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Yolanda Morales, die Sprecherin der spanischen Tierschutzpartei Pacma, bezieht dazu eine klare Position: «Wir leugnen nicht, dass Stierkämpfe Teil der Geschichte Spaniens sind, aber man darf sie nicht als Kultur verkaufen. Stierkämpfe sind makaber, grausam und überflüssig. Und jedes Stiertreiben mit den Schreien der Leute und der Enge der Gassen bedeutet für die Tiere einen unglaublichen Stress.»
Nahe dem Stadttheater stellt ein Bronze-Ensemble, das Monumento al Encierro, die Jagd der Stiere in ihrer ganzen Dynamik dar. Es zeigt muskulöse Tiere, einige davon im Sprung, mächtige Hörner und gestürzte Läufer. Nicht dargestellt sind lediglich die Helfer des Roten Kreuzes, die entlang der 850 Meter langen Route auf Einsätze vorbereitet sind.
Links, Tipps, Praktisches:
Reiseziel: Pamplona ist die Hauptstadt der nordspanischen Region Navarra.
Anreise: Eine Zugverbindung führt über Hendaye in Frankreich nach San Sebastián, von wo aus man mit dem Bus nach Pamplona weiterreist. Eine schnellere Alternative ist ein Flug nach Bilbao, von wo aus die verbleibenden 160 Kilometer per Mietwagen oder Bus zurückgelegt werden können. Pamplona verfügt zudem über einen eigenen kleinen Flughafen, der über Madrid erreichbar ist. Die Anfahrt mit dem Pkw, beispielsweise von München, umfasst eine Strecke von 1.600 Kilometern und eine reine Fahrzeit von etwa 16 bis 17 Stunden.
Die «Fiesta»: Während des San-Fermín-Festes vom 6. bis 14. Juli herrscht in Pamplona ein Ausnahmezustand (Informationen unter www.sanfermin.com/en). In diesem Zeitraum ist mit einer Verdreifachung der Übernachtungspreise zu rechnen.
Weitere Infos: Zusätzliche Details sind auf der Webseite www.visitnavarra.es verfügbar. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
