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Interview mit Albert Lau„Die Stimmung verschiebt sich nach rechts“

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Albert Lau (1)

Albert Lau

Herr Lau, wie kam es zu Ihrem Engagement für die Aktion „Rote Karte gegen Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus“ der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit?

Albert Lau: Ich habe einen Artikel über die Spendenaktion der Gesellschaft gelesen, und ich war sofort davon begeistert – auch von der Wichtigkeit der Kölnischen Gesellschaft an sich. Deshalb möchte ich etwas aus meiner Disziplin dazu beitragen. Zudem war ich Anfang November des vergangenen Jahres zum ersten Mal in Israel, wo ich in Tel Aviv ein Hauskonzert gab, und ich war sehr fasziniert von dem Land und seiner Geschichte.

Herr Meier, es handelt sich bei „Rote Karte“ um eine Aktion, die bereits länger läuft und in Kooperation mit der Bethe-Stiftung organisiert wird.

Marcus Meier: So ist es. Die Spendenaktion versucht, die Zivilgesellschaft mit einzubeziehen – so ist Herrn Laus Engagement ein Paradebeispiel dafür, dass sich Menschen finden, die unseren Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus unterstützen.

Welche anderen Veranstaltungen gab und gibt es in diesem Zusammenhang?

Meier: Nur einen Tag nach dem Konzert bieten wir eine Veranstaltung zum Thema Fußball und Rassismus an, da geht es schwerpunktmäßig um den Fall Özil. Das Besondere an dem Thema „Rote Karte“ ist, dass wir Rassismus und Antisemitismus gemeinsam in den Blick nehmen – es gibt Unterschiede zwischen beiden Phänomenen, aber auch gewichtige Überschneidungen. Darüber wollen wir vornehmlich mit jungen Erwachsenen in Austausch treten.

Zur Person und zum Benefizkonzert in Köln

Albert Lau wurde in Hongkong geboren und tritt international als Pianist auf. 2018 wurde er zum Young Steinway Artist ernannt. Er lebt in Köln. Marcus Meier ist Geschäftsführer der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

Im Rahmen des Projekts „Rote Karte gegen Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus“ der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit – das von der Bethe-Stiftung unterstützt wird – finden seit 2013 Seminare, Workshops, Tagungen und andere Veranstaltungen statt. Zurzeit läuft eine Aktion, bei der die Stifter Roswitha und Erich Bethe eingehende Spenden verdoppeln.

Albert Laus Konzert zugunsten der Verdopplungsaktion findet am 28. Januar um 19.30 Uhr in der Kölner Basilika St. Ursula statt. Eintritt 15 Euro. (ksta)

Sie, Herr Lau, haben sich davon angesprochen gefühlt. Haben Sie den Eindruck, dass Rassismus und Antisemitismus auch in Deutschland wieder zugenommen haben?

Lau: Diesen Eindruck habe ich gerade auch durch die Israelreise gewonnen. Wir hatten eine Diskussion, während der eine jüdische Freundin berichtete, dass sie mittlerweile Angst hat, in Deutschland zu leben. Das hat mich sehr betroffen gemacht, denn ich selbst lebe hier seit drei Jahren und bin sehr offen empfangen worden. Dafür bin ich dankbar. Umso erschreckender fand ich, was die Freundin sagte. Ich finde äußerst wichtig, dass jeder Bürger Deutschlands sofort reagiert, wenn er Antisemitismus oder Rassismus wahrnimmt.

Es gibt also eine Art schweigender Mehrheit?

Lau: Das ist leider so. Man kann geradezu spüren, wie sich die politische Stimmung nach rechts verschiebt – ein Beispiel ist der Anschlag auf die Synagoge in Halle.

Haben Sie eine Erklärung dafür?

Lau: Es gibt sicher verschiedene Gründe, einer sind die sozialen Medien. Dort werden Nutzer verleitet, Fotos oder Nachrichten mit einem Fingertipp weiterzuleiten, die gefährlich sind, über die man aber nicht weiter nachdenkt.

Wie stellt sich das aus Ihrer Perspektive dar, Herr Meier?

Meier: Soziale Medien spielen eine wichtige Rolle, denn die Anonymität dieser Medien lädt dazu ein, sich gehen zu lassen – es hat eine Verrohung stattgefunden. Gerade beim Antisemitismus erleben wir eine Enthemmung, die vor wenigen Jahren so noch nicht möglich gewesen wäre. Bis vor kurzem wurde klarer Antisemitismus ebenso klar sanktioniert, doch diese Hürden sind deutlich geringer geworden.

Politisch ist aber auch eine massive Zunahme des Populismus zu verzeichnen, durch eine Partei wie die AfD beispielsweise.

Meier: Die AfD spielt aus meiner Sicht eine wichtige Rolle, das lässt sich nachweisen, auch wenn die Partei dies oft dementiert.Sie sprechen sich gegen Rassismus und Antisemitismus zugleich aus.

Das sind zwei durchaus unterschiedliche Dinge.

Meier: Der Antisemitismus operiert häufig mit Verschwörungstheorien, dort wird ein übermächtiger Gegner konstruiert. Beim Rassismus geht es darum, auf Menschen und ganze Gruppen herabzusehen. Beim Antisemitismus spielt hierzulande natürlich die Vergangenheit eine große Rolle, weshalb es oft um Schuldabwehr geht. Das spielt in den Reden von Björn Höcke eine gewichtige Rolle.

Herr Lau, Sie wurden in Hongkong geboren, Sie haben eine andere Perspektive auf Deutschland – wie beurteilen Sie den Umgang der Deutschen mit ihrer Vergangenheit?

Lau: Ich bin sehr beeindruckt, denn es gibt in jeder Stadt Museen, Ausstellungen und andere Mittel, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Das gilt auch für Stiftungen und Ausbildungsmöglichkeiten. Das ist großartig. Ja, ich wurde in Hongkong geboren, und gerade jetzt erleben wir eine Zeit, die schwierig ist. Man wird sich sehr darüber bewusst, welchen Wert Freiheit darstellt.

Ist die Musik für Sie eine Art Universalsprache, die Menschen zusammenbringt?

Lau: Ich glaube fest an diese universelle Sprache. Schon während meiner Ausbildung in London und in den USA hatte ich durch sie immer Freunde aus der ganzen Welt. Es spielt keine Rolle, ob man aus Europa, aus Asien oder Südamerika kommt – Musik wird überall verstanden. Ich glaube, dass die Musik die Menschen verbindet.

Haben Sie das Programm hinsichtlich des Anlasses speziell ausgewählt?

Lau: Ja, zufälligerweise habe ich im vergangenen Jahr eine CD mit Werken von Clara Schumann und Fanny Hensel, der älteren Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy, aufgenommen – eine Christin die eine, eine Jüdin die andere. Die Verbindung aus dieser Zeit ist das ideale Beispiel für deutsch-christlich-jüdische Geschichte. Alle Künstler kannten sich durch die Sonntagskonzerte bei der Familie Mendelssohn.

Das Gespräch führte Frank Olbert