- Der Posaunist Janning Trumann gehört zu den Aktivposten der Kölner Jazz-Szene.
- Im Interview lobt er das Engagement in der Stadt, fordert aber eine bessere finanzielle Unterstützung.
- Während der Deutschlandfunk laut Trumann für den Jazz Gold wert ist, könnte der WDR deutlich mehr tun.
Köln – Herr Trumann, in Köln begegnen sich junge musikalisch Gleichgesinnte mit beeindruckender Kompetenz, sie arbeiten gemeinschaftlich und kooperativ und in Netzwerken.
Es ist eine besondere Qualität, dass man hier so gut miteinander arbeiten kann. Das ist auch ein Verdienst der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Wenn ich an Tamara Lukasheva, Dominik Mahnig, Fabian Arends, David Helm, Theresia Philipp oder an mich denke: Wir sind ein Jahrgang, haben alle 2010 angefangen zu studieren. Und natürlich sind wir jungen Musikerinnen und Musiker viel in Kontakt, wir spielen miteinander und treffen uns in den zentralen Spielorten in der Stadt.
Die Hochschule hat also auch Einfluss darauf, dass man miteinander umgeht?
Ja, meine Lehrer waren entscheidend für mich, vorrangig Dieter Manderscheid, Henning Berg und Joachim Ulrich. Der Studiengang Jazz und Popularmusik wird mit großer Eleganz geleitet, wobei es gar nicht erst dazu kommt, dass man die Ellenbogen ausfahren muss. Es ist eine ruhige, sachliche Art, miteinander umzugehen, die auf Respekt beruht. Es wird viel Wert darauf gelegt, dass man seine Rolle findet.
Bis man sich dann irgendwann im öffentlichem Raum wiederfindet...
.. und hier werden wir als Jazz-Szene wahrgenommen, auch von Politik und Verwaltung, vor allem dank wichtiger Spielstätten wie dem Stadtgarten oder dem Loft. Längst ist die Jazz-Szene in der Stadt auch kulturpolitisch engagiert und tut viel dafür, dass sie gut sichtbar wird. So haben wir letztes Jahr mit der Kölner Jazzkonferenz die Jazzstadt Kampagne ins Leben gerufen. Aktuell müssen wir uns damit befassen, ein neues Publikum aufzubauen, das experimentierfreudig ist und regelmäßig unsere Konzerte besucht. Der aktuelle ästhetische Anspruch unserer jungen Generation ist nun mal anders als der, den einige „ältere“ Konzertgänger erwarten und für einzig richtig erachten, der aber vielleicht vor 20 oder 30 Jahren mal mehr in Mode war.
Die Bandbreite der Musikstile in Köln ist heute enorm. Hat eine solche Vielfalt die Chance auf finanzielle Unterstützung?
Die Entwicklung ist positiv. Es entstehen gerade wieder neue Fördermöglichkeiten, sowohl in der Stadt als auch im Land, teils auch beim Bund. Für uns ist zuallererst die Stadt als kommunaler Partner wichtig. Der Stadtgarten hat als Europäisches Zentrum für Jazz und aktuelle Musik eine deutliche Aufwertung erfahren, aber die städtischen Projektmittel sind seit einigen Jahren nicht mehr gestiegen. Wir brauchen allerdings einen deutlich höheren Zuschuss, ebenso innovative Ideen aus der Stadt heraus. In dieser Hinsicht kommunizieren wir viel, und es wird auch etwas passieren, aber unser stärkerer Partner ist im Moment noch das Land. Dank der Ensembleförderung können sich erstmals freie Ensembles über einen längeren Zeitraum entwickeln, auch das Subway Jazz Orchester bekommt ab Herbst eine Förderung für drei Jahre, das bewirkt etwas. Im Herbst geht es dann los mit der Exzellenzförderung im Stadtgarten für vielversprechende Musikerinnen und Musiker aus der Jazz-Szene, das bringt Planungssicherheit.
Weniger positiv scheinen die aktuellen Entwicklungen im Hörfunk, einem so wichtigen Partner.
Ich persönlich bin mit WDR 3 Radio Kultur nie sonderlich warm geworden, werde es interessanterweise gerade erst jetzt. Durch den Umbruch im WDR sehe ich Chancen, nicht nur für eine andere Art der Musikpräsentation. Die Veränderungen sind gewiss mit Vorsicht zu genießen, sind aber spannend, weil man mit dem WDR auf eine neue Art zusammenarbeiten könnte und wir Musiker uns überlegen, wie wir uns da einbringen wollen. Ich hoffe sehr, dass wir diesen interessanten Prozess gemeinsam gehen. Der Deutschlandfunk dagegen ist immer noch der größte Förderer von Jazz aus Köln, der dortige Sendeplatz ist für unsere Musik Gold wert. Den WDR kenne ich nicht aus seiner Zeit als Förderer, zwar als Arbeitgeber der WDR Big Band, nicht aber als Produktionsstätte, die meine Musik repräsentiert. Aber es gibt einen Draht dorthin, auch über die Jazzkonferenz. Der WDR lässt sich von niemandem hineinreden, aber ich würde mir wünschen, dass er stärker unsere Konzerte produziert und mitschneidet, also mehr Sendezeit für uns „opfert“.
Ist das denn realistisch?
Wichtig wäre vor allem, dass nicht nur der WDR, sondern alle in der Stadt, die an kulturellen Prozessen und Entscheidungen beteiligt sind, stärker wahrnehmen, was durch unsere Musik in der Stadt geschieht. Dass sie in unsere Konzerte kommen, mit uns reden, sich die Veranstaltungsorte, auch die kleinen Clubs intensiver anschauen. Nur so kann größeres Verständnis aufgebaut werden, können Gemeinsamkeiten entstehen. Letztlich liegt es ja nicht immer nur am Geld, sondern auch an der grundlegenden Bereitschaft zu neuen Formen und Konzepten. So könnte die Stadt neben der Unterstützung der Spielstätten und der Projektförderung einen dritten Aspekt wahrnehmen: den der notwendigen Internationalisierung. Durch ein entsprechendes Festivalformat könnten wir viel schaffen. Wenn man alle Musikerinnen und Musiker, Kollektive und Initiativen zur Grundlage nimmt, all ihre Stärken bündelt und das dann einmal im Jahr abfeuert! Und das zu einem strategisch geschickten Zeitpunkt, der die Bürgerschaft mitnimmt und die Politik stolz sagen lässt, schaut her, das haben wir in Köln.
Zur Person
Janning Trumann, geboren 1990, ist Jazz-Musiker (Posaune, Komposition, Orchesterleitung). Er studierte Jazzposaune an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und der New York University. Als Posaunist und Komponist seiner eigenen Ensembles ist er deutschlandweit aktiv und als Kurator eigener Konzertreihen in Köln tätig. Er ist außerdem Teil des „Subway Jazz Orchestra“ und darüber hinaus Sprecher der Kölner Jazzkonferenz. 2016 wurde er mit dem „Förderpreis Musik des Landes Nordrhein-Westfalen 2016“ ausgezeichnet. (vs)
