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Jazz-Pianist Jason Moran im StadtgartenHinter jedem Ton das Unerwartete

2 min
Jason Moran

Jazz-Pianist Jason Moran

Jason Moran, einer der ganz Großen des Jazz, spielt im Oktober im Kölner Stadtgarten.

Jason Moran ist nicht zum ersten Mal in Köln. Mit seinem Trio The Bandwagon gastierte er bereits 2019 in der Philharmonie, im April 2024 war er dort sogar schon solo zu erleben. Wer nun meint, er würde damit die phänomenale Kunst des 1975 in Houston, Texas, geborenen Pianisten und Komponisten ausreichend kennen, unterliegt einem womöglich folgenschweren Irrtum, wenn er Moran mit seinem aktuellen Duke-Ellington-Soloprogramm im Stadtgarten verpasst. Hinter jedem vermeintlich vertrauten Ton dürfte sich ein unerschöpfliches Reich des Unerwarteten auftun. Tatsächlich wird Moran Musik von Duke Ellington spielen, zugleich aber dessen Kompositionen und Spielweise schöpferisch weiterdenken, anders anordnen und wieder zusammensetzen. Jahrzehnte habe er gebraucht, sagt Moran, um sich befähigt zu fühlen, sich Ellington auf ebenso respektvolle wie selbstbewusste Art und Weise zu nähern.

Einer der ganz Großen

Nicht gerade uneitel hatte Ellington einmal über sich gesagt, er sei „nur der Klavierspieler“, wohl wissend, dass er mit nur einem einzigen Ton in der Lage war, sein legendäres Orchester zu lenken. Das Klavier diente ihm dafür als Handwerkszeug und Signalgeber, auf dem er zugleich komponierte, arrangierte und eben auch „dirigierte“. Wie brillant und ideenreich er darüber hinaus Klavier zu spielen verstand, offenbarte sich erst später und dann fast beiläufig. Spektakulär perlende Läufe waren nie sein Ding, eher verblüffte er mit cleveren harmonischen Brüchen und hinreißenden rhythmischen Feinheiten. Nach der Ära als Stride- und Swing-Pianist im Jungle-Style lassen sich rückblickend auch Ellingtons geniales Spätwerk mit Stücken wie „Mount Harissa“ (1967) sowie sein Aufbruch in die Avantgarde bestaunen. All dies dient Jason Moran als überreicher Fundus, wobei er nicht weniger offen ist für vielfältige, zeitgenössische Strömungen, die er virtuos in sein Spiel einwebt. Nicht zuletzt dank seiner nunmehr bereits 25 Jahre währenden Solo-Tätigkeit zählt der Pianist längst zu den ganz Großen im Modern Jazz. 


Jason Moran, solo. Konzertsaal Stadtgarten, 7. Oktober, 20.00 Uhr