Abo

Joachim Schürmanns 100. GeburtstagMit Liebe für das Schwarzbrot

3 min
Das Wohnhaus der Familie Schürmann in Deckstein.

Das Wohnhaus der Familie Schürmann in Deckstein.

Am 24. September wäre der Kölner Architekt Joachim Schürmann 100 Jahre alt geworden. Seine Bauten prägen die Stadt bis heute

Manchmal ist es auch eine Kunst, leise zu sein, sich nicht zu sehr in den Mittelpunkt zu stellen. Margot und Joachim Schürmann beherrschten diese Kunst im besten Sinne, schufen herausragende Architektur, ohne sich jemals des Monumentalen zu bedienen oder dem Selbstdarstellerischen zu verfallen. Mit einem ausgeprägten Sinn für das große Ganze, Respekt für den Bestand und viel Innovation prägte das Kölner Architektenpaar seine Wahlheimat wie wenige seiner Generation.

Vielleicht am schönsten zu sehen im Martinsquartier im Herzen der Altstadt, das sie zwischen 1969 und 1977 entwickelten: Die für das Kölner Stadtbild so prägende romanische Kirche Groß St. Martin bauten sie behutsam wieder auf, um sie im Innenraum von jeglichem Prunk zu befreien und einen fast zisterziensischen Raum zwischen Mittelalter und Moderne zu schaffen. Drumherum gruppierten sie eine moderne Wohnbebauung, deren Fassaden mit ihren Erkern und Balkonen schnell als zeitgeistige Schöpfung der späten 60er Jahre abgetan werden könnten. Doch das würde diesen Bauten nicht gerecht werden, die in ihrer schmalen, hochgewachsenen Form und spitzen Giebeldächern das Kleinteilige der umgebenden mittelalterlichen Häuschen aufgreifen. Mit der Mischung aus Gewerbe, Gastro, Wohnen und Arbeiten, den zahlreichen Bäumen und dem Platz als sozialem Treffpunkt und Ruheort war dieser Entwurf seiner Zeit im Grunde voraus und griff vieles vor, was man in heutigen Quartiersplanungen wieder zu berücksichtigen versucht.

Gemeinsames Studium in Darmstadt

Und auch das eigene Büro der Schürmanns zog später in das Wohn- und Bürohaus in der Lintgasse direkt angrenzend an den Komplex. Das hatten sie schon 1956 nach dem gemeinsamen Studium an der TU Darmstadt in Köln gegründet, zogen mit ihren ersten Mitarbeitern aber zunächst in das eigene Wohnhaus in Deckstein. Auch das war mit seinem flexiblen Nutzungskonzept durch versetzbare Wände erstaunlich fortschrittlich und wunderbar unkonventionell, während es seine Vorbilder erkennbar im Neuen Bauen suchte. Die weißen Stahlträger, die in den umgebenden Garten kragen, der wiederum mit seinen Pflanzen das Haus umgarnt; die offenen Glasfassaden und das Verschwimmen von Innen und Außen lassen stark an Mies van der Rohe und sein „Farnsworth House“ denken.

Gleichzeitig lässt sich schon hier die Handschrift der Schürmanns erkennen, die immer von Einfachheit und Leichtigkeit geprägt war. „Wir müssen uns klar sein, dass diese Arbeit absolut nichts Spektakuläres hat. Sie ist in aller Regel ein stilles, nüchternes Geschäft; sie verlangt viel Geduld, das Bohren dicker Bretter und auch Liebe zum Schwarzbrot“, sagte Joachim Schürmann seinen Studenten 1966 bei seiner Antrittsvorlesung an der TU Darmstadt. Die Hingabe für das Wesentliche, die Liebe für das Schwarzbrot, ist eine Lebenshaltung, die man seinen unaufgeregten, aber immer durchdachten, dem jeweiligen Ort würdigen Bauten ansieht.

Am Ende seiner Karriere musste der immer bescheidene Schürmann dann erleben, wie sein Name unfreiwillig doch noch zu bundesweiter Bekanntheit kam: Der nach ihm benannte Schürmann-Bau im Bonner Ortsteil Gronau, ursprünglich als Abgeordnetenbürohaus geplant, wurde 1993 durch ein Rheinhochwasser schwer beschädigt. Später entschloss man sich trotz des zwischenzeitlichen Wegzugs der Regierung nach Berlin zur Sanierung, 2002 zog die Deutsche Welle in das flache, langgestreckte Gebäude ein – dessen Name heute vor allem wieder eine stolze Auszeichnung bedeutet. An diesem Donnerstag, den 24. September, wäre Joachim Schürmann 100 Jahre alt geworden.


Der Bund Deutscher Architekten Köln gedenkt der Schürmanns am 3. Oktober mit einer Führung und einer Abendveranstaltung in St. Stephan in Köln-Lindenthal. www.bda-koeln.de