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Keine Grenzen

2 min

Yungblud alias Dominic Harrison

Es gibt sie zu Hunderten: Bands, die sich in Sticker-tapezierten Clubs zu lauten, verzerrten Gitarren die Wut aus dem Bauch schreien. Wut über den Brexit, Donald Trump, die AfD oder die Klima-Apathie. Und während Freitag für Freitag jede Menge junger Menschen ihrerseits die eigene Wut auf die Straße hinaustragen, bleiben die meisten dieser Bands seltsam ungehört. Vielleicht, weil viele von ihnen mit ihren beinah ausnahmslos von weißen Männern beackerten E-Gitarren der Generation von morgen doch als allzu gestrig erscheinen.

Dominic Harrison alias Yungblud ist nun zwar auch weiß und männlich, doch aus solchen Labels macht er sich nicht allzu viel. Und wo die E-Gitarre auch für seine Musik zentral bleiben darf, zwängt er sie nicht länger in die überkommene Symbolik von archaischer Männlichkeit. Als er im Minirock und mit seinen buchstäblich zu Berge stehenden schwarzen Haaren auf der Bühne der Kölner Essigfabrik erscheint, dankt ihm das eine berstend volle Halle. Längst hat der selbst erst 22-jährige die Proteste seiner Generation endlich auch in die Musik getragen: „Wir werden von der Welt als irgendwelche Verbindlichkeiten betrachtet, aber das sind wir nicht. Wir wissen, in was für einer Welt wir leben wollen, und wir werden uns nicht aufhalten lassen von einer Generation, die mit Veränderungen nicht klarkommt.“

Die unaufhaltsame Energie, die in der Essigfabrik entsteht, sobald Harrison beginnt, mit seinen Fans zu interagieren, macht das deutlich. Ebenso, wie er sich musikalisch von allen Genregrenzen frei macht, entledigt er sich auch bei seiner Bühnenshow sämtlicher vorgegebener Codes, erzählt seinen Zuhörern immer wieder, dass sie okay sind, wie sie sind, dass die alle eine Gemeinschaft sind. „Wir sind vereint, es gibt so viele Unterschiede in der Welt – also haltet zusammen!“