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Kino „Ein Sommer in der Provence“Unverbauter Blick

2 min

Jean Reno ist unter der harten Schale ein einfühlsamer Großvater.

Köln – Glücklich ist niemand so richtig mit der aufgezwungenen Situation. Irène (Anna Galiena) hat ihre Enkel, die Pariser Teenager Léa (Chloé Jouannet) und Adrien (Hugo Dessioux) sowie den gehörlosen Nachkömmling Théo, in den Zug gepackt, damit sie endlich ihren Großvater Paul (Jean Reno) kennenlernen. Der Eigenbrötler, der seit Jahren keinen Kontakt mehr zu seiner Tochter pflegt und der Welt überhaupt den Rücken zugewandt hat, seitdem er sich auf einem einsamen Landsitz nahe Avignon vor allem um Olivenbäume kümmert, fühlt sich in seinem Frieden gestört.

Und die Jugendlichen, deren Vater die Familie gerade verlassen hat, stöhnen bei der Aussicht auf eine Einöde ohne Partys, Kinos und zufriedenstellende Internet- und Mobilfunkreichweite. Nur der kleine Théo strahlt glücklich, als er scheinbar endlose, unverbaute Spielflächen entdeckt, Hühner, die gefüttert werden, Pflanzen, die gegossen werden müssen, und einen Opa, der nur auf den ersten Blick unausstehlich wirkt.

Eine tolle Besetzung

Jean Reno, inzwischen 66 Jahre alt, ist eine tolle Besetzung für diesen Knurrhahn wie aus dem Bilderbuch. Ihm traut man eine gewisse Unberechenbarkeit zu, ihm nimmt man aber auch – nicht erst seit seiner unvergesslichen Rolle als „Léon – Der Profi“ – den gar nicht so überraschenden Wandel ab, als sich unter der rauen Schale ein liebevoller Kuschelbär zeigt. Der Moment, wenn sein Paul das erste Mal die Hand des jüngsten Enkels – ebenfalls wunderbar besetzt mit dem niedlichen, sieben Jahre alten und wirklich gehörlosen Lukas Pelissier – in seiner Pranke hält und zu einem schmelzenden Eisberg mutiert, ist einer der schönsten im ganzen Film.

Ansonsten gibt es wenige Höhepunkte zu erleben in Rose Boschs („Die Kinder von Paris“, 2010) spätsommerlich milder Komödie mit ihren melodramatischen Tupfern. Die Enkeltochter verliebt sich in einen Hallodri, der große Enkelsohn erlebt auch keinen glücklicheren Ferienflirt, schafft es aber immerhin, online die alten Freunde seiner Großeltern zusammenzutrommeln. Es wird (manchmal zu ausgiebig) gesungen, getanzt und den kulinarischen Genüssen gehuldigt, den guten alten Zeiten und den Werten von Familie und Wahlverwandtschaft.

Was alles ganz nett rüberkommt, aber ohne größeren Belang bleibt. Ansprechend sind allerdings die von goldenem Licht durchfluteten Bilder der provenzalischen Landschaft, die universelle Urlaubsstimmungen wieder lebendig machen und Sehnsüchte wecken nach südfranzösischer Lebensart. Unglücklich wird mit dieser Mischung also auch kaum jemand. (J.D.)

Ein Sommer in der Provence, Frankreich 2014, 103 Minuten, Regie: Rose Bosch, Darsteller: Jean Reno, Anna Galiena, Chloé Jouannet