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KlassikBeethoven mit hellem Ton auf Linie gebracht

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Das Programm des vierten Gürzenich-Konzerts wäre eine sehr deutsche Angelegenheit geworden, hätte Dirigent Karl-Heinz Steffens nicht zwischen Beethovens Violinkonzert und Brahms' dritte Sinfonie die Orchestervariationen des Italieners Luigi Dallapiccola platziert. Bachs Polyphonie und Schönbergs Reihentechnik verbinden sich hier leichthändig mit der Sinnlichkeit des italienischen Belcanto. Leider fehlte den luziden Farbmischungen des 1954 komponierten Stücks in der philharmonischen Matinee noch der letzte Präzisions-Schliff.

Für einen weiteren mediterranen Touch sorgte die italienisch-schottische Geigerin Nicola Benedetti, die Beethovens Violinkonzert mit hellem, schlankem, energiereichem Ton und ohne jedes romantisierende Sentiment auf Linie brachte. In das musikalisch hochdifferenzierte, technisch unanfechtbare Spiel der Solistin mischte sich bisweilen eine rustikale Fiddler-Attitüde - so etwa in der nach Beethovens Vorlage gestrickten Kopfsatz-Kadenz und der zugegebenen Adaption einer schottischen Volksweise.

Schmales Streicher-Vibrato, harte Paukenakzente und furchtlose Schärfen im Blech ließen erkennen, dass Karl-Heinz Steffens an einer "historisch informierten" Aufschlüsselung der Beethoven-Partitur gelegen war. Dazu wurde das Stück auch über eine flexible Tempogestaltung und fein abgestufte Lautstärken-Disposition facettenreich erzählt. Besonders schöne Abtönungen ergaben sich dabei im Holzbläsersatz. Kein Wunder, wirkte der Maestro vor seiner Dirigentenkarriere doch einige Jahre als Klarinettist bei den Berliner Philharmonikern. Dass sein Dirigierstil ein wenig zur Eckigkeit tendiert, störte hier deutlich weniger als in Brahms' "Dritter", bei der das Ringen um eine intensive, plastische Detailformung den musikalischen Fluss allzu oft ausbremste, vor allem in den Binnensätzen. (Rü.)