Kölner Tanzlabel El Cuco ProjektDrei Fledermäuse im Feldzug gegen die Logik

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El Cuco Projekt "Captcha"

El Cuco Projekt 'Captcha'

Die Tanzperformance „Captcha“ von El Cuco Projekt wird am Wochenende in Köln aufgeführt. In der Aufführung sorgen drei Fledermäuse für jede Menge Chaos.

Großmutter, warum hast du so große Zähne? An den Schnauzen ragen zerknickte, drahtige Haare in die Luft, durch die Nasenlöcher ganz vorn kann man seitlich hindurchschauen. Die widerlichen Mäuler leicht geöffnet, fast durchscheinende Ohren an den felligen Köpfen und riesige glänzende Augen. Wie Linsen von Überwachungskameras. Es sind Fledermäuse, und wen die vorher gefressen oder infiziert haben, bleibt im Dunklen.

Bei „Captcha“, dem neuen, bislang besten Stück des Kölner Labels El Cuco Projekt von Sonia Franken und Gonzalo Barahona, machen sich auf der Bühne im Kunsthaus Rhenania drei hässliche Wesen breit, die sich allem Erklären, aller Logik widersetzen. Ohne Anhaltspunkte, die natürlicherweise ja oben an der Decke wären. Die wollen nichts. Die sind nur da und verhalten sich.

Tanzperformance des Kölner Labels „El Cuco Projekt“

Unterhalten sich stumm. Unten menschenhaft, mit Pluderhosen und Pullis in matten Farben und ungleichen Socken an den Füßen, oben die tollen Maskenköpfe des Künstlers Barahona, schleichen sie unhörbar herum, auf zwei oder mal vier Beinen, Händen, oder liegen, kriechen, lungern, während Tim Rollers Sounds von überall pritzeln, zirpen, johlen, nach Vögeln, Bächlein, Rockkonzertjubel klingen. Oder die Viecher wedeln, knicken, krümmen die Gliedmaßen. Deuten mit Zeigefingerchen auf die anderen, auf uns, auf sich. Kippen einen Bürotisch samt Stuhl. Schauen sich um, wirken mal keck, mal schüchtern, oft hibbelig, insgesamt herrlich dumm. Aber was wissen wir schon von ihnen. Also uns.

Gemäß dem Titel „Captcha“ geht es um das Testen, ob Menschen Maschinen als solche erkennen oder die sogenannte Künstliche Intelligenz. Statt das Publikum mit Avatar-spielenden Menschen zu behelligen, tummeln sich hier depperte Tierchen, die ein bisschen Gruppe spielen, einander weder lieben noch hassen und schließlich eine grüne Berg-Seen-Wald-Landschaft in gemalter Kulissenform einmal im Kreis schieben. Vielleicht eine Art Zukunftsform der Menschheit, deren Blödheit längst zum Untergang der Welt beiträgt.

Weitere Aufführungen von „Captcha“

Wann: 24.02. und am 25.02. um 20 Uhr.

Wo: Kunsthafen, Kunsthaus Rhenania. Bayenstraße 28, 50678 Köln

Tickets: 16 Euro, ermäßigt 9 Euro. https://rausgegangen.de/events/captcha-kopie-0/. Reservierungen unter tickets@elcucoprojekt.com.

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