Alle Jahre wieder gibt der Geheimdienst CIA alte Berichte und Dokumente für die Öffentlichkeit frei. Darunter finden sich beliebte Fortsetzungsromane wie Richard Nixons Hasstiraden im Oval Office, aber auch historische Fundstücke über Personen der deutschen Zeitgeschichte. Letztes Jahr war etwa zu erfahren, dass Adolf Hitler den Zweiten Weltkrieg überlebte und in Kolumbien untergetaucht sei – was die CIA des Jahres 1955 allerdings als Wichtigtuerei eines Informanten abtat. Hitler deutlich näher war eine Quelle, die der Vorgängerdienst der CIA bereits 1942 anzapfte: Ernst Hanfstaengl. Auf den Aussagen des Hitlerfreunds basiert ein kürzlich online gestelltes Psychogramm des „Führers“.
Hanfstaengl stammte aus einer Münchner Kunsthändlerfamilie und studierte mit Franklin D. Roosevelt in Harvard, bevor er der Hitlerpartei beitrat, sich am Hitlerputsch beteiligte und später zu Hitlers Auslands-Pressechef aufstieg. So viel Hitlerei bewahrte ihn allerdings nicht davor, in Ungnade zu fallen: 1937 floh er aus Nazi-Deutschland und wurde in den USA ein überaus gefragter Gesprächspartner des dortigen Militärs – als Mann, der zu viel wusste.
Wie sich jetzt nachlesen lässt, hatte Hanfstaengl allerlei pikante Details aus Hitlers Privatleben im Gepäck. So soll Hitler in seinen Wiener Jahren homosexuelle Kontakte gesucht haben und später mit seinem Mitgefangenen Rudolf Hess (Spitzname: Fräulein Anna) intim gewesen sein. Außerdem gönnte sich der erklärte Vegetarier gerne mal ein Hühnerbein, nahm seinen Tee mit Rum und begeisterte sich für „Zigeunermusik“. Außerdem berichtete Hanfstaengl, wie er Hitler 1923 zu überreden versuchte, sich das Bärtchen abzurasieren; im selben Jahr schaute sich Hitler demnach den „Sieg Heil!“-Gruß bei Cheerleadern des American Football ab.
Allzu viel genützt hat dieses intime Geheimwissen den USA und ihren Alliierten wohl nicht – obwohl Hanfstaengl bei Kampagnen half, die Hitler bei den deutschen Soldaten lächerlich machen sollten. Später wurde das Bild des lächerlichen Hitler angesichts der Kriegsgräuel als unpassend empfunden und unterdrückt. Heute sieht man dies wieder anders, und so trifft das CIA-Dokument auf einen Zeitgeist, der den „Dämon“ Hitler auch über die Hintertreppe auszutreiben versucht.