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Konzert im E-WerkChvrches liefern menschliche Maschinenmusik

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Symbolfoto

Köln – Es ist wirklich alles sehr schön bunt hier. Und man weiß die ganze Zeit nicht, wo man zuerst hingucken soll. Die Lightshow, die sich Chvrches haben zusammenbasteln lassen, ist wahrlich State of the Art, und sie wird allenfalls von praktizierenden Augenärzten differenziert bewertet. Warum? Weil sie sehnervreizend ist. Weil sie pupillenkitzelnd daherkommt. Und weil sie zwischendurch auch immer wieder augapfelschmeichelnd wirken kann. Das visuelle Theater, das Chvrches auf den Bühnenhintergrund zaubern lassen, ist wahrlich eine Wucht – und es geht eine stimmige Allianz mit dem Sound des Trios aus Glasgow ein.

Spannung durch Kontrast

Vor drei Jahren sind Chvrches mit ihrem Debüt „The Bones Of What You Believe“ angetreten, um 80er-Jahre Synthiepop mit den Möglichkeiten von heute zu spielen, und mit diesem Referenzrodeo sind sie auch aktuell noch unterwegs. Im Kreisverkehr des Lichtgeflackers geht es Iain Cook, Martin Doherty und Lauren Mayberry auch bei den Songs ihrer aktuellen Schallplatte „Every Open Eye“ darum, die Balance zwischen süßem Popsong und flirrendem Track auszuloten. Und genau das gelingt ihnen im E-Werk durchgehend. Auch deshalb, weil ein ästhetisch eher minimierter Sound mit Mittel des Bombasts dargeboten wird – und auch diesem Kontrast eine kontinuierliche Spannung erwächst. 

Kalorien für die Ohren

Mit „Never Ending Circles“ beginnen Chvrches ihr Set, und schon mit dem Opener wird klar, wodurch noch Schwung in die Sache kommen wird. Lauren Mayberry sorgt mit ihrer nicht besonders umfangreichen, aber glasklaren und nie zu niedlichen Stimme dafür, dass sich ein Eindruck durch den Konzertabend fortpflanzt: So menschlich wird Maschinenmusik längst nicht immer dargeboten. Mit einer Melange aus Frollein Langstrumpf – sei immer Pippi, nie Annika – und Esoterik-Fee im letzten Ausbildungsjahr wirbelwindet Lauren Mayberry über die Bühne und wird dabei flankiert von zwei Herren, die deutlich älter sind als sie. Und sich auch im Auftreten von der Sängerin unterscheiden: Ian Cook und Martin Doherty bedienen Bass, verschiedene Pads und diverse Maschinchen bei Songs wie „Clearest Blue“ und „We Sink“ konsequent stoisch. Also Zugabe kredenzt das Trio „The Mother We Share“, und bei dem alles anderen als heimlichen Hit ihres Debüts wird klar, was dabei rauskäme, wenn man Chvrches in eine Süßigkeit übersetzt: ein riesiger Eisbecher mit einer Extraportion Sahne, obenauf verziert mit Schokoladensoße und Krokantstreuseln. Was für ein Glück, dass Kalorien für die Ohren nicht dick machen.