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LiteraturKölner Bücherfest feiert die unabhängigen Buchhandlungen

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Friederike Dobisch (li.) vom „Anderen Buchladen“ in der Südstadt und Veranstalterin Silvia Maul.

Friederike Dobisch (li.) vom „Anderen Buchladen“ in der Südstadt und Veranstalterin Silvia Maul. 

Beim „Bücherfest“ am 31. August präsentieren sich nicht nur Autoren und Verlage, sondern auch der unabhängige Buchhandel Kölns. Und der ist nicht nur wichtig für das kulturelle Leben der Stadt, sondern mindestens genauso essenziell für eine lebendige Demokratie.

Der neue Roman von Sebastian Fitzek oder ein Sachbuch von Eckhart von Hirschhausen – manche Bücher haben einen Spitzenplatz auf der Spiegel-Bestsellerliste sicher. Und damit die besten Plätze auf den Auslage-Tischen der großen Buchhandelsketten. Doch nicht immer ist das, was sich am besten verkauft, auch das beste Buch. Weshalb es auch jenseits des Massenmarkts viele wichtige, kluge und überraschende Bücher zu entdecken gibt. Für diese Vielfalt stehen die unabhängigen Buchhandlungen, deren Inhaber- und Inhaberinnen ihr Programm selbst kuratieren und auch mal Bücher aus kleinen Verlagen groß rausbringen. Davon gibt es in den Kölner Vierteln zum Glück immer noch richtig gute – auch wenn deren Lage zunehmend schwierig wird.

Das Kölner Bücherfest versteht sich als eine Hommage an diese unabhängigen Buchhandlungen in der Region. Und will auch die Verlage feiern, die Vielfalt erst möglich machen. Schon zum sechsten Mal findet das Bücherfest am 31. August statt und wächst mit jedem Jahr weiter. Literarische Buchhandlungen aus Köln zeigen hier ihr Programm, Verlage aus Köln und der Region präsentieren sich und es gibt den ganzen Tag über Lesungen und Foto- und Papierkunstausstellungen.

Organisatorin Silvia Maul schätzt die Buchhandlungen nicht nur als Orte der Inspiration  – sie sind auch unverzichtbar für unser demokratisches Miteinander, findet sie: „So ein sorgfältig ausgewähltes Sortiment an politischen und gesellschaftlich relevanten Themen, ist wichtig, um sich eine eigene Meinung zu bilden.“ Und das schaffen Bücher einfach fundierter als Posts in den Sozialen Medien. „Unsere Demokratie ist bedroht – und dabei geht es ja auch um Meinungsfreiheit, um den Abgleich verschiedener Positionen. Gute Bücher machen es uns möglich, die Dinge differenziert zu betrachten. Und das ist wichtiger denn je.“ Aber, seufzt sie, „leider viel schwieriger zu vermitteln als einfache Lösungen“.

Gute Bücher machen es uns möglich, die Dinge differenziert zu betrachten. Und das ist wichtiger denn je.
Silvia Maul, Organisatorin des Kölner Bücherfests

Außerdem sind die Läden auch Treffpunkte in den Vierteln und Orte der Kommunikation. Dass es danach in der Welt der Sozialen Medien ein riesiges Bedürfnis gibt, beweist der Boom der Buchclubs, die Lesekreise hießen, bevor sie trendeten. Friederike Dobisch vom „Anderen Buchladen“ in der Südstadt startet im September mit einem feministischen Buchclub.  „Es ist zum Teil auch eine Modeerscheinung, - aber nicht jede Mode ist ja schlecht“, sagt sie. „Man wird ja heute mit sehr Vielem ganz alleine konfrontiert. Und es gibt es ein großes Bedürfnis, sich in einer überschaubaren Gruppe auszutauschen.“

Das erlebte auch Silvia Maul bei den Rahmenprogrammen der vergangenen Bücherfeste: „Da gibt es eine große Lust zur Auseinandersetzung. Dass man nicht nur interessiert zuhört. Sondern auch fragen will, ins Gespräch kommen.“ Friederike Dobisch wird in ihrem Laden in letzter Zeit immer öfter nach Empfehlungen gefragt. Das habe wahrscheinlich mit der schieren Fülle von Möglichkeiten zu tun, sich über Bücher zu informieren. „Bei uns finden die Menschen Orientierung. Wir haben ja viele Stammkunden, wir kennen uns.“

Manche kommen schon seit Jahrzehnten oder sogar Generationen in den Laden. Aber auch viele junge Leser und Leserinnen wachsen nach und bringen neue Interessen und Themen mit, erzählt sie. Sachbücher - bei ihr im hinteren Teil des großen Geschäfts - werden immer beliebter: „Wir haben erst letztens unsere Regale neu gestaltet. Zum Beispiel zum Thema Feminismus und Diversität. Das war das Interesse groß in den letzten Wochen, Monaten. Aber auch Rassismus, Klima und Stadtentwicklung – das sind Themen, die hier einfach virulent sind.“

Puzzlestücke für ein differenziertes Bild

Aber sind die Menschen überhaupt offen dafür, andere Sichtweisen zu entdecken? Kaufen sie nicht eher nur die Bücher, die ihren Meinungen bestätigen? „Dass wir hier keine rechten Verlage auslegen, ist klar. Aber wir bieten doch ein breites Spektrum, das sowohl die konservativere als auch die progressivere Stimmung abbildet“, sagt Friederike Dobisch. Mit dem erklärten Ziel, die Kunden und Kundinnen dafür zu motivieren, sich ebenso mit den Argumenten der anderen Seite zu befassen. Ein Angebot, wie man es in ihrem Laden finde, sei wie ein Puzzlestück. „Das mit anderen zusammen ein hoffentlich differenziertes Bild ergeben kann.“

Die Buchhändlerin macht sich Sorgen, dass diese Vielfalt mit den unabhängigen Buchhandlungen immer mehr verschwindet.  Auch in Köln hat Thalia – beziehungsweise früher die Mayersche – schon einige einst unabhängige Läden übernommen.

„Wenn Buchhändler oder Buchhändlerinnen in Rente gehen, finden sie oft keine Nachfolge mehr. Das hat auch mit den Babyboomern zu tun: Gerade die, die diese unabhängigen Buchhandlungen über Jahrzehnte geführt haben, gehen jetzt in Rente“, sagt Silvia Maul. Und junge Leute hätten oft nicht mehr die Hoffnung, dass sie mit dem Verkauf von Büchern in Zukunft ihr Leben finanzieren können.  „Und dann gibt es auch viele Buchhandlungen, die unter dem zunehmenden Kostendruck leiden. In einer Kleidungs-Boutique können Sie die gestiegenen Kosten auf die Preise schlagen. Im Buchhandel funktioniert das wegen der Buchpreisbindung nicht.“ Ihre Antwort auf die Frage, wie sie die Lage der Unabhängigen einschätzt, lautet daher „wacklig“. Und gerade deswegen liegt es ihr am Herzen, mit dem Bücherfest darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig sie sind - für das kulturelle Leben der Stadt, aber mindestens ebenso für eine lebendige Demokratie.


Am 31. August findet das Kölner Bücherfest im Alten Pfandhaus am Kartäuserwall 20 statt. Von 11 bis 18 Uhr präsentieren Verlage und Buchhandlungen dort ihre Programme. In der Ausstellungshalle werden Werke des wiederentdeckten Kölner Fotografen Eugen Coubillier gezeigt und es sind Arbeiten der Buch-Papierkünstlerin Ursula Traschütz zu sehen. Außerdem gibt es ein Lesungs-Programm für Erwachsene und Kinder mit Anne Siegel, Leslie Niemöller, Martin Mittelmeier, Reiner Burger und Michael Behrendt. forum-independent.de/koelnerbuecherfest/