Ehemaliger Merkel-BeraterGeneral Vad verliert bei „Maybrit Illner“ die Nerven

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Erich Vad DPA 220422

Mit einem viel diskutierten Auftritt bei „Maybrit Illner“ hat der Bundeswehrgeneral a.D. und ehemalige Sicherheitsberater von Altkanzlerin Angela Merkel Erich Vad für Wirbel gesorgt. „Wir befinden uns in einer militärischen Eskalationsdebatte in Deutschland im Bezug auf die schweren Waffen. Wir müssen den politischen Akzent auf die Zeit danach setzen, auf einen möglichen Waffenstillstand“, sagte Vad.

Der Militärexperte stemmte sich erneut gegen die Forderung, schwere Waffen in die Ukraine zu liefern und verteidigte die Linie von Bundeskanzler Olaf Scholz: „Jetzt Kampfpanzer zu liefern, wäre militärisch unsinnig, weil wir Techniker mitschicken müssten und keine Zeit zur Ausbildung haben. Diese Panzer würden die Ostukraine außerdem nie erreichen. Das würde Russland niemals zulassen.

Bundeswehr-General Erich Vad verwundert Gäste bei „maybrit illner“

Vad redete sich, auch zur Verwunderung der restlichen Gäste, in Rage und attackierte vor allem die Grünen für ihre Forderung nach schweren Waffen: „Mich stört es, wenn deutsche Politiker von den Grünen, militärische Lösungen als ultimatives Ziel darstellen. Das ist doch verrückt. Das sind Politiker, die mit dem Militär nichts zu tun haben, die den Wehrdienst verweigert haben. Wir müssen am Ende in einen wie immer gearteten Waffenstillstand kommen.“

Der ehemalige Sicherheitsberater von Angela Merkel glaubt nicht an einen alleinigen Sieg der Ukraine im derzeitigen Konflikt in Osteuropa: „Wir müssen vorsichtig sein mit unserer Militärrhetorik und mit Waffenlieferungen. Davon auszugehen, dass nur eine Seite am Ende gewinnen kann, ist ein Fehler.“

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Außerdem würde eine Lieferung von Waffen in die Ukraine Vads Ansicht nach derzeit wenig bringen: „Es hat keine militärische Relevanz, wenn wir jetzt schwere Waffen liefern. Das ist eine Phantomdebatte.“

Autorin und Grünen-Mitglied Marina Weisband, deren Familie teilweise noch in der Ukraine ist, zeigte sich empört über Vads Aussagen: „Herr Vad hat gesagt, dass die Ukraine den Krieg nicht gewinnen darf. In der Ukraine wurden Zivilisten ermordet, Frauen werden vergewaltigt. Ein Sieg der Ukraine bedeutet, dass sich die russische Armee hinter die Grenzen zurückzieht. Darf das nicht unser Ziel sein?“

Erich Vad widerspricht Grünen-Mitglied Marina Weisband

Vad widerspricht, er habe nicht gesagt, dass die Ukraine nicht gewinnen dürfe, sondern dass es eine schnelle Lösung geben müsste. „Die Bilder aus dem Krieg bedrücken mich auch sehr. Aber es ist nicht Neues, wir kennen das aus dem Irak. Das ist dramatisch, das ist schlimm. Ich möchte das auch nicht gesund beten und Russland verteidigen“, so Vad weiter.

Man müsse aber Putin dazu zwingen, politisch einzuknicken und gemeinsam eine Lösung finden. „Was mich sehr bedrückt ist der Umgang der Ukraine mit Deutschland. Und auch der Umgang des ukrainischen Botschafters. Das ist nicht in Ordnung. Das stört mich auch, dass das nicht ausgesprochen wird“, so der ehemalige Bundeswehr-General zum ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk.

Ex-Außenminister Sigmar Gabriel verteidigt Sichtweise zu schweren Waffenlieferungen

Auch der ehemalige SPD-Außenminister und Vorsitzende der Atlantikbrücke Sigmar Gabriel, mit dem sich Melnyk am Wochenende gestritten hatte, ist weiter gegen einen deutschen Alleingang: „Wenn die Grünen und die FDP nicht zufrieden mit den Entscheidungen im Bundessicherheitsrat, dann müssen sie dort eine andere Entscheidung herbeiführen. Es wird so getan, als wäre das eine Einzelentscheidung der SPD. Das ist Unsinn.“

Der SPD-Politiker sehe eine klare Richtlinie, an die Deutschland sich halten solle: „Alles was die USA tun, sollten wir auch tun. Von allem was sie nicht tun, sollten wir die Finger lassen.“

„Wenn wir den Einfluss erweitern, dann werden wir selbst Kriegsteilnehmer. Auch Großbritannien und die USA schicken keine Kampfpanzer in die Ukraine. Es gibt eine relativ einfache politische Lösung: Alles, was die Vereinigten Staaten und die Nato nicht machen, machen wir auch nicht“, so Gabriel weiter.

Dem widerspricht der CDU-Militärexperte Roderich Kiesewetter. Die Amerikaner hätten bereits angekündigt, schwerere Waffen zu liefern: „Die Amerikaner unterstützen alleine mit 70 Haubitzen. Es bewegt sich etwas. Es geht nicht um Eskalationsrhetorik. [...] Die Ukraine verteidigt Werte, die wir ihr verwehrt haben.“ Er habe den Eindruck, dass Teile der Sozialdemokratie die Ukraine schon abgeschrieben hätten.

Ebenfalls zu Gast in der Sendung war noch Sicherheits- und Verteidigungsexpertin Claudia Major. (shh)

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