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ModeratEs war einmal eine Laptop-Boygroup

3 min

Es war einmal eine Laptop-Boygroup. Eine, die bereits vor ihrem elektrifizierten Boygroup-Dasein allerhand erlebt und geschafft hat. Sebastian Szary und Gernot Bronsert loteten als „Modeselektor“ weltweit auf Festivals die Möglichkeiten von Techno und diversen Elektro-Spielarten immer wieder neu aus. Und Sascha Ring, der dritte Mann im Boygroup-Verband, war als Apparat zuständig für Ambient und Knistertütenelektronik und smartes Klanggeklicker.

Mit der dritten Schallplatte noch einmal auf eine andere Soundebene

Nun – Modeselektor und Apparat gibt es immer noch und immer mal wieder. Das Märchenhafte an dem gemeinsamen Wirken der drei Männer als „Moderat“ ist, dass sie ihren Sound mit der dritten Schallplatte tatsächlich noch einmal auf eine andere Soundebene hieven. War das letzte Album „II“ schon die perfekte Bedienungsanleitung dafür, wie man die Feierzeit im Club zwischen Dancefloor und Lümmelliegelandschaft und den Bereich Zuhause zwischen Sofa und Flurbereich gestaltet, so arbeitet das neue Werk „III“ das Prinzip des Trios noch einmal feiner und konsequenter heraus. Moderat geht es mehr denn je darum, den Sound des Dancefloors mit digitalem Pop kuscheln zu lassen und beiden Ebenen ihre melancholischen Momente zu gönnen. Das Produzieren von Tracks steht auf „III“ gleichberechtigt neben dem Komponieren von Songs, und über lange Basslinien stülpt Sascha Ring höchst elegant seinen poetischen Gesang.

Electronic Listening

Moderat

III (Monkeytown Records)

Hören Sie doch auch mal:

Motorbass: Pansoul

„Ghostmother“ funzt auf diese Weise genauso prima wie „The Fool“ – und dass die Summe des Ganzen bei Moderat mehr hergibt als die einzelnen Teile, zeigen auch die Tracks, in denen der Tempomat mehr nach rechts gedreht wird. „Running“ und „Reminder“ gehören dazu, und eine echte Groovegranate ist „Finder“. Schabende Beats steuern vermeintlich auf den einen Höhepunkt zu, verschwinden dann, tauchen wieder auf, kreiseln um sich selbst, taumeln. Um kurz darauf eins zuverlässig zu tun: sich zu verweigern. Moderat und „III“, das ist Popmusik auf der Höhe der Zeit mit serienmäßig eingebauter Verweigerungshaltung.

Wenn Sie diesen Satz auf der nächsten Ü-40-Geburtstagsparty locker fallen lassen, werden sich garantiert ein paar der anderen Gäste an ihrer Club-Mate verschlucken. Oder aber umso gieriger an ihrer veganen Cola süffeln. Wenn Sie dann noch sagen, dass sich beim Hören und Verstehen des Moderat-Sounds die Abos von Magazinen wie „Landlust“, „Nido“ und „Neon“ nicht automatisch verlängern, wird man Ihnen womöglich spontan ein Podest bauen. Wenn’s suboptimal läuft, aus leeren Rhabarberschorle-Kisten. Wenn’s besser läuft, aus leeren Bierkästen. Es war einmal eine Laptop-Boygroup. Diese Laptop-Boygroup ist jetzt eine richtige Band. Sie heißt nach wie vor Moderat. Und klingt famoser als je zuvor.