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Grütters letzte SchichtLangjähriger Leiter des Ruhrmuseums geht in den Ruhestand

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Ruhrmuseum Essen - Theo Grütter

Der Museumschef geht in Ruhestand

Als „Mr. Ruhrgebiet“ prägte er die Kulturlandschaft. Nun geht Heinrich Theodor Grütter, einer der erfolgreichsten Museumsleiter in NRW, in den Ruhestand.

Nach 40 Jahren im Beruf, davon gut 14 an der Spitze des Ruhrmuseums, hat sich Heinrich Theodor Grütter in den Ruhestand verabschiedet. Der als „Mr. Ruhrgebiet“ bekannte Historiker feierte seinen Abschied mit einer „letzten Nacht“, zu der über 500 Gäste und Wegbegleiter kamen. Er gilt als einer der profiliertesten Museumsmacher Nordrhein-Westfalens.

Das von ihm geleitete Ruhrmuseum auf dem Welterbe Zollverein, einst die größte Zeche der Welt, zieht jährlich rund 250.000 Besucher an und zählt damit zu den meistbesuchten Häusern in Deutschland.

Wandel des Ruhrgebiets als zentrales Thema

Grütters großes Anliegen war die Umgestaltung des Ruhrgebiets zu einer Kultur- und Dienstleistungsregion. „Es war gut, dass der Abschied aus dem Industriezeitalter langsam passierte. Dadurch hat der soziale Kitt gehalten“, erklärte der 68-Jährige. Dies sei angesichts des massiven Abbaus von Arbeitsplätzen keine Selbstverständlichkeit gewesen.

Allerdings sieht Grütter diesen Zusammenhalt heute gefährdet, wie die dpa berichtet. „Heute ist dieser soziale Kitt in Gefahr - nicht zuletzt durch den Aufstieg der AfD in den einstigen SPD-Milieus“, wird der gebürtige Gelsenkirchener zitiert.

Bilanz: 50 Ausstellungen und vier Millionen Besucher

Die Bilanz seiner Tätigkeit ist beachtlich: Der Kulturwissenschaftler verantwortete rund 50 Ausstellungen, die insgesamt vier Millionen Menschen sahen. Die Schauen thematisierten Kohle, Stahl und das Alltagsleben, wie etwa die erfolgreiche Ausstellung „Land der Tausend Feuer“ im vergangenen Jahr.

Als seine persönliche Lieblingsausstellung bezeichnete Grütter „Gold vor Schwarz“ (2008/2009). In den rußigen Räumen der ehemaligen Kohlebunker wurden bis zu 1.200 Jahre alte Kostbarkeiten des Essener Domschatzes gezeigt. Die Ausstellung habe bewiesen, so Grütter, dass die Geschichte der Region weit vor der Industrialisierung beginnt und bis in die Römerzeit zurückreicht.

Besondere Exponate: Staublunge und ein Glas Wasser

Bei seinen persönlichen Führungen legte der Museumschef stets einen besonderen Halt bei zwei Ausstellungsstücken ein. Eines davon ist die in Formaldehyd konservierte Staublunge eines Bergmanns, ein eindringliches Zeugnis der Gesundheitsgefahren unter Tage.

Das zweite ist ein schlichtes Einmachglas mit Wasser. Eine junge Mutter hatte es 1945 für ihre Zwillinge mit in den Bunker genommen, aber nicht verwendet. Das erst Jahrzehnte später wiederentdeckte Glas mache für ihn Alltag und Kriegsleid erfahrbar, so der Museumschef. (red)

Für seinen Ruhestand hat der glühende Schalke-Fan bereits Pläne: Er will kein Spiel mehr verpassen und für Mallorca-Urlaube Spanisch lernen. Die Leitung des Ruhrmuseums übernimmt vorerst kommissarisch sein Stellvertreter Dietmar Osses. Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.