Der neue Cheftrainer des 1. FC Köln gibt eine erste Erklärung zu seinen Plänen mit dem Klub ab
Nach Trainerentscheidung beim FCRené Wagner will mehr von sich zeigen

Trainer Rene Wagner und Geschäftsführer Thomas Kessler beim Gespräch mit Medienvertretern
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Es war René Wagner am Dienstag ein offensichtliches Anliegen, ein paar Dinge zu seiner Person klarzustellen, darunter grundlegende Fragen: Wie war er in den vergangenen zwei Monaten – und warum? Wie ist er grundsätzlich? Und wie gedenkt er, künftig zu sein – jetzt, da er nicht mehr Assistenz- oder Interimstrainer des 1. FC Köln ist, sondern Chef. „Ich möchte darüber sprechen, was ich euch geben kann – der Stadt, dem Verein. Ich möchte ich sein und meinen Charakter etwas mehr zeigen“, sagte der 37-Jährige beim ersten Auftritt seit seiner Beförderung.
Wagner hatte die Kölner Bundesligamannschaft nach dem 27. Spieltag übernommen, als es mit Lukas Kwasniok nicht mehr weiterging und Geschäftsführer Thomas Kessler die Saisonziele gefährdet sah. Im vergangenen Sommer war er auf eigene Initiative nach Köln zurückgekehrt und als Mann mit Cheftrainerpotenzial in Kwasnioks Stab eingebaut worden. Nachdem er von Kwasniok übernommen hatte, hatte er sich zwei Monate lang als emotional kaum verfügbarer Trainer gezeigt.
Und zwar mit Absicht. Die verunsicherte Mannschaft sollte einen Anker erhalten. Wagner hatte zuvor in der zweiten Reihe gewirkt und sich als Analytiker verstanden, auch als Ruhepol in einem überhitzenden Konstrukt. Es wäre problematisch gewesen, hätte er seine Art aufgegeben und sich in der neuen Rolle als Zampano inszeniert. Die Aufgabe war, Sachlichkeit in den Kader zu bringen, Zuverlässigkeit. Die Spieler hatten in den Monaten zuvor einen Trainer in ständig wechselnden Aggregatzuständen erlebt. Wagner war es wichtig, der Mann zu bleiben, den die Mannschaft kennengelernt hatte.
Wenig persönliche Note also – dafür konzentrierte Arbeit, um die Mannschaft davor zu bewahren, auseinanderzufallen. Zwar beteuert Wagner nach wie vor, keine Medienberichte zu lesen, doch konnte er der öffentlichen Meinung nicht entgehen – und seine Berater werden genau verfolgt haben, was ihrem Klienten an der Schwelle zur großen Chance zuletzt attestiert wurde. Wohl auch deshalb schien es ihm wichtig, sich nun als Trainer zu zeigen, der mehr kann als still an der Seitenlinie zu stehen und schwach zu punkten.

René Wagner will eine Kölner Mannschaft formen, die ans Limit geht – und Haltung beweist.
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Eigentlich stehe er nicht für Langeweile, deutete er an: „Ich bin immer fröhlich, ich bin immer positiv. Ich werde versuchen, ein bisschen mehr davon zu geben, wer ich als Mensch bin. Meine Aufgabe muss es sein, mit dem Verein gute Entscheidungen zu treffen und meine Persönlichkeit mit 100 Prozent einzubringen“, erklärte Wagner.
Die Tendenz, mit dem Retter aus der zweiten Reihe weiterzumachen, bestand schon länger. Zwar führten Thomas Kessler und seine Mitarbeiter Gespräche mit möglichen anderen Kandidaten und simulierten damit die Situation, in der Wagner gewesen wäre, hätte er sich der Konkurrenz des Trainermarktes stellen müssen. Doch war man bald sicher, dem jungen Dresdner die Chance zu geben.
Eine Frage der Haltung
Kessler wirkt überzeugt von seinem zweiten Versuch, dem 1. FC Köln eine langfristige Lösung auf der Trainerposition zu bescheren. „René hat ganz klar präsentiert, wie er sich die Mannschaft vorstellt. Er kennt den Klub, das Umfeld, die Gegebenheiten. Er weiß, worauf er sich einlässt. Er hat klar skizziert, mit welchen Schritten er den Klub nach vorn bringen will.“ Dass Wagner wenig emotional auftrat, muss kein Makel sein, schließlich ist überaus fraglich, ob der Standort Köln einen Trainer braucht, der die ohnehin vorhandenen Emotionen weiter befeuert. Die Ent-Emotionalisierung der Coachingzone könnte ein wichtiges Projekt auf Wagner Weg hin zu einer stabilen Mannschaft sein. Zumal der Trainer von sich sagt, durchaus emotional sein zu können, jedoch nur „wenn es um etwas geht, das ich beeinflussen kann. Das werden auch die Spieler spüren. Wenn es um Haltung geht, um Trainingsintensität, um Besserwerden jeden Tag. Da werde ich emotional, weil das Sachen sind, die jeder für sich entscheiden kann.“
Wagner streifte das Thema Haltung mehrfach, als er über seine Pläne sprach; um Intensität und eine Mannschaft, die am Limit spielen soll. „Es geht darum, gerade zu Hause ein aktives Bild zu zeigen. Damit das Stadion sieht: Wir sind voll dabei.“ Zuletzt hatte er nacheinander Jahmai Simpson-Pusey und Felipe Chavez aus dem Kader gestrichen, weil sie zu spät zu Besprechungen gekommen waren. Auch diese Reaktionen seien aus Haltungsfragen entstanden. „Wenn einer Termine verpasst, gibt es Konsequenzen. Wenn jemand wichtige Termine verpasst, ist die Konsequenz etwas größer, als wenn man zum Kaffeetrinken verabredet ist. Um die Haltung hier reinzubekommen, hätte ich mich nicht anders verhalten können. Wenn ich mich sonst am ersten Trainingstag hinstelle und sage, dass es hier um Haltung geht, würden diejenigen, die schon vorher da waren, sagen können: Du kannst jetzt hier einen von Haltung erzählen. Aber du hast es ja vorher gar nicht gelebt.“
Nach dem 1:3 im letzten Heimspiel der Saison gegen Absteiger Heidenheim hatte sich die Stimmung gegen den Trainer gedreht, das 1:5 beim FC Bayern zum Saisonfinale den Eindruck verstärkt, dass es mit diesem Mann nicht weitergehen dürfe. Wagner hat das in Teilen verstanden. „Wenn ich gegen Heidenheim verliere, hat jeder Fan das Recht, unzufrieden nach Hause zu gehen. Es kann nicht unser Anspruch sein, zu Hause in der zweiten Halbzeit nicht mehr gefährlich zu sein. Wir müssen die Ausschläge nach unten abschneiden“, sagt er. Im Interview mit dieser Zeitung sagte er im vergangenen Sommer, dass er nicht damit rechne, mehr als eine Chance im Profifußball zu erhalten. Nicht mit seiner Spielerlaufbahn, die ihn nicht über die Vierte Liga hinausgebracht hatte. „Als Trainer mit meiner Karriere glaubt man nicht, dass man nach einem Misserfolg noch drei Bundesligisten bekommt. Ich werde alles dafür tun, dass diese eine Chance die eine war, die ich brauchte. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Trainer wie ich eine Vorbereitung bekommt. Die Chancen haben wir jetzt bekommen, die haben wir uns in den vergangenen acht Wochen erarbeitet. Und die gilt es, zu nutzen.“
Eine Sommerplanung – und eine Beteiligung an der Kaderplanung. René Wagner wird nach der Sommerpause eine Mannschaft in die Bundesliga schicken, für die er mehr Verantwortung tragen muss als für die Gruppe, die er zum Klassenerhalt bugsierte.
Die Genauigkeit seiner Analyse hat uns überzeugt, dass René genau den richtigen Zeitpunkt erwischt hat, um hier Cheftrainer zu werden
Kessler begrüßt das. „Im vergangenen Jahr haben wir Kaderentscheidungen getroffen, bevor der Cheftrainer feststand. Das ist in diesem Sommer anders. Wir haben eine Saisonanalyse gemacht. Wir haben Profile festgelegt, jetzt geht es darum, die Scouting-Eindrücke und was in den Gesprächen mit den Spielern herausgekommen ist mit den Profilen abzugleichen“, sagt der Sportchef: „Die Genauigkeit seiner Analyse hat uns überzeugt, dass René genau den richtigen Zeitpunkt erwischt hat, um hier Cheftrainer zu werden“, sagt der 40-Jährige.
Nun muss Wagner zeigen, dass Kesslers Satz vom richtigen Zeitpunkt trägt – und dass aus der Sachlichkeit, die den Klassenerhalt absicherte, eine Idee wächst, die diese Mannschaft durch eine ganze Saison führt.


