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Lukas Podolski hört aufDer ewige Kölner macht Feierabend

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Lukas Podolski feierte am Wochenende in Zabrze das Ende seiner Profi-Karriere.

Lukas Podolski feierte am Wochenende in Zabrze das Ende seiner Profi-Karriere. 

Lukas Podolski hat mit fast 41 Jahren seine Karriere als Profifußballer beendet – der Weltmeister prägte eine Aufstiegsgeschichte, wie sie selbst im Fußball ungewöhnlich ist

Im Stadion von Zabrze trugen die Fans am Samstag Pappmasken mit seinem Gesicht. Das Grinsen darauf, die Sonnenbrille. Weiß-blau-roter Rauch stieg auf, Musik erklang – und Lukas Podolski betrat zum letzten Mal als Profi einen Fußballplatz. Zwanzig Minuten beim 6:2 gegen Radomiak, dann war Schluss. Feierabend, wie er selbst in einem Video gesagt hatte: Darin öffnete Podolski eine Tür, auf der in sechs Sprachen „Danke Fußball“ stand. Dann sprach er es aus: „So, Feierabend.“

Mit 40 Jahren und 353 Tagen war er der älteste Feldspieler, der je in Polens höchster Spielklasse aufgelaufen ist. Kurz zuvor hatte er den Verein übernommen, für den er zuletzt spielte. Górnik Zabrze, der Klub aus der Nachbarstadt von Gliwice, wo Podolski 1985 geboren wurde. „Boss“ stand auf einer Choreografie, und: „Es wird gut.“

So endete also die Geschichte des Profispielers Lukas Podolski. Begonnen hatte sie an einem stillen Herbsttag im November 2003, als in der Sportschule Hennef ein 18-Jähriger den Trainingsplatz betrat. Lukas Podolski lief in den geliehenen Sachen seines Kollegen Tomasz Klos auf, der bei der polnischen Nationalmannschaft war: Gemacht für einen Innenverteidiger, viel zu groß.

Der 1. FC Köln steckte in einer seiner regelmäßigen Krisen. Vier Tage zuvor hatte Marcel Koller mit dem Tabellenletzten ein 0:4 in Bochum einstecken müssen, bei seinem Einstand als Trainer. Man hatte sich zum Geheimtraining zurückgezogen. FC-Manager Andreas Rettig sagte an jenem Morgen über den Nachwuchsmann: „Er hat einen starken linken Fuß, und er ist schnell genug.“ Das war grundsätzlich richtig. Insgesamt aber eine historische Verknappung.

Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski jubeln nach dem WM-Sieg in Rio 2014.

Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski jubeln nach dem WM-Sieg in Rio 2014.

Wenige Wochen später erzielte Podolski sein erstes Bundesligator. Ein Kopfball beim 1:1 in Rostock. Am Mikrofon sagte er hinterher: „Das Unentschieden ist Scheiße.“ Mehr nicht. Er war 18 Jahre alt. Bis zum Ende der Saison würde er in 19 Spielen zehn Tore erzielt haben – und trotzdem stieg der FC ab. Dennoch rief ihn Rudi Völler noch zur Europameisterschaft nach Portugal.

Im Folgejahr schoss Podolski den FC beinahe im Alleingang zurück ins Oberhaus. Ein Nationalstürmer in der Zweiten Liga. Die Sensation wurde Alltag in Köln, der Ausnahmezustand ebenfalls.

Die Geschichte von Lukas Podolski ist die Geschichte eines sagenhaften Aufstiegs. In Polen geboren, kam er mit zwei Jahren nach Bergheim bei Köln, wechselte in die Jugend des FC. Bei Heimspielen im Müngersdorfer Stadion sammelte er Pfandbecher. Später sagte er: „Der FC war wie eine Familie für mich. Das bleibt tief in mir drin.“

Auch in Japan wurde Lukas Podolski zum Fanliebling.

Auch in Japan wurde Lukas Podolski zum Fanliebling.

Das ist die eine Geschichte. Die andere geht so: Lukas Podolski hat sportlich fast alles erreicht, was ein Fußballer erreichen kann – Titel gewann er allerdings nur außerhalb Kölns – und oft mit Mühe. Mit dem FC Bayern, zu dem er 2006 gewechselt war, wurde er zwar Meister, brachte es in zwei Spielzeiten aber nur auf überschaubare Einsatzzeiten. Manchem blieb er dabei zu fröhlich. Uli Hoeneß mahnte ihn damals öffentlich: „Lukas muss jetzt böse werden. Wenn er seine Einstellung nicht gravierend ändert, wird er es hier nicht schaffen.“ Frank Schaefer, Podolskis ehemaliger Jugendtrainer beim FC, beschrieb es einmal so: „Wie viele Fußballer, die extrem stark am Ball sind, ist Lukas sehr auf Ballbesitz gepolt.“ Ohne Ball sah Podolski oft aus, als habe er keine rechte Lust. Auf höchstem internationalem Niveau – dort, wo alle alles können müssen – war er nie ganz zu Hause.

Lukas muss jetzt böse werden. Wenn er seine Einstellung nicht gravierend ändert, wird er es hier nicht schaffen
Bayern-Patron Uli Hoeneß über Lukas Podolski

Mit Arsenal gewann er den FA Cup. Bei Inter Mailand spielte er kaum. Mit Galatasaray holte er den türkischen Pokal. Bei Vissel Kobe war er vor allem beliebt; war Kapitän und Publikumsliebling. Dann Antalyaspor, Zabrze. Die Stationen wurden kleiner. Doch zog Podolski seine Karriere bewusst in die Länge. Er wusste, dass er noch lange genug kein Profifußballer mehr sein würde.

Und in der Nationalmannschaft? 130 Länderspiele, 49 Tore – drittbester DFB-Torschütze nach Miroslav Klose und Gerd Müller. Weltmeister 2014. Das steht in jedem Lexikon. Was dort nicht steht: Beim Turnier in Brasilien war Podolski ein Randspieler. Im Finale gegen Argentinien stand er gar nicht mehr auf dem Platz. Bei der EM 2016 in Frankreich, seinem letzten großen Turnier, kam er gegen die Slowakei für 18 Minuten in ein längst gewonnenes Spiel. Joachim Löw sagte damals: „Mich hat es wahnsinnig gefreut, dass ich ihn bringen konnte.“ Ein Satz, der vor allem zeigt, wie weit Podolski da schon am Rand stand.

Joachim Löw war einer von Podolskis Wohlfühltrainern.

Joachim Löw war einer von Podolskis Wohlfühltrainern.

Die Fans liebten ihn bedingungslos. Als er nach der EM 2004 zurück ans Geißbockheim gekommen war, hatte die Aufregung um den jungen Hoffnungsträger keine Grenzen gekannt. So groß war der Andrang am Trainingsgelände, dass der FC schließlich alle externen Termine für Podolski absagte. Doch der Spieler wollte greifbar bleiben. Er sagte: „Mich nervt das nicht. Ich wollte doch immer dahin.“ Es sollte das Muster bleiben. Auch in München, London, Istanbul oder Kobe hörte er nie auf, der Junge aus Köln zu sein. Als er 2014 Weltmeister wurde und in Berlin die Fahne der Stadt Köln um die Schultern trug, war das keine Pose.

Fußballer und Multi-Unternehmer

Podolski ist auch eine Marke. Seine Döner-Filialen, Speise-Eis, ein Brauhaus am Alter Markt, das nach ihm benannt ist. Ein gigantisches Musikfestival am Hockenheimring. Als er im Oktober 2024 sein sogenanntes „Danke-Spiel“ im Rhein-Energie-Stadion bestritt – 50.000 Zuschauer, ausverkauft –, musste man sich doch wundern. Seit zwölf Jahren war er nicht mehr für den FC aufgelaufen. Doch nach wie vor bewegt er die Menschen. Damals sagte er zu den Fans: „Ich bin immer noch ein Junge von der Straße, aus der Kurve, ein Junge für euch.“

Podolskis Länderspielkarriere endete schöner, als man es sich ausdenken könnte. Am 22. März 2017 bestritt er im Westfalenstadion sein letztes Länderspiel, ein Freundschaftsspiel gegen England. In der 69. Minute traf er mit dem linken Fuß aus der Distanz – ein klassischer Podolski-Hammer. Womöglich waren es solche Tore, mit denen der Stürmer seine Fans immer wieder für sich einnahm. Wenn er traf, sah es so aus, als könne er jederzeit so treffen. Saß Podolski längere Zeit auf der Bank und lief es nicht, träumten die Fans davon, wie er eingewechselt wird und den Ball einfach in den Winkel donnert.

Lukas Podolski bei seinem Abschiedsspiel in Müngersdorf im Herbst 2024

Lukas Podolski bei seinem Abschiedsspiel in Müngersdorf im Herbst 2024

Die Trikotnummer 10 hat der 1. FC Köln seit Podolskis Abschied nicht mehr vergeben. Der Weltmeister hat genau im Blick, was in Köln los ist. Bei aller Neigung zum Flachs ist er ein auffallend ernsthafter, auch konservativer Mensch. Als er zuletzt darauf angesprochen wurde, ob Said El Mala im Fall seines Verbleibs ein Kandidat für seine vakante Rückennummer sein könne, sagte Podolski, halb im Spaß, aber gewiss nicht ohne Ernst, dass man darüber nachdenken könnte. Da sei er ganz entspannt. Allerdings nur für den Fall, dass er seine Karriere beendet.

Das mit dem Karriere-Ende immerhin ist nun passiert. Die FC-Fans warten nun auf einen Spieler, der sich würdig erweist, Podolskis Nummer zu übernehmen. El Mala wäre tatsächlich ein Kandidat, sollte er denn nach dem Sommer noch beim 1. FC Köln spielen. Klar ist aber auch: Ohne Podolskis Zustimmung wird der Verein die Entscheidung nicht treffen. Obwohl er offiziell nur in Zabrze der „Boss“ ist.