Podolski (fast 41) holt mit Zabrze den Pokal„Das sind die Momente, für die du einfach Fußball spielst“

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02.05.2026 WARSZAWA, PGE NARODOWY PILKA NOZNA  FOOTBALL , STS PUCHAR POLSKI SEZON 2025/2026 - FINAL STS PUCHARU POLSKI FINAL STS PUCHARU POLSKI MECZ GORNIK ZABRZE - RAKOW CZESTOCHOWA NZ LUKAS PODOLSKI GORNIK ZABRZE ZDOBYWA STS PUCHAR POLSKI RADOSC DEKORACJA DRUZYNA FOTO LUKASZ GROCHALA/CYFRASPORT /NEWSPIX.PL --- newspix.pl PUBLICATIONxNOTxINxPOL

Lukas Podolski mit der Trophäe für den polnischen Pokalsieger. Sein Team Gornik Zabrze gewann das Finale in Warschau mit 2:0 gegen Rakow.

Der Kölner Weltmeister spricht über Glücksgefühle, das Karriereende, große Pläne mit seinem Klub und den 1. FC Köln.

Der Tag und die Nacht gehörte ihnen. Im Warschauer Nationalstadion sangen und weinten weit über 30.000 Anhänger von Górnik Zabrze, die Tribünen bebten, Konfetti regnete auf den Rasen. Mittendrin: Lukas Podolski, 40 Jahre alt, am 4. Juni dann 41. Weltmeister, Reisender zwischen den Fußballwelten – und in diesem Moment einfach nur glücklich. Dann holte er nach dem Pokal-Triumph einen alten Mann in die Mitte des Trubels. Stanisław Oślizło, 88 Jahre alt, Klub-Legende, mehrfacher Pokalsieger als Spieler, hob gemeinsam mit Podolski die Trophäe in die Höhe. Die Fans feierten den Moment. Und die respektvolle Geste, die ein Zeichen über Generationen hinweg war.

Danach ließ die Nacht nicht locker. „Die Party ging bis um acht Uhr in der Lobby des Mannschaftshotels, es war ausgelassen und super emotional“, berichtete Podolski im Gespräch mit dieser Zeitung. „Ich habe zuvor bereits viele Fans im Stadion weinen gesehen. Die Anhänger, die Stadt, eine ganze Region haben so lange auf einen Titel gewartet.“ Am Sonntagabend, nach der Rückkehr nach Zabrze, ging die Feier weiter – diesmal im vereinseigenen Stadion, noch einmal mit den Fans, noch einmal laut und ausgelassen.

Was gefeiert wurde, lässt sich in Zahlen kaum fassen. 54 Jahre hatte Górnik Zabrze auf diesen Moment gewartet. Zuletzt hatte der Traditionsklub den polnischen Pokal 1972 gewonnen, die Meisterschaft zuletzt 1988. Eine ganze Generation – nein, fast zwei – hatte nie erlebt, was es heißt, mit diesem Verein einen Titel zu feiern. „Die meisten Fans hatten zuvor niemals einen Titelgewinn selbst erlebt und kennen vieles nur von Erzählungen und aus den Archiven“, sagte Podolski. „Der Verein hat auch viele schwere Zeiten durchgemacht, war vollkommen überschuldet, erdrückt von Altlasten.“

Im Finale in Warschau bezwang Górnik Rakow Czestochowa mit 2:0, vor insgesamt 50.000 Zuschauern. Der frühere Stuttgarter Roberto Massimo traf in der 32. Minute, Maksym Khlan erhöhte in der 65. Podolski selbst wurde erst in der 90. Minute eingewechselt – und sorgte prompt für einen Nebenplot: Jonatan Braut Brunes, Cousin von Superstar Erling Haaland (Manchester City), trat ihn so rüde um, dass der Norweger mit Rot vom Platz musste.

Sportlich ist für Zabrze noch längst nicht Schluss. Als Tabellenzweiter liegt der Klub zwar sechs Punkte hinter Spitzenreiter Lech Posen – hat aber ein Spiel weniger absolviert und noch vier Partien vor sich. Da Meister und Vizemeister in die Champions-League-Qualifikation einziehen, ist sogar die Königsklasse noch möglich. Durch den Pokalsieg darf Górnik zudem ab der dritten Qualifikationsrunde in der Europa League antreten.

In meiner Karriere haben längst nicht nur Titel gezählt. Aber das wie am Samstag sind die Momente, für die du einfach Fußball spielst, an die du dich immer erinnern wirst.
Lukas Podolski

Für Podolski persönlich ist der Triumph ein weiterer historischer Eintrag in einer außergewöhnlichen Karriere: In fünf verschiedenen Ländern hat er nun den nationalen Pokal gewonnen – nach Triumphen mit dem FC Bayern, dem FC Arsenal, Galatasaray Istanbul und Vissel Kobe. Und doch ist dieser anders. „Das ist ein wunderbares Gefühl und etwas anderes als die Triumphe in London oder Istanbul“, sagte er. „Der Titel nimmt bei mir auch deshalb einen ganz hohen Stellenwert ein. In meiner Karriere haben längst nicht nur Titel gezählt. Aber das wie am Samstag sind einfach die Momente, für die du Fußball spielst, an die du dich immer erinnern wirst.“

Ich lasse jetzt erst einmal alles sacken, bevor ich eine Entscheidung über meine Zukunft fälle. Ich habe da null Druck und mache mir auch keinen.

Ob es sein letzter war? Das lässt Podolski, der am 4. Juni 41 Jahre alt wird und dessen Vertrag ausläuft, offen. „Der Plan ist eigentlich, meine Karriere zu beenden. Eigentlich. Aber ich lasse mir diese Tür noch offen. Die europäischen Pokalwettbewerbe sind immer interessant.“ Und er ergänzte: „Ich lasse jetzt erst einmal alles sacken, bevor ich eine Entscheidung über meine Zukunft fälle. Ich habe da null Druck und mache mir auch keinen.“ Körperlich fühle er sich noch gut: „Natürlich bin ich nicht mehr so fit wie vor fünf Jahren, ich spiele auch weniger – aber ich fühle mich körperlich immer noch gut. Meine Rolle in der Mannschaft ist mittlerweile auch eine andere: Ich kann den Jungs in der Kabine viel mitgeben.“ Eines aber hat er für sich entschieden: „In den letzten Jahren habe ich viel Energie in die Arbeit auf und neben dem Platz gesteckt. Manchmal kam es vor, dass die Familie an zweiter Stelle stand, und diesen Kurs möchte ich etwas ändern.“

Lukas Podolski übernimmt Gornik Zabrze komplett

Doch Podolski ist bei Górnik längst mehr als ein Fußballer. Er ist Gesicht, Sponsor – und nun auch offiziell Anteilseigner. Über seine LP Holding GmbH hält er seit Dezember 8,3 Prozent der Aktien und ist damit zweitgrößter Aktionär. Das soll erst der Anfang sein: Podolski plant, den Klub vollständig zu übernehmen, wie er dieser Zeitung sagt: „Das ist das Ziel. Wir sind da bereits in sehr guten und zielführenden Gesprächen mit der Stadt“, sagte er. „Es geht nicht darum, dass ich, Lukas Podolski, einen Klub besitze. Ich bin kein Investor. Es geht einfach darum, dass der Verein nicht erneut in die falschen Hände gerät. Górnik Zabrze soll ein Verein für die Fans und die Region sein und kein Spielball irgendwelcher Spekulanten.“

Polish Cup Final Gornik Zabrze - Rakow Czestochowa Lukas Podolski celebrates the win after the Polish Cup Final Gornik Zabrze - Rakow Czestochowa at National Stadium in Warsaw, Poland on May 2, 2026. Warsaw Poland PUBLICATIONxNOTxINxFRA Copyright: xJakubxPorzyckix originalFilename:porzycki-polishcu260502_npMzb.jpg

Podolski nach dem Abpfiff im Mittelpunkt des Interesses und vor der Kurve der Fans von Gornik Zabrze. Über 30.000 hatten den Traditionsklub nach Warschau begleitet.

Auch hinter den Kulissen hat er sich längst unverzichtbar gemacht: Er habe dem Verein nicht nur Aufmerksamkeit beschert, sondern Sponsoren besorgt, sei an rentablen Spielertransfers beteiligt gewesen und habe die Jugendakademie vorangebracht. „Ich bin stolz darauf, was wir alle zusammen in den vergangenen Jahren erreicht haben. Wir arbeiten hier Hand in Hand, sehr eng und toll zusammen.“ Und er bleibt hungrig: „Wir sind weiter hungrig, natürlich ist sogar in dieser Saison noch mehr möglich. Aber wir sollten jetzt alle auf dem Teppich und demütig bleiben.“

Seinen Wohnsitz in Kattowitz will er bis mindestens Ende des Jahres behalten – „da meine Kinder hier noch in die Schule gehen“. Danach? „Auch das werden wir als Familie spontan entscheiden. Ich lebe sehr gerne in Polen, aber auch woanders. Ich muss nicht 24/7 an einem Ort sein und liebe es, flexibel zu bleiben.“

Das denkt Podolski über den FC

Den 1. FC Köln, seinen langjährigen Klub und zweiten Herzensverein, verfolgt Podolski aus der Ferne mit kritisch-wohlwollendem Blick. „Der FC wird den Klassenerhalt schaffen. Mit dieser Mannschaft muss er allerdings auch den Klassenerhalt schaffen.“ Einzelne Akteure lobte er ausdrücklich: „Wenn ich zum Beispiel Jakub Kaminski sehe, über den man natürlich auch in Polen spricht: Mit seinem Tempo, seiner Laufbereitschaft und seinen Aktionen ist er für mich einer der besten Spieler der Saison.“ Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler habe „ein gutes Team zusammengestellt“. Podolski fügte hinzu: „Beim FC scheint wieder etwas zu entstehen. Ich erhoffe mir allerdings, dass endlich auch einmal der eingeschlagene Weg auch mal konsequent weitergeführt wird.“

Eine baldige Rückkehr nach Köln plant er nicht aktiv. Zwar sei er vor einigen Monaten am Geißbockheim zu Gast gewesen und habe Gespräche geführt – vor allem im Marketingbereich gebe es Ideen für eine Zusammenarbeit. „Es ist aber nicht so, dass ich aktuell eine Rückkehr zum FC groß nachdenke oder plane. Ich habe hier in Zabrze schließlich noch genug zu tun“, sagt Podolski, der bekanntlich seit einigen Jahren auch noch Unternehmer ist, der in vielen Geschäftsbereichen tätig ist.