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Nachruf auf Christine McVie
Fleetwood Mac verdanken ihr die größten Hits

Christine McVie

Christine McVie

Die britische Sängerin und Keyboarderin Christine McVie wurde mit Fleetwood Mac weltberühmt. Oder sie mit ihr: Die Hälfte der Fleetwood-Mac-Hits stammte aus McVies Feder.

Die Gerüchte waren alle wahr: „Rumours“, das elfte Album von Fleetwood Mac, entstand in einem Mahlstrom aus havarierten Beziehungen, heimlichen Affären und Bergen von Kokain. Doch die den Traumata abgetrotzten Songs reihten sich in perfekter Harmonie aneinander, lauter Radiojuwelen, die sich einfach nicht tothören ließen.

„Und die Vögel singen weiter, als ob sie die Partitur kennen“, singt Christine McVie im letzten Stück der A-Seite, fortan spielten Fleetwood Mac ihren „Songbird“ auf Konzerten als Zugabe. Jetzt ist die im englischen Lake District geborene McVie im Alter von 79 Jahren gestorben. Sie sei, hieß es in einer Erklärung, im Krankenhaus im Kreise ihrer Familie nach kurzer Krankheit friedlich eingeschlafen.

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Die Tochter eines Konzertviolinisten und einer Wunderheilerin vereinte in ihren Kompositionen die Talente ihrer Eltern: Christine McVies Songs hinterließen ihre Hörer stets besser gestimmt als zuvor, selbst wenn sie wie „Little Lies“ vom Ende einer Liebe handelten.

Zu Fleetwood Mac stieß sie im Jahr 1970, nachdem sie John McVie, den Bassisten der Band geheiratet hatte, zuvor war sie unter ihrem sprechenden Mädchennamen Christine Perfect als Keyboarderin der Bluesband Chicken Shack aufgetreten.

Unruhige Zeiten für Fleetwood Mac

Es waren unruhige Zeiten für die Macs, die Besetzung wechselte ständig, Gitarristen erlitten Nervenzusammenbrüche oder schlossen sich Sekten an. In den USA schickte ihr Manager völlig andere Musiker unter dem Namen Fleetwood Mac auf Tour. Dann stieß mit Lindsey Buckingham und Stevie Nicks ein junges kalifornisches Paar zur Band und die Verhältnisse klärten sich: Die Rhythmusgruppe von Mick Fleetwood und John McVie ergänzten nun gleich drei talentierte Songschreiber, deren Stimmen sich zudem optimal ergänzten. Buckingham gab das zerquälte Genie, Nicks die verträumte Rock-Diva, McVie lieferte die Hits: Als 1988 ein Best-of-Album erschien, stammte die Hälfte der Songs aus ihrer Feder.

Die erste gemeinsame Platte klang wie eine Wiedergeburt, die britischen Bluesrocker hatten sich in amerikanische Popstars verwandelt, dann trennten sich erst die McVies und dann Buckingham/Nicks. Über die folgenden Liebschaften und Verletzungen sind ganze Bücher verfasst worden, verkürzt kann man sagen: Fleetwood Mac, das waren Abba auf Koks. Nur erfolgreicher: Allein „Rumours“ verkaufte sich rund 40 Millionen Mal.

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McVie ging aus dem Tumult hörbar gestärkt hervor: Ihre Altstimme erzählt von Selbstwertgefühlen wie „Don’t Stop“ und selbstbestimmter Sexualität wie „You Make Loving Fun“ oder „Everywhere“. Lieder von glasklarer Struktur, die dennoch Wärme verströmten. Vor dem Jahrtausendwechsel zog sich McVie in die englische Provinz zurück – nur um sich der Band 15 Jahre später wieder anzuschließen. In Köln konnte man sie 2015 erleben, auf der letzten Fleetwood-Mac-Tour in Idealbesetzung. Und zur Zugabe ließ Christine McVies noch einmal ihren „Songbird“ fliegen.

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