Zusammen mit dem Bassisten Robbie Shakespeare spielte der Jamaikaner auf etlichen Reggae-Klassikern und mit Popgrößen von Bob Dylan bis Madonna.
NachrufSly Dunbar war einer der einflussreichsten Drummer der Popgeschichte

Drummer Sly Dunbar ist mit 73 Jahren gestorben.
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„Wenn man eine Reggae-Platte kauft“, stellte Brian Eno anno 1979 fest, „sitzt mit 90 Prozent Wahrscheinlichkeit Sly Dunbar am Schlagzeug.“ Irgendwo in Jamaika, spekulierte der britische Meisterproduzent, müsse jemand den Drummer an einen Studiostuhl festgekettet haben. Tatsächlich, wie Eno bald lernte, wurden die Schlagzeugspuren von Lowell Fillmore Dunbar, genannt Sly, einfach immer wieder verwendet. Weil es keiner besser konnte, ab 1972 eigentlich nur noch zusammen mit dem anderthalb Jahre jüngeren Bassisten Robbie Shakespeare.
Die jungen Musiker hatten sich kennengelernt, als sie mit ihren jeweiligen Bands in benachbarten Clubs in der Innenstadt von Kingston auftraten. Hatte einer von ihnen gerade Pause, wechselte er schnell die Location, um dem anderen zuzuhören. Dunbar war ebenso beeindruckt von den so druck- wie wechselvollen Bassläufen Shakespeares, wie dieser vom Schlagzeugspiel des ersten: „Wenn sich der entschließt Session-Musiker zu werden“, dachte sich der Bassist, „können alle anderen Drummer einpacken.“
Für Grace Jones erfanden Sly and Robbie den modernen Pop
Es dauerte noch ein wenig, bis sie endlich für dieselbe Studio-Aufnahme gebucht wurden: Kaum spielten Dunbar und Shakespeare miteinander, war es, als klickten zwei Körper in einem Gelenk zusammen. Zuerst konnte man die „Riddim Twins“ 1976 auf „Right Time“ von den Mighty Diamonds hören, einer der besten Reggae-Platten überhaupt, dann auf den Alben von Superstars wie Peter Tosh, Jimmy Cliff und Black Uhuru
Als Sly and Robbie wurden sie als Rhythmusgruppe, Produzentenduo und Labelbetreiber zum geflügelten Wort, auch weit außerhalb ihres angestammten Genres. Da hatte Brian Eno nämlich noch untertrieben: Mick Jagger und Herbie Hancock, Joe Cocker und No Doubt, Serge Gainsbourg und Simply Red, Sting und Britney Spears, Madonna und Bob Dylan gehörten zu den Stars, die sich ihrer Dienste versicherten.
Sie hatten bereits etliche Reggae-Klassiker eingespielt, als sie eine Tournee mit den Rolling Stones 1978 zu einem härteren, energetischeren Sound inspirierte. Zu hören etwa auf drei fantastischen Alben – „Warm Leatherette“, „Nightclubbing“ und „Living My Life“ – die sie Anfang der 1980er in den Compass Point Studios auf den Bahamas für Grace Jones einspielten. Vor allem auf „Nightclubbing“ kann man ihnen dabei zuhören, wie sie den Prototyp des modernen, leicht robotischen Pops erfinden, der bald darauf die Welt erobern sollte.
Es sollte nicht die einzige Innovation des Duos bleiben: Anfang der 90er leiteten Sly and Robbie als Produzenten-Team auf ihrem Label Taxi Records die digitale Ära des jamaikanischen Dancehalls ein, der entscheidende Track ist hier „Murder She Wrote“ von Chaka Demus & Pliers.
Robbie Shakespeare starb 2021 nach einer Nierenoperation. Sly Dunbar wachte am Montagmorgen nicht mehr auf, wie seine Frau der jamaikanischen Zeitung „The Gleaner“ bestätigte. Er wurde 73 Jahre alt.

