Gewalt gegen Frauen bleibt oft im Verborgenen: Eine Plattform, auf der Fälle anonym gemeldet werden können, will das nun ändern.
Kölnerinnen können Fälle meldenNeue Plattform soll Gewalt gegen Frauen sichtbarer machen

Ein Screenshot der Webseite laut.jetzt zeigt von Nutzerinnen gemeldete Übergriffe in Deutschland.
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Die Zahl der polizeilich erfassten Straftaten gegen Frauen und Mädchen steigt seit Jahren. Besonders deutlich zeigt sich der anhaltende Anstieg im Bereich der häuslichen Gewalt sowie bei geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichteten Straftaten. Aktuelle Lagebilder des Bundesinnenministeriums machen damit sichtbar: Gewalt gegen Frauen ist kein Randphänomen, sondern ein strukturelles Sicherheits- und Gesellschaftsproblem.
Im Bereich häuslicher Gewalt wurden im jüngsten Berichtszeitraum 265.942 Opfer registriert – ein neuer Höchststand. 187.128 der Betroffenen waren weiblich. Damit richtet sich ein großer Teil der Gewalt im privaten Umfeld weiterhin gegen Frauen. Fachleute gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus, da viele Taten aus Angst, Abhängigkeit oder Scham nicht angezeigt werden.
Gewalt gegen Frauen: Neues Online-Portal will „Sichtbarkeit schaffen“
Genau diese durch die Dunkelziffer bewirkte Unsichtbarkeit des Ausmaßes von Gewalt gegen Frauen will die Programmiererin Lydia Ickler nun reduzieren – und hat dafür die Plattform laut.jetzt gegründet, auf der Fälle anonym gemeldet werden können. Schon nach kurzer Zeit gibt es dort Hunderte Einträge – einige stammen auch aus Köln.
„Man kann auf einer Karte – wie bei Google Maps – einfach einen Punkt setzen und dann angeben, was einem genau passiert ist“, erklärte die Gründerin ihr Anliegen im Gespräch mit dem Sender Deutschlandfunk Nova. Es gehe ihr darum, „Sichtbarkeit zu schaffen“, erklärte Ickler weiter, um so eine bessere Grundlage für gesellschaftliche und politische Entscheidungen zu ermöglichen.
„Fast jede Frau hat schon einmal unangenehme Situationen erlebt“
Die Idee sei entstanden, da sie gemerkt habe, dass es immer noch „Leute gibt, die daran zweifeln, dass es häufig passiert“, oder die behaupten würden, dass Gewalt gegen Frauen nur in Großstädten vorkomme. Das sei eine Fehlannahme, so Ickler. „Wenn man sich in seinem Freundinnenkreis umhört, hat fast jede Frau schon einmal unangenehme Situationen erlebt.“ Der Gedanke sei, das Ausmaß „visuell darzustellen, sodass es wirklich jeder versteht“, erklärte sie weiter im Deutschlandfunk.
Ickler räumt jedoch ein, dass die Plattform manipuliert werden könnte – etwa durch bewusste Falschmeldungen von Vorfällen. „Ein, zwei falsch gesetzte Pins“ würden jedoch „nicht wirklich etwas ausmachen“, so Ickler, die davon ausgeht, dass der überwiegende Anteil der Meldungen authentisch sein wird.
Hohe Dunkelziffer bei Gewalt gegen Frauen: „Große geheime Nummer“
„Es gibt diese Dunkelziffer – weniger als zehn Prozent der Fälle werden überhaupt angezeigt. Das heißt, hier gibt es noch eine große geheime Nummer, von der niemand etwas weiß, und so können wir die vielleicht ein bisschen auffüllen“, bekräftigt die Programmiererin ihr Anliegen.
Zum Schutz vor Missbrauch gebe es jedoch ein Limit bei der Nutzung des Portals: Nutzerinnen können lediglich einen Pin pro Stunde auf der Karte erstellen, um Spam zu verhindern und Manipulationen zu erschweren.
Für eine Meldung auf dem Portal sind weder eine Registrierung, noch die Angabe eines Namens notwendig. Auch IP-Adressen und Gerätekennungen würden nicht gespeichert, heißt es in einem Instagram-Post des Portals. Vorfälle aus der Vergangenheit können demnach ebenfalls gemeldet werden. (das)

