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Neuer Kinderfilm„Das geheime Stockwerk“ zeigt Zeitreise ins Dritte Reich

4 min
Drei Kinder stehen nebeneinander und schauen sich an.

Die Hauptfiguren des neuen Kinderfilms „Das geheime Stockwerk“ (v.l.): Georg (Maximilian Reinwald), Karli (Silas John) und Hannah (Annika Benzin)

Regisseur Norbert Lechner verknüpft ein Krimiabenteuer mit historischer Bildung, um Themen wie Antisemitismus, Flucht und Verfolgung zu vermitteln.

Der Münchner Regisseur Norbert Lechner gehört zu den wenigen, die sich hierzulande regelmäßig dem Kinderfilm zuwenden, und das mit großer Zuneigung und viel Fürsorge. Nach seinem Heimatfilm „Toni Goldwascher“ (2007) verlegte er für „Tom und Hacke“ (2012) Mark Twains berühmten Roman „Die Abenteuer des Tom Sawyer“ ins Bayern unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Noch einige Jahre weiter in der Zeit zurück geht er mit dem spannenden Krimiabenteuer „Das geheime Stockwerk“, das nun in die Kinos kommt. Darin besteigt der zwölfjährige Karli, der seinen Eltern eher lustlos bei der Renovierung eines alten Hotels in den Alpen hilft, einen klapprigen Fahrstuhl – und wird mitten hinein in die politischen Zerreißproben des Jahres 1938 katapultiert.

In dem nunmehr von mondänen Gästen bewohnten Prachthotel begegnet Karli (Silas John) dem gleichaltrigen, jüdischen Mädchen Hannah (Annika Benzin), das mit ihrem Vater vor den Nachstellungen der Nationalsozialisten aus Berlin geflohen ist. Während er mit ihr und dem Schuhputzjungen Georg (Maximilian Reinwald) einen vermeintlichen Diebstahl aufklärt, erlebt er aus erster Hand so manches über den erstarkten Nationalsozialismus und die sich abzeichnenden Tragödien. Zwischendurch reist Karli mehrfach ins Jahr 2025 zurück und erkennt quasi rückblickend die Zusammenhänge von Antisemitismus, Flucht und Verfolgung und erfährt mit ganzer Wucht die Schrecken und Folgen der Nazi-Herrschaft.

Lechner: Film hat seit der Konzeption „krass“ an Aktualität hinzugewonnen

„Das geheime Stockwerk“ ist Lechners drittes Projekt mit den Drehbuchautorinnen Katrin Milhahn und Antonia Rothe-Liermann. „Schon früh kamen wir auf die Idee mit der Zeitreise, fragten uns aber, in welche Zeit wir damit reisen wollten. Antonia hat ihre Grundschulzeit in der damaligen DDR verbracht, bereits in der zweiten Klasse bekam sie einen Dokumentarfilm über Auschwitz gezeigt, danach hatte sie über Monate hinweg Albträume. Immer schon hatte sie überlegt, wie man Kindern von der NS-Zeit erzählen könnte, ohne sie zu traumatisieren. Das hat sich am Ende gut mit dem Fantasy-Ansatz zusammengefügt. Wobei wir damals, als wir das Projekt konzipierten, nicht annähernd ahnen konnten, dass der Film fünf Jahre später so krass an Aktualität hinzugewinnt.“

Mit auffallender Leichtigkeit verzahnt der sorgfältig ausgestattete Film Unterhaltung und Atmosphäre, wechselt geschickt zwischen spannenden, heiteren und tragischen Momenten, ohne dabei allzu didaktisch zu werden. Lechner: „Im Grunde reiht ein schulischer Geschichtsunterricht immer nur Fakten aneinander, die am Ende dann abstrakt bleiben. Wirklich berühren kann einen ein Thema erst dann, wenn man Empathie entwickelt, und genau das ist bei Karli der Fall. Es ist ein schmerzhafter Prozess, den wir ihm mitgeben wollten. Es gibt viele Kinder wie ihn, die nichts über die NS-Zeit wissen, auch Karli gerät in eine schwierige Situation, ist im Grunde vollkommen naiv. Und erfährt von dem Grauen erst, als es längst zu spät ist.“

Regisseur setzt auf uneingeschränkte Wirkkraft des Kinos

In den Kinos muss sich „Das geheime Stockwerk“ nun gegenüber weit kommerzielleren Kinderstoffen wie „Checker Tobi 3“ und „Die drei ??? –Toteninsel“ behaupten. Dennoch ist der Film für Lechner dort bestens aufgehoben: „Allein schon deshalb, weil ich uneingeschränkt auf die Wirkkraft des Kinos setze und mich nie von den vielen Unkenrufen habe beirren lassen. Nach Corona war es extrem, jetzt geht es um die Bedrohung durch Streamingdienste, und doch glaube ich, dass Kino weiterhin funktionieren wird, auch mit Stoffen wie ‚Das geheime Stockwerk‘.“

Zusätzlich speist sich seine Zuversicht aus erfolgreichen Vorführungen auf Kinderfilm-Festivals: „Als wir die Premiere des Films beim Festival ‚Goldener Spatz‘ feierten, hatten wir zusätzlich mehrere Schulvorstellungen. Bei einer davon saßen wir in einem vollen Kino, und in einer der mittleren Reihen waren einige Jungs, die während der Vorführung anfingen, ganz schlimme Witzchen zu reißen, immer dann, wenn ein Hakenkreuz auftauchte oder wenn die Gäste in der Hotelbar die Hand zum Hitlergruß heben. Da dachte ich mir, oh Gott, das kann jetzt ja heiter werden. Je weiter der Film dann aber lief, desto leiser wurde es, und am Ende war Totenstille – auch in dieser besagten Reihe.“


Der Film „Das geheime Stockwerk“ hat eine Länge von 96 Minuten. Kinostart ist der 12. März.