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PhilharmonieCalidore Quartet wohltuend altmodisch

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Das Streichquartett-Repertoire der klassischen Moderne ist auf dem Konzertpodium nur sehr eingeschränkt präsent. Klar, Bartók, Schostakowitsch und der Schönberg-Schule begegnet man mit einiger Regelmäßigkeit. Aber gerade diesen schmalen Kanon sparte das Calidore String Quartet in der Philharmonie beflissen aus. Mit Quartetten von Prokofjew (Nr. 2), Milhaud (Nr. 4) und Hindemith (Nr. 4) leuchtete das junge amerikanische Ensemble in eine Stilepoche, die meist unter dem etwas vagen Begriff "Neoklassizismus" firmiert - Musik, die sich historischer Formen bedient und den Tonsatz von den Schlacken spätromantischer Überfrachtung befreit.

Das klingt nach Diät und war im Zugriff der 2010 gegründeten Truppe doch gerade das Gegenteil. Die etwas spröde Polyphonie im Kopfsatz des Hindemith-Quartetts löste sich zu fließender Kantabilität; die Einschaltungen schlichter Tanzfolklore bei Milhaud und Prokofjew wurden mit musikantischer Spielfreude angegangen und zugleich sinnig ins Klangkonzept integriert.

Ganz unmittelbar für das Quartett nahmen die Tonschönheit und das Ebenmaß seines Spiels ein. Das flexible, insgesamt aber eher schlanke Vibrato und die sanfte Klangkuppel der Primgeige wirkten geradezu wohltuend altmodisch. Dazu kam eine hohe Sorgfalt der Einstudierung, die sich besonders in den Übergängen der Formteile, in der Schlüssigkeit von Tempo- und Lautstärke-Entwicklungen zeigte.

All diese Qualitäten bündelten sich im populären Hauptwerk des Abends, Maurice Ravels F-Dur-Quartett. Hier war alles im poetischen Fluss, war Brise und Lichtreflex, Haut- und Nervenreiz. Besser geht es kaum; und dafür wurde das Quartett im Saal auch zu Recht gefeiert. Auf eine baldige Rückkehr ist zu hoffen - gerne mit Mendelssohns Quartett op. 80, dessen Adagio den schönen Abend so behutsam und beseelt beschloss. (rü)