Interne Streitigkeiten?Langjährige Leiterin des Rheinischen Bildarchivs in Köln überraschend versetzt

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Hinweistafel auf das Historische Archiv und das Rheinische Bildarchiv der Stadt Köln

Schild am neuen Historischen Archiv der Stadt Köln am Eifelwall. Das Rheinische Bildarchiv ist dort nur noch ein Sachgebiet.

Das Rheinische Bildarchiv wird seit 2023 ins Stadtarchiv eingegliedert. Jetzt hat die RBA-Leiterin Johanna Gummlich ihre Position verloren. 

Archive sind wie Bibliotheken eher Orte stiller Tätigkeit. Auch das Rheinische Bildarchiv (RBA) der Stadt Köln arbeitete seit seiner Gründung im Jahr 1926 weitgehend geräuschlos daran, die Bestände der städtischen Museen sowie die Kölner Baudenkmäler fotografisch zu dokumentieren und dieses historische Bildgedächtnis für die absehbare Ewigkeit zu bewahren.

Mittlerweile gehören außerdem zahlreiche Nachlässe von Fotografen zum über 5,4 Millionen Bilder umfassenden Archiv; allein vom Kölner Fotografen Chargesheimer besitzt das RBA mehr als 40.000 Negative. Ein bedeutender Teil der Bestände ist in der Internet-Datenbank „Kulturelles Erbe Köln“ öffentlich zugänglich.

Offenbar versprach sich die Stadt von der Zusammenlegung der Archive Synergieeffekte

Seit 2010 leitet Johanna Gummlich die stille städtische Behörde, die im Durchschnitt jährlich etwa 1000 Anfragen nach hochwertigen Abzügen bearbeitet – vorwiegend von Verlagen und aus der Wissenschaft. 2021 zog das RBA ins neue Historische Stadtarchiv am Eifelwall, eine logistische Herkulesaufgabe, von der sich die Stadt Köln offenbar auch die aus dem Wirtschaftsleben bekannten „Synergieeffekte“ versprach. Zwar blieb das RBA in der Außendarstellung eigenständig, intern wurde es dem Historischen Archiv allerdings zum 1. Januar 2023 „eingegliedert“.

Johanna Gummlich zeigt ein Fotodokument aus dem Rheinischen Bildarchiv

Johanna Gummlich. langjährige Leiterin des Rheinischen Bildarchiv, im Jahr 2019

Dem Vernehmen nach verlief diese Zurückstufung des RBA zum „Sachgebiet“ innerhalb des Historischen Stadtarchivs alles andere als reibungslos; insbesondere das Verhältnis zwischen Gummlich und der ihr seit 2023 vorgesetzten Stadtarchiv-Leiterin Bettina Schmidt-Czaia soll nicht das Beste sein. Offenbar wollte Gummlich nicht einfach so hinnehmen, dass das RBA in den Strukturen des Stadtarchivs aufgeht.

Anfang dieses Monats wurde dieser auf der Führungsebene ausgetragene Konflikt offenbar von Schmidt-Czaia in Chefmanier „beigelegt“ und Gummlich an eine andere Stelle innerhalb des Stadtarchivs versetzt. Angeblich bekommt es die Fotografie-Expertin dort in eher beengten Verhältnissen mit mittelalterlichen Handschriften zu tun. 

Weder Johanna Gummlich noch die Stadt Köln wollten sich äußern

Auf Anfrage dieser Zeitung wollten sich weder Johanna Gummlich noch die Stadt Köln zum Vorgang äußern. Zu „amtsinternen Personalangelegenheiten“ nehme man nicht Stellung, heißt es dazu aus dem Kulturdezernat. Auch die Frage, wer das Rheinische Bildarchiv aktuell leite, blieb unbeantwortet.

Die Eingliederung des RBA ins Stadtarchiv verlaufe „planmäßig“, so die Stadt weiter, Prozesse und Angebote der beiden Archive würden aufeinander abgestimmt und ausgeweitet. Keinesfalls sei eine Abwicklung des RBA geplant: „Aufgaben, Portfolio und Serviceleistungen des Sachgebietes Rheinisches Bildarchiv bleiben unverändert bestehen“, so die Stadt.

Trotzdem bleibt der Eindruck, eine hochrangige wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stadt sei versetzt worden, weil sie sich dem Umbau ihres „Sachgebiets“ nicht widerspruchslos fügen wollte. Welche Auswirkungen dies auf das Binnenklima des Stadtarchivs hat, bleibt abzuwarten. Zwei Jahre vor seinem 100-jährigen Bestehen scheint die Ruhe im Rheinischen Bildarchiv jedenfalls dahin.

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