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„Das hat mir einfach gut getan"Interview mit Rita Falk über die Eberhofer-Krimis

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Rita Falk bei der Premiere von „Guglhupfgeschwader" in München. 

  • Rita Falk ist Autorin der Krimi-Reihe rund um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer
  • Ihr Roman „Guglhupfgeschwader" wurde verfilmt und kommt heute in die deutschen Kinos
  • Wir sprachen mit ihr über ihre Arbeit als Autorin und wie sie zu den Buchverfilmungen steht

Hallo, Frau Falk, Ihre schriftlichen Arbeiten vermitteln das Gefühl, dass Sie jemand sein könnten, dem der Schalk im Nacken sitzt.

Rita Falk: Und, sehen Sie das Gefühl bestätigt?

Ja.

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Dann haben Sie das völlig richtig interpretiert.

Das freut mich. Sie sind 1964 geboren in Oberammergau. Waren Sie auch auf den Festspielen?

Ja, ich war 1970 in der Kindergruppe aktiv dabei. Meine Erinnerung reicht dahingehend zurück, dass wir Kinder mit Palmwedeln um einen Esel herumstanden, und ich konnte nicht aufhören, diesen Esel anzustarren. Und zwar bei jedem Einsatz, also rund dreimal die Woche, weil die Kindergruppen ja öfter durchgewechselt werden.

Zur Person

Rita Falk, geboren 1964 in Oberammergau, war bis zu ihrem Erfolg als Autorin als Bürokauffrau tätig. Ihr Debütroman „Winterkartoffelknödel" erschien 2010 und war der Start einer bisher elfbändigen Krimi-Reihe.

„Guglhupfgeschwader" ist ihr zehnter Roman und der achte, der verfilmt wird. er erscheint am 04.08.2022 in den deutschen Kinos.

Sie sind Christin?

Ich bin gläubig. Aber dass wir Menschen nicht die höchste Stufe der Schöpfung sind, da bin ich mir ziemlich sicher. Da denke ich, dass es noch etwas Größeres, weiter Entwickeltes gibt.

Sind Sie katholisch?

Ich bin aus der Kirche ausgetreten. Aber ich habe die Überzeugung, dass jede Religion ihre spirituelle Daseinsberechtigung hat und ein jeder das für sich finden muss oder eben nicht. Aber Kirche als Institution ist etwas Anderes. Ich bin ausgetreten, als die Kindesmissbrauchsfälle sich immer weiter häuften. Da war es mir dann wichtig, Position vor mir selbst zu beziehen.

Wie Rita Falk zur Krimi-Autorin wurde

Sie waren berufstätig als Bürokauffrau?

Ja.

Und da erwachte Ihr Interesse für Krimis? Oder gab es dort Leute, die man hätte ermorden wollen?

Ja, die gab es, zwar im übertragenen Sinne, aber immerhin.

Und so setzten Sie sich an die Tastatur und legten los?

Es war nie geplant, einen Krimi zu schreiben. Ich habe aber mein Leben lang immer schon meine Gedanken schriftlich verarbeitet. Das tut mir einfach gut. Ich habe viel Tagebuch geschrieben, manchmal auch eine Kurzgeschichte oder ein Gedicht.

Dass es dann doch auch zu einem längerem Projekt kam, war dem Umstand geschuldet, dass ich arbeitslos geworden war. Natürlich habe ich Bewerbungen geschrieben, aber die Wartezeit zwischen den Antworten wurde dann zusehends kreativ genutzt.

Die Geburt der Eberhofer-Krimis

Auftritt Franz Eberhofer!

Nein, zuerst habe ich „Hannes“ geschrieben. Den habe ich dann auch Verlagen angeboten, er wurde aber überall abgelehnt mit der Begründung, es wäre ihnen eine zu schwere Kost für ein Debüt. Dazu fehlt mir bis heute der Sinn, aber es war halt so. Darauf keimte in mir der Trotz und ich sagte mir, wenn ihr jetzt nichts Ernstes haben wollt, dann kriegt ihr halt was Lustiges.

Einen Krimi finde ich in dem Zusammenhang nur bedingt nachvollziehbar.

Mein Mann, der ja vor zwei Jahren verstarb, war ja über 30 Jahre lang bei der bayerischen Polizei und konnte mich in den kriminalistischen Belangen beraten. Und daraus ist dann der Eberhofer entstanden.

Wie viel Rita steckt in Susie?

Hm, es steckt ganz viel Rita in allen meinen Figuren, weil ich die ja mögen muss. Ich könnte nie über jemanden schreiben, den ich selber unsympathisch finde. Ich mag ja auch meine Mörder, denn die sind nie völlig schlecht oder hinterfotzig; es gibt immer noch liebenswerte Facetten an und in ihnen. Aber zu Ihrer Frage: Ich bin ganz anders als die Susi. Trotzdem berührt mich ihre Treue und Liebe und Loyalität zum Franz schon sehr.

Krimi mit Humor für die Seele

Schwebte Ihnen von Beginn an das Etikett „Provinzkrimi“ vor?

Nein, während des Schreibprozesses gar nicht. Dabei ist wichtig zu wissen, dass der erste Eberhofer nicht in der Absicht entstand, dass er veröffentlicht wird.

Wie bitte?

Naja, ich hatte den eigentlich mehr so als Therapie für mich geschrieben. Mir ging es in jener Zeit nicht so gut. Wenn man arbeitslos wird, dann ist das schon deprimierend. Deshalb gefiel es mir, mich in gewisser Weise frei zu schreiben, und dieser Humor und die Ironie, das hat mir einfach gut getan. Ein paar Freundinnen wollten diese Geschichte unbedingt lesen, und eine hat dann nicht locker gelassen, dass ich mit dem Eberhofer raus an die Verlage gehe. Aber ein Label spielte zu diesem Zeitpunkt keine Rolle.

Hatten Sie keine Vorbilder? Es gab ja schon die Kluftinger-Krimis oder die Serie „Hubert und Staller“.

Das müssen sie jetzt nicht glauben, aber ich hatte weder vom einen noch vom anderen gewusst, weil Krimis eigentlich nicht mein bevorzugtes Genre sind. Ich kannte nichts davon, und ich hatte auch nicht das Gefühl, dass ich in etwas reinstochere, das gerade angesagt ist. Wenn, dann war das Zufall.

Zu spannend oder zu langweilig

Und Sie lesen keine Krimis?

Ich habe irgendwann damit aufgehört, weil ich diese Spannung nicht ertrage. Oder sie sind langweilig, dann will ich sie auch nicht lesen.

Und wieso kriegen Sie das dann selber so gut hin?

Das freut mich ja selber, dass es gut hinhaut. Aber mein Mann Robert hat mich Anfangs eben auch super beraten.

Und was hat der Ihnen geflüstert?

Ich stellte ihm Fragen zu Dingen, die man als Außenstehender nicht wissen kann – etwa der Polizeijargon.

Oder ob die Leberkäsbrötchen futtern?

Die futtern sehr viel davon, das können Sie mir glauben.

Man kann auch festhalten, dass die Leichenfunde bei Ihnen ausgesprochen drastisch ausfallen.

Naja, also langweilig muss es ja nicht sein, wenn man einen Krimi schreibt.

Falks Krimi-Geschmack

Was ist für Sie ein Krimi?

Da bin ich jetzt nicht so die gute Ansprechpartnerin. Wenn bei den Seriensachen nach 90 Minuten ein Fall abgeschlossen wird, dann ist das die Zeitspanne, die ich gut verkraften kann. Was ich so gar nicht mag, sind diese düsteren Geschichten aus Skandinavien. Ich nehme schon Anstoß an diesem permanent Morbiden. Fiese Morde, schlechtes Wetter, grimmige Gesichter – das hat für mich keinen Entspannungswert.

Im Jahre 2022 gibt es elf Eberhofer-Romane und acht Filme dazu. Bekommt man da nicht auch mal Angst vor dem Erfolg?

Ich beschäftige mich nicht damit. Ich kann ganz gut funktionieren – bei einem Interview, bei einer Bühnenpräsentation, einer Filmpremiere oder einer Lesung. Aber wenn ich zu Hause die Tür hinter mir zumache, bleibt das alles außen vor. Und ich muss auch nicht ständig auf die Kontoauszüge wegen Tantiemenzahlungen schauen oder beim Verlag wegen Verkaufszahlen fragen. Es interessiert mich einfach nicht.

Wieso?

Ich fühle mich wohl in meiner Haut. Ich mag keinen Hochmut und keine Dekadenz, mir sagt es zu, wenn jemand fleißig und bodenständig ist. Darum möchte ich mich nicht verändern, und darum beschäftige ich mich auch nicht damit.

Der Erfolg der Eberhofer-Krimis

Einverstanden. Trotzdem sind Sie regelmäßig auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Da wären andere auch mal gern.

Schon, aber meiner Ansicht nach ist das nicht planbar. Das entscheidet nur die Leserschaft. Meine Figuren mag man einfach, und ich denke, das ist mir gelungen, weil eben viel Herz von meiner Seite beigegeben wurde.

Haben Sie Angst, dass Ihnen mal die Titel ausgehen?

Nein, bestimmt nicht. Die bayerische Speisekarte ist sehr umfangreich, da habe ich noch einiges in petto. Das war auch mit den Namen der Figuren. Da habe ich nicht wochenlang Telefonbücher durchgeblättert, die kamen ganz von allein. Und beim Flötzinger, dem Sanitärpfuscher, da war der Name zuerst da, und ich habe die Figur dann dazugebastelt.

Kennen Sie „Mord mit Aussicht“?

Mittlerweile ja, und das ist etwas, das ich absolut super finde. Und ich weiß nicht, wenn ich das früher gesehen hätte, ob ich dann überhaupt einen Eberhofer-Krimi hätte schreiben können. Vermutlich hätte ich dann in eine ganz andere Richtung hin gearbeitet.

Zum Glück haben Sie das nicht. Wie eng darf es für den Helden, wie spannend darf der Krimi sein?

Das kommt immer darauf an. Ich bespreche mich da sehr genau mit meiner Lektorin, dass es so aber Kapitel 18 darangeht, den Fall zum Ende zu bringen. Mit ist es wichtig, dass es plausibel ist, und dass die Aufklärung eines Falls nicht die anderen Handlungsstränge aus dem Eberhofer-Alltag überwuchert. Jede Figur soll stets ein ihr angemessenes Quantum im Buch haben.

Besteht die Gefahr, dass sich mal Überdruss einstellt, alles auserzählt ist?

An Ideen gibt eher keinen Mangel, aber mit den Schauplätzen sind wir so langsam durch, und mit den Tatwerkzeugen schien es auch mal eng zu werden. Aber zwischendurch wurde mir von verschiedenen Seiten bestätigt, dass da noch viel Nachschub gesichert ist.

Als Autor zum Film stehen

Nicht alle Filme halten Sich sklavisch an die Bücher. Stört Sie das?

Nein, ein Film ist ein Film, der kann nicht ein Buch eins zu eins übernehmen. Wenn der Eberhofer mit seinem Hund Ludwig Gassi geht, dann nutzt er das auch, um seine Gedanken zu sammeln. Im Buch sind das schöne Momente, aber ob das auch schöne Filmszenen wären, wohl eher nicht. Und wenn ich das verstanden habe, dann liegt es auf der Hand, dass man bei einer Verfilmung als Autor auch mal ein bisschen loslassen und den Filmemachern Vertrauen schenken muss.

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Aber Sie haben das letzte Wort?

Ja, ich lese die Drehbücher, weil ja auch Dinge vorkommen, die nicht im Roman stehen, und dann segne ich ab oder eben nicht. Es gab auch schon Dinge, die mir nicht gefielen. Und dann setzt man sich zusammen und erarbeitet eine Lösung. Und dann weiß ich ein ums andere Mal, was für ein Geschenk das ist, dass so ein Team zusammen kam und ich dazu gehöre. Und im September geht es ja weiter, dann beginnen die Dreharbeiten fürs „Rehragout-Rendezvous“. 

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